Gedenktag

Forscherin: Der Judenhass ist auch ein Online-Problem

Der DGB Herne und die Erich-Fried-Gesamtschule haben eine Gedenkveranstaltung am Shoah-Mahnmal unter dem Motto „Mein Licht gegen das Vergessen“ organisiert.

Der DGB Herne und die Erich-Fried-Gesamtschule haben eine Gedenkveranstaltung am Shoah-Mahnmal unter dem Motto „Mein Licht gegen das Vergessen“ organisiert.

Foto: Klaus Pollkläsener

Herne.   Vortrag in Herne: Berliner Antisemitismus-Forscherin sieht die wachsende Hetze gegen Juden auch bei den seriösen Medien.

„Wenn die Volksseele – allzeit bereit – Richtung Siedepunkt wütet und schreit“: Wolfgang Niedeckens „Kristallnacht“ bildete eindrücklich und bewegend den Abschluss der Veranstaltung zum Gedenken an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren. Diese Nacht war der Aufakt der Judenverfolgung auch in Herne, die Synagoge wurde angezündet und in der Folge unter dem nationalsozialistischen Terror über 400 Juden umgebracht.

Gülsümnur Aksoy, Wolfhard Hupperts, Gregor Beckemeier, Matthias Hein und Emre Can Zengin spielten „Kristallnacht“ in der Aula der Realschule Crange, wo die zentrale Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht in diesem Jahr stattfand und nicht wie sonst an der Langekampstraße in Wanne, wo die Synagoge bis zum 9. November 1938 stand und deren Grundmauern dort noch heute zu finden sind.

Anfeindungen werden immer gewalttätiger

„Antisemitismus ist hochaktuell. Körperverletzung und Sachbeschädigung, Drohungen und Propagandadelikte wie Hakenkreuz-Schmierereien sind keine Seltenheit“, sagte Oberbürgermeister Frank Dudda in seiner Ansprache vor Schülern und Lehrern. Diese traurige Tatsache führe dazu, dass Juden einer Untersuchung nach das Gefühl hätten, Antisemitismus habe wieder deutlich zugenommen. Ihre Unsicherheit wachse, so Dudda weiter: „Statistisch gesehen haben die Straftaten gegen jüdische Menschen und Einrichtungen zwar nicht zugenommen, aber die Anfeindungen und Angriffe werden immer gewalttätiger. Wir erleben eben nicht nur antisemitische Sprüche und Hetze in den sozialen Medien, sondern die Gewalt passiert auf offener Straße“. Es könne nicht angehen, dass sich die jüdischen Mitmenschen nicht mehr sicher fühlen und eines besonderen Schutzes bedürfen. „Wir müssen uns dafür einsetzen, dass sich rechtsextremistisches, fremdenfeindliches Gedankengut nicht weiter verbreitet“, forderte Dudda.

Die Realschule Crange hatte die Berliner Antisemitismusforscherin Juliane Wetzel eingeladen, die den Schülern die aktuelle Problematik an einem greifbaren Beispiel verdeutlichte: „Der jüdische Kindergarten in Berlin gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Wie müssen sich die Kinder dort fühlen?“

Hasskommentare im Internet

Die Wissenschaftlerin führt die Ausbreitung antisemitischer Tendenzen auch auf die modernen Massenmedien zurück: Auf digitalen Plattformen werde verbreitet Judenhass geschürt. „Und sogar in der Online-Ausgabe einer seriösen Zeitung wie der Zeit findet man reichlich Hasskommentare, wenn es um das Thema Judentum geht.“

Auch die Horsthauser Gespräche widmeten sich am Freitag dem Thema Reichspogromnacht. Dazu gab es eine Gedenkveranstaltung auf dem Jüdischen Friedhof in Herne-Mitte.

Den Auftakt der Veranstaltungen zur Erinnerung an die Reichspogromnacht machte eine Gedenkminute am Shoah-Mahnmal auf dem Willi-Pohlmann Platz. Hunderte Erich-Fried-Schüler, die DGB-Geschichtswerkstatt und die DGB-Jugend versammelten sich dort, um anschließend zum Mahnmal an der Bebelstraße weiterzugehen. „Rechtspopulistische Kundgebungen sind wieder an der Tagesordnung. Wir müssen ein Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen“, mahnte Ulrich Kind, Lehrer an der Erich-Fried-Gesamtschule.

Nationalsozialisten ermordeten über 400 Herner Juden

Als die Nazis in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 deutschlandweit Synagogen in Brand steckten und Juden ermordeten, machten sie auch vor den Synagogen in Wanne-Eickel an der Langekampstraße und in Herne an der Schaeferstraße nicht Halt.

Heute erinnern Gedenktafeln an die ehemaligen Gotteshäuser. Über 400 Herner Juden wurden in der NS-Zeit ermordet.

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