Lesung

Gila Lustiger lässt Publikum an Glücksmomenten teilhaben

Die Schriftstellerin Gila Lustiger (li.) im Gespräch mit Literaturhaus-Chefin Elisabeth Röttsches.

Die Schriftstellerin Gila Lustiger (li.) im Gespräch mit Literaturhaus-Chefin Elisabeth Röttsches.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Die ehemalige Stadtschreiberin Ruhr reiste aus Paris an. Im Literaturhaus Herne sprach sie mit Elisabeth Röttsches und las aus ihren Texten.

Es bedurfte offenbar keiner großen Überredungskunst, um Gila Lustiger als erste Stadtschreiberin Ruhr zu gewinnen. „Ich war neugierig auf Deutschland“, bekannte die vor 33 Jahren erst nach Jerusalem und dann nach Paris ausgewanderte Autorin am Donnerstag. Ein Jahr lang hat sie auf Einladung der Brost-Stiftung in Mülheim und Essen gelebt und über die Menschen im Ruhrgebiet geschrieben. Für den Abend im Literaturhaus kehrte sie noch einmal zurück - im Gepäck eine Lose-Blatt-Sammlung mit berührenden kleinen Texten über das Glück.

Gespräche mit 100 Menschen im Ruhrgebiet

Es sind Extrakte vieler Gespräche, die Gila Lustiger mit 100 ganz unterschiedlichen Menschen im Ruhrgebiet geführt hat. Ihr Ansatz war immer derselbe: „Ich habe sie nach ihrem letzten Glücksmoment gefragt.“ Im Literaturhaus gab sie - entspannt Brezel essend - im Gespräch mit Gastgeberin Elisabeth Röttsches zunächst Auskunft über ihr Aufwachsen in einer jüdischen Familie, Werdegang und Werk (u.a. „Die Schuld der anderen“), um später das Publikum an den zu Miniaturen verdichteten Begegnungen teilhaben zu lassen.

„Musik macht frei und glücklich“, hatte ihr etwa die elfjährige Isabelle gesagt. Assistant Manager Joe macht es froh, auf Whatsapp Nachrichten seiner Lieben zu lesen. Eine ehemalige Karstadt-Verkäuferin freut sich, wenn sie alte Kolleginnen trifft. Und ein Immobilienkaufmann hat den Online-Handel mit seltenen Turnschuhen für sich als Glücksquelle entdeckt. Erstaunliches ist dabei - wie die Befriedigung eines Rechtsanwalts über das Fertigstellen eines Schriftsatzes und Erwartbares wie der Moment des Verliebens. Gila Lustiger liest die Texte so, wie sie geschrieben sind: nüchtern, aber mit Wärme für die Menschen, die sich ihr gegenüber geöffnet haben. Einige Zeitungen und Zeitschriften haben Texte mit den Glücksmomenten veröffentlicht, ein Buch ist nicht geplant.

Glücksmoment in der S2

Was denn ihr letzter Glücksmoment gewesen sei, wollte Elisabeth Röttsches natürlich auch von Gila Lustiger wissen. Diese zögerte nicht lange. Als sie, die sie anfangs den Reizen des Ruhrgebiets nichts abgewinnen konnte, jetzt mit der S2 von Essen nach Herne gefahren sei in der untergehenden Sonne, habe sie eine Zeche gesehen, deren Rost leuchtete ... schön!

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