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Heitkamp-Mitarbeiter werden jetzt selbst zu Unternehmern

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Jörg Kranz, OB Frank Dudda und Claus Ostheide stellen die ersten Urkunden aus. Im Hintergrund die Mitarbeiter Ramazan Aksoy, Andreas Kessel, Ulrich Schramm und Vincenzo Lauria.

Jörg Kranz, OB Frank Dudda und Claus Ostheide stellen die ersten Urkunden aus. Im Hintergrund die Mitarbeiter Ramazan Aksoy, Andreas Kessel, Ulrich Schramm und Vincenzo Lauria.

Foto: Svenja Hanusch

Die Unternehmensgruppe Heitkamp hat eine neue Tochterfirma gegründet. Daran können sich Mitarbeiter beteiligen. So funktioniert das Modell.

Es gibt verschiedene Modelle, um Mitarbeiter am Erfolg eines Unternehmens teilhaben zu lassen. Börsennotierte Konzerne greifen gerne zu Aktien, Prämien am Jahresende oder andere Arten von Bonuszahlungen sind keine Seltenheit. Die Heitkamp-Unternehmensgruppe hat einen anderen Weg gewählt, der gerade im Mittelstand noch sehr ungewöhnlich ist. Sie hat mit „Heitkamp Productions“ eine Tochterfirma gegründet - in der die Mitarbeiter, wenn sie wollen, selbst Unternehmer sind.

Die Konstruktion ist - skizzenhaft - so aufgebaut: Wer länger als fünf Jahre im Unternehmen ist, darf sich an der Firma beteiligen. Nach den Worten von Heitkamp-Geschäftsführer Jörg Kranz haben 80 Prozent dieser Mitarbeiter bei diesem Angebot zugegriffen.

Die Beschäftigten sind zu 50 Prozent an Heitkamp Productions beteiligt. Pro Mitarbeiter mit 2600 Euro, die das Unternehmen als zinsloses Darlehen zur Verfügung stellt. Die neue Firma wird Maschinen und Geräte übernehmen und diese an die Heitkamp-Unternehmensgruppe vermieten. Das heißt einerseits: Bei guter Auftragslage können die Beschäftigten von reichlich fließender Miete profitieren, andererseits motiviert diese Art der Beteiligung auch dazu, pfleglich mit den Maschinen umzugehen. Dadurch sind sie länger einsetzbar, was wiederum Kosten spart.

Modell könnte Nachahmer finden

Carsten Kuglarz Fachberater der Steuerberatungsgesellschaft Heisterborg, hat Heitkamp bei der zweijährigen Gründungsphase begleitet. Dieses Modell des Vermögensaufbaus sei mutig und zukunftsorientiert, auch weil das Geld im Unternehmen bleibt. Und es berge kein Risiko für die Mitarbeiter. So ist das Modell steuerlich mit dem Herner Finanzamt abgestimmt. Es werde sicher in Zukunft Nachahmer finden. Für Franco Lauria war es keine Frage sich zu beteiligen. Der 58-jährige Baggerfahrer ist seit 28 Jahren bei Heitkamp und stolz darauf. Er habe volles Vertrauen in sein neues eigenes Unternehmen.

Für die Gründungsversammlung hatte Heitkamp einen festlichen Rahmen gewählt: den Ratssaal im Herner Rathaus. Dass 80 Prozent diesen zukunftsweisenden Weg mitgehen würden, sei „ein großer Vertrauensbeweis in unser Unternehmen“, so Kranz, aber auch Motivation für die weitere Arbeit, denn nur dann könne „Heitkamp Productions“ an Wert gewinnen und in 50 Jahren noch Bestand haben.

„Ich habe noch nie so viele junge Unternehmer gesehen“, begrüßte OB Frank Dudda die mehr als 100 Mitarbeiter. Dass sie diesen historischen Moment im Rathaus verbringen zeige, dass „Sie zu Ihrer Stadt stehen“. Mit der neuen Firma würden sie für ihre Qualitätsarbeit belohnt, sie trage dazu bei, dass die Beschäftigten auch im Alter gut leben können. Das sei ein Signal, das über Herne hinaus gehe.

>> HEITKAMP IN ZAHLEN

Die Heitkamp Unternehmensgruppe hat Ende vergangenen Jahres ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert.

Zur Unternehmensgruppe zählen die Bereiche Erd- und Straßenbau, Umwelttechnik, Brückenbau und Heitkampus.

2017 setzte die Gruppe mit 370 Mitarbeitern eine Bauleistung von rund 100 Millionen Euro um. Anstehende Großprojekte: Start- und Landebahnsanierung Flughafen Köln/Bonn oder die erste Legobrücke.

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