Kabarett

Herbert Knebel in Herne: Rock’n’Rheuma bis zum Schluss

Im Kulturzentrum gefeiert: Herbert Knebel und sein Programm „Außer Rand und Band".

Im Kulturzentrum gefeiert: Herbert Knebel und sein Programm „Außer Rand und Band".

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Herne.  Herbert Knebel und sein Affentheater wissen, wie es geht. Der ewige Rentner und seine Band rockten das voll besetzte Herner Kulturzentrum.

Die Buxe bis unter die Achseln gezogen und die Telecaster um das Wohlstandsbäuchlein geschnallt, begrüßt der ewige Frührentner Herbert Knebel sein Publikum, das sich ihn und sein Affentheater „außer Rand und Band“ am Mittwoch nicht entgehen lassen will. Im Kulturzentrum brodelt es daher trotz oder grade wegen der hohen Dosen an altersbedingten Medikamenten im Blut des Quartetts, das ohne große Umschweife seine Version von „Should I stay or should I go“ zum Besten gibt.

Volle Packung Halbwissen

Wer hier ist, um Schlager zu hören, mag bedröppelt reinschauen, ein Blick durch die vollen Reihen im Saal aber lässt nicht darauf schließen. Wer Herbert Knebel kennt, weiß, worauf er sich einlässt, und bekommt nicht weniger geboten als die volle Packung Halbwissen eines kopfschüttelnden Beobachters, der nicht ganz mit der Zeit mithalten konnte. Mit der Band an seiner Seite macht dies um so mehr Spaß, hat der Liebhaber von Hornbrillen doch nun ebenso bekloppte Gesprächspartner parat, denen er wunderbar seine Bälle zuwerfen kann.

Nach dem ersten Song läuft die Suppe bereits in Strömen und den Herren wird abermals klar, dass sie abgebaut haben und auch das Gedächtnis nicht mehr ganz auf dem aktuellstem Stand ist: Ja, Kennedy ist lange tot, aber, dem Internet sei Dank, muss sich niemand mehr etwas merken. Früher war eben nicht alles besser, aber der Weg war anno dazumal das Ziel, sinnieren die Schein-Alten über Vor- und Nachteile moderner Navigationssysteme, ehe sie für „My Generation“ in die Saiten greifen.

Das spielerische Können des Affentheaters ist unbestritten großartig und kommt so intuitiv rüber wie der morgendliche Griff zum Gebiss. Der Draufgänger der Truppe, Ozzy Ostermann (Georg Göbel-Jakobi), weiß einfach seine Gitarre zu bearbeiten und hält sich bis zu seinen spielfreudigen und äußerst kreativen Soli bedeckt als Rhythmusgeber zurück. An ihm, zusammen mit dem knurrigen Jazz-Bass, an dem Ernst Pichel (Martin Breuer) Fingerspitzengefühl beweist und nicht bloß sich zum Grooven bringt, und dem punktgenauen Schlagzeug vom Trainer (Detlef Hinze) kann sich das Publikum nicht satt hören.

Drogentrip und Junggesellenabschied

Und wenn es dann doch etwas ruhiger wird, packt Herbert Knebel eben seine ollen Kamellen aus, in denen ein harmloser Waldspaziergang zum Drogentrip oder ein netter Junggesellenabschied zur nervlichen Vollkatastrophe verkommt. Das kann er eben: erzählen, als säße er in seiner Eckkneipe am Tresen und wirklich jeder, einschließlich Wirt, hängt ihm an den Lippen.

Das Publikum würdigt die gut 180- minütige Show mit Standing Ovations und bekommt obendrein noch ein paar Zugaben geschenkt. Rock’n’ n Rheuma bis zum Schluss.

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