Angriffe

Fremdenfeindlichkeit: Familie Yigid aus Herne lebt in Angst

Die Familie Yigid vor ihrem Haus, v.l. Tochter Esra, Mutter Emine, Vater Ramis und Sohn Berat.

Foto: Rainer Raffalski

Die Familie Yigid vor ihrem Haus, v.l. Tochter Esra, Mutter Emine, Vater Ramis und Sohn Berat.

Herne.   Die Yigids aus Herne leben in Angst, weil sie immer wieder angegriffen werden. Ihr Auto wurde angezündet und ein Fenster mit Bauschaum verklebt.

Die Verzweiflung steht der Horsthauser Familie mit türkischen Wurzeln ins Gesicht geschrieben. Immer wieder werden Ramis Yigid, seine Frau Emine und die drei Kinder angepöbelt und sogar angegriffen. Jetzt sind ihnen, während sie verreist waren, die Fenster ihres Hauses mit Montageschaum verklebt worden.

„Es hört nicht auf“, sagt Ramis Yigid, der sich mit Schrecken an die Nacht im Dezember 2016 erinnert, als sein Auto vor der Haustür angezündet wurde und es vollkommen ausbrannte. Die Flammen drohten damals auf das Haus überzugreifen. Die Tochter und die beiden Söhne waren hinterher dermaßen traumatisiert, dass sie psychologische Hilfe brauchten. Im Juli 2017 seien sie mit Pfefferspray angegriffen worden.

Polizei und Staatsanwaltschaft vermuten rassistische Motive

Die Familie Yigid glaubt, dass sie aufgrund ihres Glaubens verfolgt wird. Auch Polizei und Staatsanwaltschaft vermuten rassistische Motive. Zum Beispiel, weil bei der Attacke im Dezember 2016 auch ein drei Meter langes Graffito mit dem Wortlaut „Islam ist Frieden“ übersprüht wurde.

„Ein Mann aus der Nachbarschaft hat Probleme mit meinem Glauben“, sagt Ramis Yigid, aber nicht nur das, der 48-Jährige beobachtet einen beängstigenden Trend: „Meine Frau wird immer öfter beschimpft, weil sie ein Kopftuch trägt, oft sogar aus vorbei fahrenden Autos heraus.“

Polizei und Staatsanwaltschaft tappen weitestgehend im Dunkeln, rund 30 Anzeigen liegen ihr mittlerweile vor. Wer den schwarzen Skoda der Yigids ansteckte, ist ungeklärt.

30 Vorgänge bearbeitet

„Wir haben 30 Vorgänge bearbeitet, angefangen bei Beleidigung bis zur Sachbeschädigung und zu Diebstahl bis zur Körperverletzung zum Nachteil eines Kindes, erklärt Staatsanwalt Paul Jansen auf Anfrage.

Bei der Körperverletzung handele es sich um die Pfefferspray-Attacke, der Angeklagte wurde freigesprochen. Lediglich eine Geldstrafe wegen Beleidigung sei bislang ausgesprochen worden; das war im September 2017. Als „Nachbarschaftsstreit“ wird die Angelegenheit bei Polizei und Staatsanwaltschaft eingestuft.

Laut Ramis Yigid handelt es sich dabei um wenige Nachbarn, der weitaus größere Anteil sei ihm wohlgesonnen. Nachbarin Hildegard Verlage, beispielsweise, rief die WAZ wegen der Drangsalierung der Familie sogar an und bekundetet ihre Solidarität.

„Ich weiß nicht, was ich noch machen soll“, sagt Ramis Yigid. „Ich lebe seit 40 Jahren in Deutschland, arbeite als Verfahrensmechaniker, meine Söhne gehen aufs Gymnasium, meine Tochter studiert. Wir haben uns integriert, das kann man doch wohl sagen.“

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