Gute Kontakte in die Museumswelt

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Der neue Leiter des Westfälischen Museums für Archäologie hat schon beim Aufbau des Hauses mitgewirkt und die römische Abteilung entwickelt. Erste eigene Sonderausstellung nach 2012

IM INTERVIEW DR. JOSEF MÜHLENBROCK Jetzt ist es amtlich: In Münster hat gestern die Landschaftsversammlung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe Dr. Josef Mühlenbrock zum neuen Leiter des LWL-Museums für Archäologie gewählt. Gabriele Heimeier und Ute Eickenbusch gruben in der Vergangenheit des Archäologen und blickten mit ihm in die Zukunft.

Statt der alten Römer jetzt die alten Westfalen. Was verbindet die beiden?

Mühlenbrock: In der Dauerausstellung in Herne haben wir die ganze Bandbreite der westfälischen Geschichte von den Anfängen bis in die Neuzeit. Herne hat damit eine übergreifende Rolle unter den LWL-Museen, während Haltern am See und Paderborn Schaufenster in eine bestimmte Zeit sind: Haltern in die Zeit der Römer, Paderborn ins Mittelalter. In Haltern habe ich seit 1993 gearbeitet, bis auf die drei Jahre, die ich nach Herne "ausgeliehen" war. Damals habe ich im Team um Frau Dr. Rüschoff-Thale am Gesamtkonzept mitgewirkt und die Römer-Abteilung entwickelt.

Ihr Name hört sich sehr westfälisch an . . .

Mühlenbrock (nickend): Oh ja, das stimmt, das ist er auch.

... haben Sie auch schon in Westfalen gegraben?

Mühlenbrock: Ja, und das ist selten, dass ein Archäologe das dann noch an seinem Heimatort tun kann. Ich habe in fast allen Römerlagern Westfalens gegraben: Haltern, Oberaden und Anreppen in Delbrück im östlichen Westfalen. In Herne haben die Römer nicht so einen großen Stellenwert. Die Invasion dauerte nur 28 Jahre - das ist bei 250 000 Jahren Geschichte nicht sehr viel.

Was hat Sie dazu bewogen, für ein Museum zu arbeiten statt in Italien etruskische Gräber freizulegen?

Mühlenbrock: Ich fand die Archäologie in Westfalen immer sehr spannend. Wenn man im Mittelmeerraum anfängt zu graben, findet man viele Schichten übereinander. In Haltern ist es eine Schicht. Im Boden lagen unzerstörte Funde der Römer vom Jahr 0 bis 9 n.Chr., wie schriftliche Quellen belegen. Das ist wichtig für die internationale Archäologie: Wenn sich z.B. ein Dekor, das wir aus Haltern kennen, in Indien findet, wissen wir, dass dieser Fundort auch aus der Zeit stammt.

Sie kennen die Dauerausstellung gut. Gibt es einen Bereich - außer dem römischen natürlich - der Sie besonders anspricht?

Mühlenbrock: Die Balver Höhle mit dem Film und den Funden. Das Großsteingrab aus Warburg. Der Fürst von Beckum, dessen prunkvolles Grab sehr schön inszeniert ist . . . Es gibt so vieles. Das geht bis in die Neuzeit mit den Ausgrabungen im KZ Witten-Annen. Auch wie Themen wie Sexualität oder Klima in den Gra-bungszelten inszeniert sind, gefällt mir, und dass wir viele Medien eingesetzt haben. Das möchte ich weiter ausbauen.

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit Dr. Rüschoff-Thale vor, ihrer Vorgängerin, die jetzt LWL-Dezernentin ist?

Mühlenbrock: Das ist eine ideale Kombination, da ihr das Museum weiter sehr am Herzen liegt. Für uns ist das ein Glücksfall, wenn jemand wie Frau Dr. Rüschoff-Thale so eine Schlüsselposition innehat, auch wenn es um Sponsoren geht. Klar ist aber auch, dass wir keine Sonderbehandlung zu erwarten haben.

Sie treten in große Fußstapfen. Das Museum hat sich in fünf Jahren ein internationales Renomme?e erarbeitet. Bleiben Sie dem erfolgreichen Konzept ihre Vorgängerin treu?

Mühlenbrock: Die Projekte, die sie eingestielt hat, finde ich alle selbst spannend. "Schuhtick" kann ich auch gut als Mann begleiten . . . Dennoch: Ich bin ein anderer Mensch und bringe meine Persönlichkeit mit. Ich habe gute Kontakte in die Museumswelt und will sie nutzen, um nach 2012 hochkarätige Ausstellungen nach Herne zu holen. Durch die "Herculaneum"-Ausstellung ist Haltern 2005 explosionsartig in den europäischen Fokus gerückt.

Was steht vor 2012 noch an? Mühlenbrock: "Schuhtick" wird am 6. Dezember passend zu Nikolaus eröffnet. Im Kulturhauptstadtjahr folgt "AufRuhr! Anno 1225". Diese Mittelalter-Ausstellung wird eine der beiden Leuchtturmveranstaltungen des LWL zur Kulturhauptstadt. Die Landesausstellung, in der sich die Archäologie aus ganz NRW präsentiert, findet 2011 statt. Dann wird es noch eine Vietnam-Ausstellung geben. Mal schauen, ob wir noch eine kleine Ausstellung dazwischen schieben können. Wir dürfen das zwar schlagkräftige, aber kleine Team nicht überstrapazieren. Ein bis zwei Sonderausstellungen im Jahr reichen. 2009 gibt es hier keine große Sonderausstellung, weil dann unter dem Titel "Imperium Konflikt Mythos" eine große Ausstellung zum 2000. Jahrestag der Varus-Schlacht läuft, mit Schwerpunkten in Haltern, Kalkriese und Detmold.

Was wird Ihre erste Sonderausstellung sein?

Mühlenbrock: Ich verrate nur so viel: Die Zukunft wird unser Thema sein. Während die Archäologie zufällige Spuren der Vergangenheit findet, wollen wir schauen: Was möchten die Menschen von heute für die Zukunft bewahren?

Und Ihre erste Tat am nächsten Montag?

Mühlenbrock: Ich werde mein Büro ein bisschen einrichten, vielleicht ein Bild aufhängen und Kaffee kochen. Mein Einstiegsgeschenk ist eine Espressomaschine. Diese römische Errungenschaft bringe ich nach Herne.

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