Porträt

GData-Chef Andreas Lüning: Vom Jugendzimmer in die Welt

Andreas Lüning auf dem 2018 eingeweihten GData-Campus an der Königsallee in Bochum.

Andreas Lüning auf dem 2018 eingeweihten GData-Campus an der Königsallee in Bochum.

Foto: Ingo Otto

Bochum/Herne.   Der Herner Andreas Lüning ist Chef des IT-Sicherheits-Unternehmens GData. Das hat seinen Sitz in Bochum, aber starkes Wanne-Eickeler Erbgut.

Viele Unternehmen in Deutschland sind nicht gut auf Cyberangriffe vorbereitet. Das berichtete vor wenigen Tagen das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, das eine entsprechende Umfrage durchgeführt hatte. Es warten also noch viele Aufgaben auf das Softwarehaus GData. Das hat zwar seinen Sitz in Bochum, doch was viele nicht wissen: Es hat ein ausgeprägtes Herner Erbgut. Denn Mitgründer Andreas Lüning ist Wanne-Eickeler und wohnt nach wie vor in der Stadt.

Wenn er von den Anfängen erzählt, fühlt man sich an die legendären Garagen-Startups im Silikon Valley erinnert - im Falle von GData war es ein Jugendzimmer.

Seine Kindheit verbrachte Andreas Lüning an der Rathausstraße, seine Eltern besaßen einen Friseurladen an der Hauptstraße gegenüber des Glückauf-Platzes. 1979 schenkten sie ihrem Sohn einen Computer - und infizierten ihn quasi mit dem Softwarevirus. „Damit habe ich angefangen zu programmieren, mit zwölf Jahren habe ich bei der VHS einen Basic-Kurs belegt“, erzählt er im Gespräch mit der WAZ-Redaktion. 1985 kam der Atari ST in den Handel, nach Lünings Worten ein Meilenstein in der Heimcomputerszene - aber auch ein Meilenstein für ihn selbst. „Dafür brauchte man Software. Damals haben uns die Leute alles abgekauft, was wir programmiert haben.“ Wir, das waren er und Kai Figge. Gemeinsam mit ihm meldete Lüning beim Gewerbeaufsichtsamt ein Gewerbe an - die Geburtsstunde von GData.

Lüning und Figge, heute Vorstände eines Unternehmens mit rund 500 Mitarbeitern, haben damals noch ihre Handbücher im Copyshop selbst kopiert und die Ware selbst eingepackt. „Das war alles noch Spaß, wir haben ja nebenbei noch studiert“, erzählt Lüning. Doch bald blieb keine Zeit mehr fürs Studium, Seminare haben sie nicht mehr belegt, ihre Studentenausweise haben sie irgendwann abgegeben. Lüning: „Eine Ausbildung haben wir eigentlich alle nicht.“

Erfinder des Virenschutzprogramms

Dafür umso mehr Erfolg. Einige der Produkte der Gründer seien ihnen geradezu aus den Händen gerissen worden, die Ausmaße seien immer größer geworden. Das sei alles kein Vergleich zu heutigen Gründern, die schnell mit Investoren in Kontakt kommen und einen Businessplan schreiben. Dazu hätten Lüning und Figge wahrscheinlich gar keine Zeit gehabt angesichts des Wachstumstempos.

Dafür reichte kein Jugendzimmer mehr. Mal dienten die Räume eines Fahrradladens am Eickeler Bruch als Firmensitz, später zog GData ins Gründerzentrum nach Friedrich der Große. Mit weiterem Wachstum kam der Umzug nach Bochum. 2014 übernahm das Unternehmen den geschichtsträchtigen Gebäudekomplex des ehemaligen „Konsumverein Wohlfahrt“. Nach einer vierjährigen Umbauzeit wurde im vergangenen Jahr der GData-Campus an der Königsallee eingeweiht. Auch wenn Bochum Firmensitz ist, Lüning betont: „GData ist ein Stück weit Wanne-Eickel.“ Das liegt auch an der Tatsache, dass eine Reihe von Wanne-Eickeler Mitstreitern der ersten Stunden nach wie vor im Unternehmen sind. Zur Heimatverbundenheit gehört selbstverständlich der jährliche Besuch der Cranger Kirmes.

Dass GData heute mit dem charakteristischen Schutzschild-Logo weltweit eins der großen Unternehmen bei der IT-Sicherheit und bei Abwehr von Viren und Schadsoftware ist, liegt an einer Diskette. Darauf fand Andreas Lüning 1987 zwei Viren. Er schrieb deshalb ein Programm zur Prüfung und Reinigung von Disketten - ist somit der Erfinder des ersten kommerziellen Virenschutzprogramms weltweit. Und das Logo war geboren.

Aus zwei Viren auf einer Diskette sind mehrere hunderttausend Dateien täglich geworden, die bei GData analysiert werden, ob sie Schadsoftware enthalten. Lüning vergleicht die Entwicklung von Viren und deren Abwehr mit dem Hase-und-Igel-Spiel. Wobei GData mit einer neuen Technologie nichts weniger tun will als die Spielregeln ändern. Möglich machen soll dies ein neuronales Netz, das ständig dazu lernt, um getarnte Schadsoftware ausfindig zu machen.

Doch Cyberkriminelle werden sich davon nicht abhalten lassen, ihre Viren weiter zu verschicken. Deshalb sieht Lüning GData weiter auf Wachstumskurs. „Alles, was uns umgibt und was uns Wohlstand gibt, ist von der IT abhängig.“ Dieses abzusichern, sei sehr aufwändig. Wirtschaftlicher Erfolg und Stabilität hingen stark davon ab, ob IT-Systeme laufen. Vor dem Hintergrund der aktuellen internationalen Großwetterlage könne es ein wichtiger Faktor werden, seine Daten selbst souverän verwalten zu können. Deshalb hat GData im vergangenen Jahr die Kampagne „Meine Daten bleiben in Deutschland“ gestartet.

Wohltätigkeit liegt Andreas Lüning am Herzen

Er versuche, auch etwas außerhalb der IT-Welt auf die Beine zu stellen, erzählt Andreas Lüning im Gespräch mit der WAZ. Dabei liege ihm die Wohltätigkeit besonders am Herzen.

Sein Engagement ist in erster Linie lokal. Unter anderem unterstützt er den Herner Verein Ruhrwerk. Neben einer Spende kochte der GData-Küchenchef bei der Ruhrwerk-Gala 2018.

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