Trend-Spielzeug

Handkreisel sind auch in Herne der große Trend des Sommers

Der fünfjährige Amando präsentiert stolz einen Fidget Spinner.

Foto: Ralph Bodemer

Der fünfjährige Amando präsentiert stolz einen Fidget Spinner. Foto: Ralph Bodemer

Herne.   Fidget Spinner - deutsch: Handkreisel - sind der große Spielzeug-Trend des Sommers. Händler kommen kaum mit den Bestellungen nach.

Scheinbar aus dem Nichts sind sie gekommen und finden sich nun in zahlreichen Kinderhänden. Die Rede ist von den sogenannten Fidget Spinnern, zu Deutsch etwa Handkreisel. Vor einigen Wochen ist dieser Trend in unsere Städte geschwappt und seither Gesprächsthema Nummer Eins unter Kindern und Jugendlichen. So auch beim fünfjährigen Amando, der den Kreisel bei seinem Papa gesehen hat und dann unbedingt auch einen wollte. Oma Inge Guth findet: „Eigentlich sollen die gut gegen Stress sein, aber ich glaube, das ist nur eine Modererscheinung.“

Der Trend kommt an. Das bestätigen die Händler in der Herner City. „Die Nachfrage ist irre“, sagt Intertoys-Mitarbeiterin Michaela Lenger. Ständig seien die Kreisel ausverkauft. Die Spinner gibt es in verschiedenen Ausführungen, die Preise liegen zwischen vier und sieben Euro. Neben Jugendlichen werden die Spielzeuge häufiger von Kindergartenkindern gekauft. „Es gibt aber auch einige Erwachsene“, erklärt Michaela Lenger. Einer habe sich damit das Rauchen abgewöhnt.

Trend geht zum Zweit- oder Drittkreisel

„Wir kamen mit den Bestellungen gar nicht so schnell hinterher“, bestätigt Janet Jambor, Mitarbeiterin von Nanu-Nana. Sie hatte vom Trend im Fernsehen erfahren und mit ihren Kollegen darüber gesprochen. Kurz darauf wurden die Spinner ins Programm aufgenommen. „Es gehen 10 bis 15 pro Tag über die Ladentheke.“ Ein ähnliches Bild in der Mayerschen Buchhandlung. Nur dass es dort auch kleine Büchlein gibt, die die besten Tricks verraten. „Am Anfang hatten wir eine kleine Lücke, weil die Nachfrage uns überrascht hat“, sagt Mitarbeiterin Nina Vöpel. „Zum Glück läuft die Produktion wieder gut, so dass wir Vorrat haben“, ergänzt Filialleiterin Julia Schötz. Der Trend gehe übrigens zum Zweit- oder Drittkreisel. „Viele haben einen einfachen, einen mit Licht, einen aus Metall.“

Keine Probleme in den Schulen

Natürlich spielen die Kinder mit ihren Spinnern nicht nur in ihrer Freizeit, sondern auch in der Schule. „Klar sind die Handkreisel bei uns auch verbreitet, aber ich habe keine Rückmeldungen von den Kollegen, dass es im Unterricht Probleme deswegen gibt“, sagt Stephan Helfen, Schulleiter der Erich-Fried- Gesamtschule. Die Schüler spielen in der Mensa damit oder auch im Klassenraum, aber nicht während des Unterrichts. „Die Schüler sind es gewohnt, dass es klare Regeln gibt. Sie dürfen ja beispielsweise ihr Handy nicht im Unterricht benutzen. Und sie halten sich daran.“ Ebenso verhält es sich in der Mont-Cenis-Gesamtschule wie Ulrich Reinkemeier, stellvertretender Schulleiter, berichtet. „Ich habe die Teile erst vor einigen Tagen das erste Mal gesehen“, verrät er. „Aber welchen Sinn sie haben, ist mir nicht so klar.“ Katharina Rodermund, Schulleiterin der Gesamtschule Wanne-Eickel ist ganz froh: „Bislang ist mir dieser Trend noch nicht zu Ohren gekommen.“

Fidget Spinner sollen gegen Stress helfen und deshalb besonders für Kinder mit ADHS oder ähnlichen Störungen geeignet sein. Sabine Bittner, Leiterin der Familien- und Schulberatungsstelle, hält diese Einordnung für überbewertet. „Ich nehme wahr, dass die Handkreisel ein unheimlicher Hype sind und alle Kinder sie haben wollen“, sagt die Psychologin und Psychotherapeutin. „Aber man muss das richtig einordnen, solche Moden bei Kindern gab es schon immer.“ Früher war es vielleicht das Jo-Jo.

Spielzeug, kein Therapiemittel

„Kinder mit ADHS leiden unter inneren Anspannungszuständen“, erklärt Sabine Bittner. Mit Hilfe von Knetbällen oder speziellen Stühlen, die Bewegungen zulassen, können diese verringert werden, so dass sich das Kind auf ein Gespräch oder eben den Unterricht konzentrieren könne. Die Handkreisel lenken eher ab, als dass sie die Konzentration fördern. Gleiches gelte für Autisten, denen das Spielzeug angeblich helfen soll. „Autisten interessieren sich sehr für Kreiselbewegungen, demnach wären sie nur noch abgelenkt.“

Für die Psychologin ist der Fidget Spinner nichts weiter als ein Spielzeug. „Ich wehre mich dagegen, dass man sie als Therapiemittel feiert, denn das sind sie nicht“, betont sie. Die Handkreisel bereiten Kindern und Jugendlichen viel Freude, und das sei gut. „Wir haben in der pädagogischen Betreuung den Hype der Pokémon-Karten überlebt, dann werden wir auch die Handspinner überleben“, fügt sie lachend hinzu.

>> Durchbruch erst im zweiten Anlauf

Der Fidget Spinner hat seinen Durchbruch eigentlich erst im zweiten Anlauf geschafft. Der Grund: Schon 1993 hatte die US-Amerikanerin Catherine A. Hettinger den Spinner zum Patent angemeldet. Dieses Patent verfiel 2005 wieder.


2017 kehrte das Spielzeug zurück. Es besteht aus einem Kugellager in der Mitte und äußeren Flügeln, die mit Gewichten versehen sind.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik