Theater

Fidele Horst feiert 100-Jähriges mit amüsantem Schwank

Ohje,ohje, da bahnt sich was an in der Sippe der Klinkes und ihrer Freunde: Sehr zum Vergnügen des Publikums, das  sich zum Schluss mit stehendem Applaus bedankt.

Ohje,ohje, da bahnt sich was an in der Sippe der Klinkes und ihrer Freunde: Sehr zum Vergnügen des Publikums, das sich zum Schluss mit stehendem Applaus bedankt.

Foto: Klaus Pollkläsener

herne.   Mit dem Schwank „Die spanische Fliege“ feiert die „Fidele Horst“ aus Wanne-Eickel ihr 100-jähriges Bestehen. Das Publikum dankt mit viel Applaus.

100-jähriges Bestehen feiert das Theater Fidele Horst - und zeigt sich bei einer neuen Premiere quicklebendig. Am Wochenende hat das Ensemble „Die spanische Fliege“ auf die Bühne gebracht. Mit der Inszenierung des Klassikers riss Fidele Horst die Zuschauer zum Schluss buchstäblich von den Sitzen.

Nach dem Grußwort des Vorsitzenden Tobias Weichert hebt sich der Vorhang zu einem wunderbar aus der Zeit gefallenen Bühnenbild, das mit Blumendekor und geschwungenen Beinen des Mobiliars ein Stück Jugendstil in die Moderne bringt. Eine Stuckleiste ziert die mit fein strukturierter Tapete überzogenen Wände und sorgt mit so viel Detailverliebtheit für ein erstes Staunen bei den gut 500 Besuchern.

Eine Prise Ruhrpott-Charme

Die Kostüme stehen dem in nichts nach und liegen wie angegossen an den Körpern des spielfreudigen Ensembles, das unter der Regie von Olaf Weichert eine Prise vom Charme des Ruhrpotts in das sich anbahnende Familiendrama einfließen lässt. Im Grunde aber ist alles halb so wild; es kommt eben immer darauf an, Ross und Reiter zu nennen, bevor es überhaupt so weit kommt, wie es kommen muss.

Für den Senffabrikanten Ludwig Klinke (Dietmar Kraschewski) ist das jedoch etwas komplizierter – ist er es doch, den es vor 24 Jahren dazu geritten hatte, den verführerischen Tänzen der als „spanische Fliege“ bekannten Signora Rosita in die Schlafgemächer zu folgen. Für seinen Schwiegersohn in spe, den jungen Anwalt Dr. Fritz Gerlach (Sebastian Krug), kommt diese empfindliche Information so unverhofft wie gelegen, bandelt dieser doch mit Klinkes Tochter Paula (Melina Weichert) an, womit der rustikale Vater so seine Probleme hat. Um zumindest den Anschein der Familienidylle zu wahren, tut ein Mann seines Formats das, was ein Mann mit unehelichem Kind damals tat. Dabei verstrickt er sich immer weiter in den ausgeklügelten Finten des eigentlich um das Recht bemühten Anwaltes.

Kleiner Kerl mit Mittelscheitel

Aber auch Paulas Mutter Emma (Annette Holz) hegt andere Pläne für ihren Nachwuchs, so dass plötzlich ein sächselndes Nervenbündel vor der Tür steht und sich als Heinrich Meisel (Tobias Weichert) vorstellt. Zumindest das Publikum hat den kleinen Kerl mit Mittelscheitel sofort ins Herz geschlossen und kriegt sich vor lauter Lachen nur schwer ein.

In vier Akten lassen es alle Schauspieler ordentlich auf der Bühne krachen und zeigen, dass sich die 50 Proben bis zur Premiere allemal ausgezahlt haben. Vom verzweifelten Wimmern über nachvollziehbare Wutausbrüche oder schließlich den herrlichen Pointen im witzreichen Text folgt alles einem straffen Timing, in dem es selten zu Lücken in den Dialogen kommt.

Amateur komme vom lateinischen amator, verrät Olaf Weichert hinter der Bühne und hebt die Liebe aller Beteiligten für das Theater hervor: „Als ich 1978 im Theater Fidele Horst angefangen habe, war ,Die spanische Fliege’ die erste Produktion, an der ich mitgewirkt habe“, erzählt der Regisseur, der vor über 40 Jahren selbst als Vater Klinke auf der Bühne stand. Für seinen Sohn Tobias Weichert - der Publikumsliebling des Abends - sei es eine ganz besondere Ehre, bei dieser Jubiläumsaufführung mitspielen zu dürfen. Er zeigte sich überwältigt von den stehenden Ovationen des Publikums.

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