Stadtgeschichte

Heimatmuseum in Unser Fritz nähert sich der Eröffnung

Im Klassenzimmer des Heimatmuseums Unser Fritz: Schreinermeister Jens Größel.

Im Klassenzimmer des Heimatmuseums Unser Fritz: Schreinermeister Jens Größel.

Foto: Ralph Bodemer

Herne.   In zehn Wochen will das umgebaute Heimatmuseum die Dauerausstellung mit dem Titel „Herzkammer“ präsentieren. Eröffnung ist am 28. April.

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Bevor Ralf Piorr mit der Presse zum Rundgang startet, macht er es sich erst einmal im Wohnzimmer gemütlich. An der Wand: ein wuchtiges Ungetüm, bekannt als „Gelsenkirchener Barock“. Stehlampe, zwei Sessel, ein Tischchen, eine Blumentreppe - so wohnte man auch in Herne und Wanne-Eickel in den 50er-Jahren, und das soll das Zimmer im neu gestalteten Heimatmuseum in Unser Fritz abbilden, bis hin zum Hauer-Brief und den Sammeltassen im Schrank. „Wir haben den Raum aus Originalteilen von 1959 bis 1962 dekoriert“, erklärt der Historiker und steckt sich spaßeshalber noch eine Pfeife in den Mund.

Mehrere inzenierte Räume zu den Zeitepochen

Das Wohnzimmer auf der einen Seite, auf der anderen die „Miele 155/1“ von 1952, mit Wäschestange vor angedeuteter Industriekulisse. Auch das Kinderstühlchen steht schon da. Zehn Wochen vor Eröffnung deutet der teilweise ausgestattete Raum an, wohin die Reise geht im umgebauten Museum. „Es wird mehrere inszenierte Räume geben“, sagt Ralf Piorr. Er hat sich als Kurator maßgeblich um das Ausstellungskonzept und die Beschaffung der Exponate gekümmert, die die Stadtgeschichte von 1890 bis 1980 transportieren sollen. Mit wenig Text, was der Autor zahlreicher Bücher zähneknirschend akzeptierte: Man will Bilder und Alltagsgegenstände sprechen lassen, ein „Museum des Sehens“ schaffen und nicht ein „Museum des Lesens“. Aus den städtischen Magazinen stammt dabei das wenigste. Einiges haben Bürger beigesteuert.

Piorr hat Rückbuffet aus der „Sonne“ gerettet

Raum für Raum erschließt sich eine neue Welt. Das wird bei einem ersten Rundgang schon deutlich. Die Blütezeit der Zechen und damit auch der Kneipen illustriert beispielsweise das alte Rückbuffet der Szenekneipe „Sonne“, das Ralf Piorr bei deren Schließung gerettet hat. Für die Zeit des Nationalsozialismus soll eine Arbeiterküche stehen. Viel Orange halten die 60er- und 70er-Jahre bereit, vom Telefon bis zum Teppich künden Möbel und Accessoires in poppigen Farben vom Aufbruch in den Wohnungen. Die Drogerie Kleffmann und das Klassenzimmer aus dem Bochumer Schulmuseum wurden komplett übernommen und werden nur neu arrangiert. Auch der Nachbau des „Flöz Wilhelm“ bleibt erhalten.

Betonskulptur mit Lockenwicklern am Empfang

Ein Hingucker empfängt die Besucher gleich beim Betreten des Hauses über die Rampe: Wie einst Else Stratmann lehnt eine Dame aus Beton mit Lockenwicklern im Haar auf einem Sofakissen im Fenster. Der Bochumer Künstler Olaf Kuhoff hat die Skulptur geschaffen. „Herzkammer“ steht daneben in Leuchtschrift. So soll die Dauerausstellung auch überschrieben sein, verrät Ralf Piorr. Denn: „Der geografische Mittelpunkt des Ruhrgebiets liegt in Röhlinghausen“, ruft Piorr eine in Wanne-Eickel gern zitierte Tatsache in Erinnerung. Zum anderen werde damit deutlich, dass die neue Dauerausstellung genauso informieren wie unterhalten wolle. Und das trotz der limitierten finanziellen Mittel: 180 000 Euro seien im Heimatmuseum verbaut worden, so Piorr. Dafür stellten andere nicht einmal eine Sonderausstellung auf die Beine.

Bürger sollen Porträts für das Treppenhaus beisteuern

In ein „Museum der Leute“, so wie es das Heimatmuseum eines sein will, gehören Fotos von Menschen. Deshalb fordert Kurator Ralf Piorr die Wanne-Eickeler und Herner auf, Porträts beizusteuern, die - wie das Foto der einzigen Taubenzüchterin Hernes im Bild rechts - etwas aussagen über das Leben in der Stadt zwischen 1920 und 1970. Sie sollten schwarz-weiß sein und nicht mehr als zwei Personen abbilden.

Platz ist für 24 solcher Bilder, erklärt Ralf Piorr, der selbst schon eine kleine Auswahl gesammelt hat, so etwa auch ein Foto von den Wanne-Eickeler Geschwistern und Café-Betreibern Profittlich. „An der Wand erscheinen die Fotos namenlos, wir wünschen uns aber eine kurze Geschichte dazu, die mit dem Bild in einem Booklet erscheint.“

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