Prozess-Auftakt

Handwerker aus Herne soll seine Ex-Frau vergewaltigt haben

Um eine vermeintliche Vergewaltigung dreht sich ein Prozess vor dem Bochumer Landgericht.

Um eine vermeintliche Vergewaltigung dreht sich ein Prozess vor dem Bochumer Landgericht.

Foto: MÜLLER, Oliver / WAZ FotoPool

Herne.  Hat ein Herner seine Ex-Frau vergewaltigt? Oder war es einvernehmlicher Sex? Das muss nun das Landgericht klären. Es gibt schon Indizien.

Die Vorwürfe wiegen schwer – der Angeklagte ist sich aber keiner Schuld bewusst: Ein Handwerker (55) aus Herne muss sich seit Donnerstag wegen Vergewaltigung vor dem Bochumer Landgericht verantworten.

Zum Prozessauftakt wies der Angeklagte die Anschuldigungen vehement zurück – alles sei einvernehmlich abgelaufen, er habe nie Gewalt angewendet. Bei dem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer handelt es sich um die ehemalige Ehefrau (43) des Herners. Laut Anklage soll es am 24. August 2018 in der Wohnung des Angeklagten an der Vinckestraße zu einem sexuellen Gewaltübergriff gekommen sein. Im Anschluss an ein klärendes Gespräch über finanzielle Angelegenheiten bezüglich des gemeinsamen Kindes soll der 55-Jährige seine Ex-Frau beim Verabschieden plötzlich überrumpelt haben.

Angeklagter: Kontakt ist nie abgerissen

Der Herner soll die vierfache Mutter umarmt, gegen die Wand gedrückt und sie mit den Worten angehimmelt haben: „Ich kann ohne Dich nicht leben.“ Dann soll er seine weinende Ex-Frau auf das Bett gestoßen, sie mit Gewalt fixiert und schließlich vergewaltigt haben. Am ersten Verhandlungstag wies der Handwerker die Vergewaltigungs-Vorwürfe zurück. Er räumt ein, dass es am fraglichen Tag zu einem Gespräch in seiner Wohnung gekommen sei, an dessen Ende er mit seiner ehemaligen Frau auch im Bett gelandet sei und Sex gehabt habe.

Allerdings völlig einvernehmlich und frei von Gewalt. „Sie hat mich seit unserer Trennung im September 2017 immer wieder in meiner Wohnung besucht“, erklärte der Angeklagte weiter. Räumlich seien seine Frau und er zwar getrennt gewesen. Der Kontakt sei jedoch nie abgerissen, schon wegen der Kinder habe man sich häufig ausgetauscht.

Hoffnung auf eine zweite Chance

Und überhaupt: Er selbst, so der Angeklagte, habe auch nie eine Trennung angestrebt gehabt: „Die Ehe war die schönste Zeit meines Lebens“, so der 55-Jährige. Durch die regelmäßigen Treffen, so der Herner, habe er sich irgendwann auch wieder etwas Hoffnung auf eine „zweite Chance“ gemacht. Als die 43-Jährige am fraglichen Tag dann auch noch überraschend gefragt habe, was er im theoretischen Fall eines Umzugs mit seinen Möbeln vorhabe, habe er schlagartig Hoffnung geschöpft. „Mein erster Gedanke war, dass sie mir jetzt doch noch eine Chance gibt“, so der Angeklagte.

Richter Volker Talarowski hatte dem Angeklagten ganz zu Beginn bereits mitgeteilt, dass laut Aktenlage „einige Indizien“, sollten sie sich am Ende bewahrheiten, gegen ihn sprächen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Handwerker mindestens zwei Jahre Haft. Für den Prozess sind noch Verhandlungstage bis zum 27. November anberaumt.

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