Serie Powerfrauen

Geheimrezept einer Herner Elektromeisterin ist Lockerheit

Kerstin Haacke-Rist ist seit 24 Jahren Elektromeisterin und inzwischen führende Kraft im Familienbetrieb.

Kerstin Haacke-Rist ist seit 24 Jahren Elektromeisterin und inzwischen führende Kraft im Familienbetrieb.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Herne.  Kerstin Haacke-Rist ist eine von wenigen Elektromeisterinnen. Um in dieser Männerdomäne Erfolg zu haben, helfe Lockerheit, sagt die 54-Jährige.

„Dreck macht mir nichts aus.“, sagt Kerstin Haacke-Rist. Seit 24 Jahren ist sie Elektromeisterin und inzwischen führende Kraft im Familienbetrieb „Wilhelm Haacke“ in Holthausen. Der Fachbetrieb für Elektroinstallationen ist nach dem früheren Inhaber Wilhelm Haacke, Vater von Kerstin, benannt. Dieser gründete den Betrieb 1960 in Herne-Holthausen in seiner Werkstatt auf dem elterlichen Bauernhof. „Anfangs führte es zu Irritationen, wenn auf einmal eine Frau, also ich, auf der Baustelle auftauchte“, sagt Kerstin Haacke-Rist, die angibt, gerne in einer Männerwelt zu arbeiten. Doch schnell hätten sie gemerkt, dass sie als Frau die Aufgaben genauso gut erledigen kann wie ein Mann.

Als ihr Vater zum Pflegefall wurde, musste sie plötzlich seine Stelle einnehmen. Da war sie 34 Jahre alt. Ihre beiden Töchter waren noch klein. „Es war eine anstrengende Zeit“, erinnert sich die heute 54-jährige Elektromeisterin. Tag und Nacht sowie am Wochenende habe sie damals gearbeitet. Ihre Mutter, Wilma Haacke, sei ihr eine wichtige Stütze gewesen. Bereits seit 1965 ist Wilma Haacke voll im Betrieb tätig und bringt ihre Erfahrungen mit ein. Noch heute leiten sie gemeinsam die Firma. Kerstin Haacke-Rists inzwischen 22-jährige Tochter unterstützt sie als ausgebildete Kauffrau für Büromanagement.

Handwerkerkollegen haben ihr den Rücken gestärkt

Zu Beginn habe sie sich als einzige Frau in der Branche einige Sprüche anhören müssen. Einige Kunden ihres Vaters seien sogar abgesprungen, weil sie ihr die Auftragsleitung nicht zutrauten: „Inzwischen bin ich aber integriert.“ Einige Handwerker hätten ihr damals den Rücken gestärkt und sie weiterempfohlen. Die Aufträge nahmen zu.

Und wie sieht ein typischer Tag bei Kerstin Haacke-Rist aus? Baustellentermine mit Kunden, neue Aufträge einbringen, nachmittags zu Papier bringen und Angebote schreiben. Außerdem erklärt sie dem Monteur, was der Kunde sich wünscht und führt die Endabnahme durch. Die sechs Mitarbeiter des Betriebs kümmern sich neben der Installation der Elektrik auch um Datennetzwerke, Beleuchtung und Heizungsanlagen. Über Auftragsnot könne sie zum Glück nicht klagen. Es sei immer genug zu tun: „Bislang haben wir alles geschafft.“

Ihr Geheimrezept für eine Karriere in der Männerdomäne Handwerk sei Lockerheit: „Wir Frauen hier arbeiten Hand in Hand mit den Männern zusammen.“ Seine Mitarbeiter von oben herab zu behandeln, sei nicht der richtige Weg um akzeptiert zu werden. „Ich behandele jeden mit Respekt, dann erhalte ich diesen auch zurück“, so die 54-Jährige. Auch auf eine ruhige Art und Weise könne man durchsetzungsstark sein.

Ihre Azubis sind stets männlich

Es liege an jeder Person selbst, sich in der Männerdomäne Handwerk zu integrieren. Sie kenne einige Frauen, die Malerinnen sind, Elektrikerinnen kenne sie allerdings nicht. Auch ihre Auszubildenden seien stets männlich. Für Frauen sei der Job eine Herausforderung. „Es ist eben eine körperlich anstrengende Arbeit. Es ist laut und man macht sich schmutzig“, weiß Kerstin Haacke-Rist, die auch Gebäudeenergieberaterin ist. Und selbst wenn eine Frau die Ausbildung machen möchte, könne es Hindernisse geben: „Längst nicht jeder Betrieb hat wie wir Sanitäranlagen für Frauen. Diese müssen vorhanden sein.“ In jedem Fall dürfe man für diesen Beruf nicht kälte- und schmutzempfindlich sein, denn an Neubauten arbeite der Betrieb auch bei Frost. Körperliche Fitness und Teamarbeit seien weitere Voraussetzungen. Kerstin Haake-Rist, Mitglied im Verbund „Frauen im Handwerk Ruhrgebiet“ möchte Frauen aber auch Mut machen: „Frauen können das auch schaffen, sie müssen aber einen gewissen Biss haben, um das durchzuziehen.“

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