Soziales

Flüchtlinge und Helfer treffen sich auf „neubeginn.ruhr“

Das Internet-Portal neubeginn.ruhr will Flüchtlinge und Freiwillige zusammenführen. Im Bild: v.l. die Ehrenamtlichen Maike van Doorn-Kaivers und Andrea Darwiche, Martin Krause vom DRK, die Syrerin Huda Al Hussari und Ulrike Gaus (Awo).

Das Internet-Portal neubeginn.ruhr will Flüchtlinge und Freiwillige zusammenführen. Im Bild: v.l. die Ehrenamtlichen Maike van Doorn-Kaivers und Andrea Darwiche, Martin Krause vom DRK, die Syrerin Huda Al Hussari und Ulrike Gaus (Awo).

Foto: Funke Foto Services

Herne.   Ehrenamtliche entwickeln mit Unterstützung von DRK und Awo ein Internetportal: „Suchen“ und „Bieten“ von der Waschmaschine bis zur Patenschaft.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Umzug von der Flüchtlingsunterkunft in die eigene Wohnung steht bevor, doch wer hilft beim Transport der Farbeimer? Hat jemand ein Regal übrig? Wer kann den Herd anschließen? Praktische Fragen wollen gelöst werden, wenn Flüchtlinge ihre ersten Schritte in eine selbstständige Existenz in Herne tun - oft ohne Unterstützung von Verwandten oder Freunden. Hier setzt „neubeginn.ruhr“ an: Das mehrsprachige Internetportal will Flüchtlinge mit Menschen zusammen bringen, die sie unterstützen wollen. Entwickeln lässt die Datenbank eine Initiative, in der ehrenamtlich Aktive und Flüchtlinge zusammenarbeiten. Das Deutsche Rote Kreuz Herne/Wanne-Eickel und die Arbeiterwohlfahrt Herne sind mit im Boot.

Autarkes System

Andrea Darwiche hat mit der Facebookseite „Welcome to the Pott“ im letzten Jahr eine ähnliche Idee umgesetzt. Der Nachteil: Die Kontakte liefen stets über sie. „Deswegen die Idee, ein System zu entwickeln, das autark arbeitet“, erklärt die selbstständige Agenturleiterin. Neben der Vermittlung von Möbeln oder Dienstleistungen für Neubürgerinnen und -bürger liegt ihr vor allem an Patenschaften, die auf diesem Wege entstehen könnten. Darüber hinaus könnten über die Internetplattform sprachliche Hilfen angeboten und abgerufen werden, und auch im Freizeitbereich sieht Andrea Darwiche Möglichkeiten: „Vielleicht möchte jemand eine Walking-Gruppe gründen oder Handarbeitskurse anbieten.“ Ein wichtiges Thema sei auch die Wohnraumvermittlung. „Das ist heute sehr mühselig, wenn ganze Listen von Vermietern abtelefoniert und gefragt werden müssen, ob sie auch an Flüchtlinge vermieten.“ Mit einer neuen Initiative, die sich genau darauf konzentrieren will, hat „Neubeginn“ schon Kontakt aufgenommen.

Wie dringend Geflüchtete Unterstützung gebrauchen können, hat Maike van Doorn-Kaivers als Ärztin in Herner Flüchtlingsunterkünften erfahren. Dort hat sie auch Huda Al Hussari aus Syrien kennengelernt, die wie Mahmoud Yousef mit in der Initiative arbeitet und sie mit ihren Sprachkenntnissen unterstützt. „Die Flüchtlinge bekommen 1200 Euro für eine Wohnungseinrichtung“, weiß Maike van Doorn-Kaivers. „Eine einfache gebrauchte Küche kostet schon 400 Euro.“ Kein Hammer und kein Schraubenzieher seien vorhanden, geschweige denn ein Auto, um Möbel abzuholen. Was die Ärztin im privaten Kreis an Hilfen organisiert, soll mit Hilfe der Plattform im Großen weitergeführt werden. Facebook erscheint ihr dabei nicht als geeignetes Medium: Wer etwas abzugeben oder Zeit zum Helfen habe, sei „in der Regel nicht ganz jung“ und deshalb nicht mit Facebook vertraut.

6000 Euro Kosten

DRK-Geschäftsführer Martin Krause sieht in Herne eine „hohe Spendenbereitschaft, die gelenkt werden muss“ und viele kleine Netzwerke. Das geplante Internetportal hält er für ein wichtiges Projekt, das anderen Initiativen keine Konkurrenz mache. Das Rote Kreuz beteiligt sich deshalb an der Finanzierung. 1000 Euro schieße es zusammen mit der Awo zu, was Ulrike Gaus bestätigt. Die Betriebsleiterin Soziale Dienste überzeugt besonders, „dass niemand dazwischengeschaltet“ ist. Beide Verbände sind in Herne in der Flüchtlingsarbeit aktiv.

Die Entwicklung der Datenbank kostet um die 6000 Euro. Jede Spende ist willkommen. Die Initiative hofft, dass die Seite im Frühsommer ans Netz gehen kann.

Spenden sind willkommen unter dem Stichwort „Datenbank Flüchtlinge“ an DRK Pflege, Betreuungs- und Service GmbH. IBAN: DE65 4325 0030 0045 0151 12. BIC: WELADED1HRN. Herner Sparkasse. Auf Wunsch kann eine Spendenbescheinigung ausgestellt werden (in der Regel nicht notwendig für Spenden bis 100 Euro).

Weitere Informationen bei Maike van Doorn-Kaivers, Telefon 02305 9686060, oder bei Andrea Darwiche, Telefon WAN 665759, oder über E-Mail an neubeginn.ruhr@gmail.com

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben