Kultur

„Herbert“ findet nur online statt: Diese Künstler machen mit

Wiktoria Bryll, die im vergangenen Jahr den „Herbert“ gewonnen hat, ist auch in diesem Jahr wieder mit dabei.

Wiktoria Bryll, die im vergangenen Jahr den „Herbert“ gewonnen hat, ist auch in diesem Jahr wieder mit dabei.

Foto: Anna-Lisa Konrad

Herne.  Der 9. Herner Jugendkulturpreis „Herbert“ findet in diesem Jahr online statt. 17 Teilnehmer präsentieren ihre Werke im Internet.

Einen Vorteil hat die Verlagerung des diesjährigen „Herberts“ in die Quarantänezone Internet. Und zwar, dass die Beiträge für den 9. Herner Jugendkulturpreis bequem von der heimischen Couch aus angeschaut werden können. Das so jedoch ein Raum der Begegnung verloren geht, ist unbestritten schade und auch das Feld von lediglich 17 Teilnehmern ist symptomatisch für den derzeitigen Gesundheitszustand der Kulturlandschaft.

Doch immerhin 17 junge Menschen, die an den Start gehen. So wie beispielsweise die letztjährige Gewinnerin Wiktoria Bryll, die inzwischen auf eine elektrische Ukulele aufgerüstet hat und erstmals ein selbst geschriebenes Lied in ihrem Videoclip präsentiert. Anders etwa die Videokünstlerin Angelina Sdunek, die gleich ihr eigenes Ding gemacht und den Entstehungsprozess eines ihrer Gemälde im Stile von Tik-Tok-Videos mit dem Smartphone festgehalten hat.

Künstlerisches Spektrum musste reduziert werden

So nämlich läuft es in diesem Jahr: Alle Beiträge der Künstlerinnen und Künstler wurden vorab professionell gefilmt und am vergangenen Mittwoch um Punkt 8 Uhr ins Netz gestellt. Doch auch das künstlerische Spektrum muss der Umstände halber reduziert stattfinden, da Bands oder größere Gruppen anderer Art schlichtweg nicht proben konnten und so vor allem Gesang, Malerei oder auch Poetry Slam präsentiert werden.

Jorid Disteldorf etwa hat alles, aber nie hat sie genug: Die junge Dichterin leitet ihren Text über Überdruss vom Überfluss ein und erntet zumindest vom Technikteam hinter der Kamera einen anerkennenden Applaus. Der 17-jährige Angelo Götz ist dabei zu beobachten, wie er in kürzester Zeit über ein zufällig erwähltes Sample einen Beat zusammenbaut. Aus fixem Winkel zeigt das Video ihn, wie er stillschweigend vor dem Rechner sitzt und die Melodie mit Drums, Snare und Hi-Hat untermauert. Dazwischen wird ein Interview eingestreut, in dem er über sich und seine Kunst redet.

Herbert präsentiert sich reduzierter und leiser

Weg vom Digitalen hat sich Emily Heineck auch von der Konvention gelöst. Sie malt informelle Bilder, die mit der Zeit immer politischere Aussagen formulierten, erzählt die 16-jährige Malerin. Abstraktes trifft bei ihr auf japanische Comic-Kultur in Pastelltönen und Komplementärfarben. Jill Parkitny ist 16 Jahre alt und zeigt mit „Der Sturm“ einen Akt mit feinen Blick auf die Beschaffenheit der Haut und Muskulatur. Kräftige Schatten bilden Kontrast und scharfe Schnittflächen.

Bereits zum dritten Mal sei sie dabei und immer dem Thema der Leidenschaft treu geblieben, erzählt Jill Parkitny vor der Kamera. Trotz der widrigen Umstände zeigt sich der Herbert in seinem neunten Jahr zwar reduziert und leiser, doch keineswegs als faule Couch-Kartoffel.

Alle „Herbert“-Videos und Livestream auf www.herbert-herne.de

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