Flüchtlingsserie

Flüchtlingskrise: Ehrenamtler fordern mehr Wertschätzung

Sie engagierten sich ehrenamtlich in der Herner Flüchtlingshilfe: Heinz Drenseck und Gerd Müller.

Sie engagierten sich ehrenamtlich in der Herner Flüchtlingshilfe: Heinz Drenseck und Gerd Müller.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Als die Flüchtlingswelle Herne erreichte, haben Ehrenamtliche die Neuankömmlinge unterstützt. Sie beklagen sich über zu wenig Wertschätzung.

Als 2015 die Flüchtlingswelle auch nach Herne schwappte, bedeutete das für die Stadt eine immense Herausforderung. Doch die Behörden standen nicht alleine da. Viele Menschen in Herne und Wanne-Eickel wollten helfen: mit Sachspenden und ehrenamtlicher Arbeit. Gerd Müller und Heinz Drenseck sind zwei dieser Helfer, die sich für die Belange der Flüchtlinge einsetzten, völlig freiwillig und unentgeltlich.

Noch heute bekomme er fast Tränen in den Augen, wenn er an das Schicksal einiger Flüchtlinge zurückdenke, sagt Gerd Müller. „Das sind Menschen, die haben Schicksale erlebt, die kann ich mir fast nicht vorstellen.“ Bereits seit 2007 engagierte sich der heute 74-Jährige in der Flüchtlingshilfe und gab Sprachkurse. Er selbst habe es in seinem Leben sehr gut getroffen, sagt der pensionierte Sozialarbeiter. Deshalb wolle er der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Große Hilfsbereitschaft bei Ehrenamtlern

Auch für Heinz Drenseck war klar, dass er und seine Frau helfen möchten. Er erinnert sich an die positive Stimmung unter den rund 100 Besuchern einer Infoveranstaltung in der Lutherkirche 2015, kurz bevor Frank Dudda Oberbürgermeister wurde. „Die Bereitschaft zu helfen war groß“, sagt der 81-Jährige. „Spontan haben sich rund 20 Personen in die Helferliste eingetragen.“ Auch er selbst war regelmäßiger Gast der Flüchtlingsunterkunft in der Turnhalle an der Flottmannstraße.

Die Ehrenamtlichen seien regelmäßig dorthin gekommen, um mit den Kindern zu basten und zu kneten oder auch Sprachkurse zu geben. Heinz Drenseck und seine Frau nahmen unter anderem eine somalische Familie unter ihre Fittiche, die zwei Jahre auf der Flucht war, bevor sie in Herne ankam. Mit fünf weiteren Ehrenamtlern standen sie ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Jeder brachte sich dort ein, wo er konnte. Der gute Kontakt bestehe bis heute, freut sich der ehemalige Kämmerer und Stadtdirektor.

Ehrenamtler als Vermittler zwischen Hauptamt und Flüchtlingen

„Ehrenamtler sind das Bindeglied zwischen dem Hauptamt und den Flüchtlingen“, sagt Gerd Müller. Oft hätten sie auf diese Weise vermitteln oder Missverständnisse klären können. Die Flüchtlinge hätten den ehrenamtlichen Mitarbeitern vom Arbeitskreis Flüchtlinge Zechenring vertraut, während sie vor manchem Angestellten, sei es der Hausmeister oder der Sicherheitsdienst, Angst hatten und sich nicht immer gut behandelt fühlten.

Zu Beginn der Flüchtlingswelle habe es eine Euphorie bei den Ehrenamtlern gegeben. Viele Menschen wollten helfen und die Ehrenamtlichen hätten zu der Zeit eine große Sympathie für ihr Handeln erfahren, erinnert sich Drenseck. Das habe sich leider später geändert. Die Bürokratie und Skepsis habe die Oberhand genommen. Ein Knackpunkt auch für Gerd Müller.

Probleme mit dem Sicherheitsdienst

Sowohl an der Flottmannstraße als auch am Zechenring habe es immer wieder Probleme zwischen den Ehrenamtlichen und den Hauptamtlichen gegeben, erinnern sich beide. Vor allem Wachleute, die von der Stadtverwaltung für die Sicherheit der Bewohner engagiert wurden, hätten nach Ansicht von Müller und Drenseck ihre Macht demonstrieren wollen und den Ehrenamtlern so die Arbeit erschwert. Ein Sicherheitsmitarbeiter habe ihm sogar mal Hausverbot erteilt, nur weil er ohne Anmeldung kurz eine Liste vorbeigebracht habe, so Drenseck.

Es gebe immer solche und solche, betonen beide Herner. Und rückblickend sehen sie auch, dass sich die Hauptamtlichen wie etwa Sozialarbeiter zum Teil nur an ihre Vorschriften gehalten hätten. Dies vielleicht an der einen oder anderen Stelle aber zu genau, wie Gerd Müller findet. „Es gab eine unterschiedliche Bereitschaft, diesen Mehrwert der ehrenamtlichen Arbeit zu sehen“, formuliert es Drenseck vorsichtig. Respekt und Anerkennung habe häufig gefehlt.

Unschönes Ende nach elf Jahren

Ende 2018 beendete Gerd Müller nach einigen Konflikten mit der Stadt seine Arbeit als Ehrenamtlicher bei der Flüchtlingshilfe - nach elf Jahren. Ein etwas unschönes Ende, aber dennoch denkt er - wie Drenseck - gerne an diese Zeit zurück. Was sich Gerd Müller von den Stadtoberen gewünscht hätte? „Wir sollten wahrgenommen werden - auch auf Augenhöhe“, meint er. „Es ärgert mich, dass man nicht neue Wege eingeht im Umgang mit Ehrenamtlichen“, so Müller.

Inzwischen hat er sich eine neue Aufgabe gesucht, bei der er anderen Menschen helfen kann. Er ist Lesementor an der Erich-Kästner-Schule. Jedes Mal freue er sich darauf, dorthin zu kommen, denn dort an der Schule erfahre er etwas, was er von der Stadt Herne, wie er sagt, zu wenig gespürt hätte: Wertschätzung für die Arbeit als Ehrenamtlicher.

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