Prozess

Gericht verurteilt Herner nach mutmaßlicher Vergewaltigung

Der Prozess fand am Landgericht in Bochum statt.

Der Prozess fand am Landgericht in Bochum statt.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Herne.  Obwohl im Prozess Aussage gegen Aussage stand, wurde ein Herner wegen mutmaßlicher Vergewaltigung verurteilt. Das waren die Gründe.

Nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung seiner zukünftigen Verlobten ist ein Mann aus Herne am Bochumer Landgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte (29) hatte die Vorwürfe bis zuletzt vehement bestritten und eine Intrige gewittert – doch die Richter glaubten am Ende dem mutmaßlichen Opfer.

Mehrere Glaubwürdigkeits-Gutachten

Die 9. Strafkammer hat seit dem Prozessauftakt am 18. März wahrlich keine Mühen gescheut, um die umstrittenen Geschehnisse umfassend aufzuklären. Dutzende Zeugen wurden vernommen, dazu gleich mehrere Glaubwürdigkeits-Gutachten zu der belastenden Zeugenaussage in Auftrag gegeben. Unter dem Strich siegte bei den Richtern trotz der Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten – und damit einer „Aussage-gegen-Aussage“-Situation - die Überzeugung, den Vorfall vom 5. Februar 2017 in einer Wohnung in Herne-Süd als sexuellen Übergriff in Form einer Vergewaltigung einzustufen.

Ausschlaggebend war am Ende eine belastende Aussage der jungen Frau gegenüber einer Freundin unmittelbar nach dem Vorfall. Das mutmaßliche Opfer hatte seinerzeit zunächst Strafanzeige erstattet, diese dann wieder zurückgenommen, um sie kurz danach abermals in Kraft zu setzen. Außerdem hatte neun Tage nach dem angeblichen Vergewaltigungs-Vorfall zunächst noch eine große Verlobungsfeier stattgefunden.

Verteidiger will in Revision gehen

Nach der Version des Angeklagten ist es erst im Anschluss an die Feier plötzlich zu einem Bruch gekommen. Der 29-Jährige behauptet, dass die junge Frau ihrer Mutter offenbar während der Verlobungsfeier anvertraut haben muss, dass sie bereits Sex mit dem Angeklagten gehabt habe. Im Nachhinein sei dann von der Familie – quasi zur Rechtfertigung des absoluten Tabus - plötzlich der Vergewaltigungs-Vorwurf „erfunden“ worden. Verteidiger Matthias Düllberg hatte im Prozess immer wieder neue Beweisanträge gestellt, die Richter konnte er damit am Ende nicht überzeugen.

„Wir werden das jetzt erstmal sacken lassen und Revision einlegen“, sagte der Bochumer Anwalt im Anschluss an das Urteil. Am Bundesgerichtshof (BGH) wird eine Entscheidung über die Revision voraussichtlich frühestens im Frühjahr 2020 fallen.

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