Umweltserie

Foodsharing: So können Herner Lebensmittel retten

Gaby Greiner rettet regelmäßig Lebensmittel und bewahrt sie bis zur Abholung in ihrem Keller auf. Das Gemüse wäre ansonsten in der Tonne gelandet.

Gaby Greiner rettet regelmäßig Lebensmittel und bewahrt sie bis zur Abholung in ihrem Keller auf. Das Gemüse wäre ansonsten in der Tonne gelandet.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Die Initiative Foodsharing Herne setzt sich dafür ein, dass Lebensmittel nicht in der Mülltonne landen. Die Gruppe holt überschüssiges Essen ab.

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Rund acht Tonnen Lebensmittel hat die Hernerin Gaby Greiner schon gerettet. Sie ist Mitglied der Initiative Foodsharing und setzt sich dafür ein, dass Lebensmittel nicht in der Abfalltonne landen. Dafür holt sie Lebensmittel ab und verteilt diese kostenlos an die Allgemeinheit. Jetzt hat sie den ersten Kooperationsbetrieb in Herne gefunden, bei dem nach Ladenschluss unverkaufte Lebensmittel von den sogenannten „Foodsavern“ abgeholt werden.

Seit 2016 informiert Gaby Greiner Interessierte in Herne über das Thema Lebensmittelverschwendung. Zuvor hat sie die Gemeinschaft in Gelsenkirchen und Dortmund mitaufgebaut. Warum die ganze Mühe? Der Grund für ihr Engagement war ein einprägsames Erlebnis: „Ich habe einen Bekannten, der ist Lkw-Fahrer. Bei ihm bin ich mal mitgefahren. Ich wusste nicht, dass er bei einer Firma tätig war, die Lebensmittel abgeholt hat. Ich habe gesehen, wie die Lebensmittel vom Lkw gekippt sind. Dann habe ich gedacht, dass man etwas tun muss“, erzählt sie. Im Internet sei sie nach einer kurzen Recherche auf die Initiative Foodsharing gestoßen.

„Mir haben anfangs einige gesagt, dass das hier in Herne nichts wird. Umso glücklicher bin ich, dass wir jetzt in Herne einen Betrieb haben“, sagt die 42-Jährige. Auch ein weiteres Unternehmen wolle mitmachen. Dafür gebe es aber derzeit noch nicht genug Leute, die die Lebensmittel abholen.

Foodsaver müssen drei Probeabholungen mitmachen

Um ein sogenannter Foodsaver zu werden, muss man sich zuerst auf der Plattform Foodsharing.de anmelden und bei einem Quiz mitmachen. Danach werden gemeinsam drei Einführungsabholungen bei einem Betrieb gemacht. „Wir wollen einfach einen bestimmten Standard gewährleisten“, begründet Gaby Greiner.

Deshalb trägt sie immer weiße Gummihandschuhe, wenn sie beispielsweise belegte Brötchen und Croissants aus der Theke räumt. Auch Pünktlichkeit spiele eine wichtige Rolle. Bevor der Laden schließt, wartet Gaby Greiner diskret mit ihrer Klappkiste in einer Seitenstraße, denn das Unternehmen möchte nicht öffentlich genannt werden. Alles ist routiniert.

Gaby Greiner räumt übrig gebliebene Lebensmittel aus der Theke

Selbst wenige Minuten vor Ladenschluss könnte noch ein Kunde kommen, der Brötchen, Brezeln und Brot kaufen möchte. Um punkt 18 Uhr betritt sie den Laden. Die Mitarbeiter nicken ihr nur kurz zu. Sie kennen Gaby Greiner schon. In wenigen Minuten räumt sie die ganze Theke leer und geht mit einer vollen Kiste mit Backwaren zum Auto.

In ihrem privaten Keller hat sie einen sogenannten „Fairteiler“ eingerichtet. Das ist ein Punkt, an dem Lebensmittelretter Nahrung abholen können. Hier hat sie einen kleinen Kühlschrank für Milchprodukte und eine Kiste mit Obst, Gemüse und Backwaren. Sie holt die Nahrungsmittel nicht nur in dem Herner Betrieb ab. Das Obst und Gemüse kommt aus einem Biosupermarkt und vom Wochenmarkt in Gelsenkirchen.

Inhalt des Fairteilers wird im Internet gezeigt

Die Lebensmittelretter kommunizieren entweder über die Internet-Plattform Foodsharing.de oder über eine Facebook Gruppe (Foodsharing Herne). Bei Foodsharing.de können die Mitglieder auch immer sehen, welche Lebensmittel gerade im privaten Fairteiler sind. Nach den Abholungen postet Gaby Greiner ein Foto mit ihrer Ausbeute im Netz. Doch nicht nur Abholer können ihre Lebensmittel teilen. Auch Privathaushalte können Obst, Gemüse und Brot in sogenannten Essenskörben anbieten. „Jeder kann mitmachen. Mir geht es darum, dass die Lebensmittel nicht in der Tonne landen“, sagt Gaby Greiner. Foodsharing sei deshalb unabhängig vom Geldbeutel.

Einen öffentlichen Verteiler gibt es in Herne noch nicht. „Wir brauchen dafür noch einen Standort, der für jeden öffentlich zugänglich ist“, so Greiner. Geeignet seien soziale Einrichtungen, Stadtteiltreffpunkte oder Jugendzentrum. Der Standort müsse aber auch regelmäßig betreut werden. So muss beispielsweise alle zwei Tage der Kühlschrank gereinigt werden. Wer einen Standort zur Verfügung stellen möchte, kann sich per E-Mail bei Gaby Greiner melden.

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