literatur

Geschichte: Absturz nach Bombardierung Hernes

Schwer zerstört wurde dieses Haus an der Bochumer Straße.

Schwer zerstört wurde dieses Haus an der Bochumer Straße.

Foto: Lesaar

Herne.   Hobby-Archäologe Marcel Lesaar fand Trümmerteile eines Bombers, der im Zweiten Weltkrieg Herne angegriffen hatte. 29 Menschen starben dabei.

Ein Hobby-Archäologe hat bei seinen Recherchen in der jüngeren Geschichte Erstaunliches zutage gebracht: Er entdeckte nicht nur Trümmer eines abgestürzten Weltkriegsbombers in seiner Heimatstadt Mettmann, sondern fand auch heraus, wo die Opfer des zuvor geflogenen Angriffs gelebt hatten: u.a. an der Bahnhofstraße 188 in Herne-Mitte. Die damals 57-jähige Martha Biesewinkel starb, als das Haus getroffen wurde.

Marcel Lesaar heißt der Autor des Buches „Bomber-Absturz in Mettmann-Metzhausen“, in dem die Bombardierung Hernes und Bochums am 29. März 1943 und deren Auswirkungen geschildert werden. „Als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland habe ich den Absturz eines Wellington-Bombers in Mettmann-Metzkausen untersucht. Dieser war zuvor an einem Angriff auf Bochum und Herne beteiligt gewesen. Herne war in dieser Nacht die am stärksten betroffene Stadt“, erklärt der 50-Jährige, der beruflich als Sparkassenbetriebswirt arbeitet.

Berichte von Zeitzeugen

Seine ausführlichen Recherchen haben Informationen zur Crew, dem Angriff, der Maschine und den Auswirkungen auf Menschen und Städte des Ruhrgebietes, insbesondere Herne und Bochum, zu Tage gebracht.

Im Buch sind insbesondere die Folgen für die Herner und Bochumer Bevölkerung dargestellt. „Des weiteren konnte ich auf Zeitzeugenberichte zurückgreifen und diese ins Buch aufnehmen“, berichtet Lesaar weiter. Hier eine kurze Zusammenfassung seines Textes:

Am Abend des 29. März 1943 gab es um 22.22 Uhr den bereits 418. Alarm der Stadt Herne im Zweiten Weltkrieg. In den nachfolgenden Minuten warfen die Bomber der RAF (die britische Royal Air Force) Luftminen, Brandbomben usw. ab. Die Herner Bevölkerung suchte Schutz in Bunkern und Luftschutzräumen. Nach dem Bomben-Angriff wurden acht Orte in der Stadt gezählt, die schwer zerstört waren, weitere Stellen waren mit kleineren Beschädigungen davon gekommen. Der Angriff war der schwerste bis dahin gewesen. 14 Häuserkomplexe wurden total zerstört, zehn schwer beschädigt, Schäden gab es auch an drei Krankenhäusern und fünf Schulen.

16 Schwer- und 25 Leichtverletzte

Getroffene Gebäude sah man an der Bahnhofstraße 188 und 204, der Willi-Woide-Straße (heute Harannistraße), Im Schlagenkamp, an der Wiescherstraße 176 bis 184, an der Altenhöfener Straße 101 bis 105, der Bochumer Straße 121 bis 133, der Weichselstraße 51 (heute Sodinger Straße) und der Castroper Straße 107.

Insgesamt forderte der schwere Angriff 29 Todesopfer in Herne, dazu 16 Schwer- und 25 Leichtverletzte. Besonders schrecklich waren die Folgen des Bombardements am Häuserkomplex an der Wiescher-straße 176 bis 184. Ein Zeitzeuge spricht von einem „Katastrophenfeld“ und schildert die Situation am Haus mit der Nummer 178: „Die Bombe muss das Haus bis ins Parterre durchgeschlagen haben, riss es durch Innenexplosion in sich zusammen, so dass die gesamten Kellerräume einschließlich des behelfsmäßig ausgebauten Luftschutzraumes eingedrückt wurden und alles Leben unter den Trümmern begrub. Von neun Personen im Luftschutzraum wurden acht getötet. Ein Kind wurde lebend, aber schwer verletzt aus einem Trümmerhohlraum geborgen.“

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