Landwirtschaft

Federvieh für die Festtage: Herner Gänse jetzt bestellen

Jörn Greining (li.) und Heijo Arns gehen in ihrer Arbeit bei der Wewole auf: „Gänse sind tolle Tiere.“

Jörn Greining (li.) und Heijo Arns gehen in ihrer Arbeit bei der Wewole auf: „Gänse sind tolle Tiere.“

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Auf dem Hof der Wewole in Horsthausen wachsen Gänse, Enten und Hühner artgerecht auf. Ihr Leben endet zu St. Martin oder spätestens Weihnachten.

Um sieben Uhr ist die Nacht vorbei. 300 Gänse watscheln vom Stall an der Nordstraße zur Weide auf der Holper Heide. Dreieinhalb Hektar Wiese erwarten sie nach ihrem Marsch, und bis zum Nachmittag viel Auslauf und jede Menge Gras. Ein halbes Jahr geht das so - ein schönes, aber kurzes Leben, das zu St. Martin, spätestens aber vor Weihnachten auf einem Schlachthof in Drensteinfurt endet. Kein Happy End für das Federvieh: Die Gänse kommen auf den Teller.

Aufzucht ohne Antibiotika

„Gänse sind ganz tolle Tiere“, sagt Heijo Arns, als sich die Vögel auf der Wiese schnatternd formieren. Arns ist verantwortlich für die Landwirtschaft der Stiftung Wewole in Horsthausen, wo die Gänse, eine Kreuzung zwischen „Dithmarscher Gans“ und „Dänenganter“, ohne Antibiotika artgerecht gehalten und zum Jahresende geschlachtet verkauft werden. Als sechs Wochen alte „Gössel“ kommen die Gänseküken im Mai aus dem Münsterland an, auch die Enten und die Hühner auf dem 20 Hektar großen Hof der Wewole stammen aus diesem Betrieb.

Wie sein Kollege Jörn Greining aus der Gärtnerei hat Heijo Arns eine sonderpädagogische Zusatzausbildung, denn zum Team gehören Mitarbeiter mit Behinderungen, geistigen wie psychischen, und Lernbehinderungen. Wegen einer Corona-Quarantäne sind sie momentan für ein paar Tage nicht da. Normalerweise sorgen sie dafür, dass die Gänse sich wohlfühlen. Geben ihnen Wasser und im Stall Hafer, streuen Stroh ein, sortieren Eier und misten aus. Aufgaben mit Körpereinsatz, die vielen Mitarbeitern mehr Spaß machten als die Arbeit in einer Montagegruppe, weiß Arns.

Nachfrage bisher geringer als in den Vorjahren

Seit über 20 Jahren ist die Wewole in Horsthausen - früher bekannt als Werkstätten für Behinderte - die Adresse in Herne für die artgerechte Freilandhaltung von Gänsen. Es gibt viele Stammkunden, die regelmäßig bestellen, gerne auch beim Weihnachtsmarkt. Aber dieses Jahr will es nicht so laufen wie gewohnt. „Wir merken, es ist sehr ruhig“, sagt Heijo Arns. Nachdem bisher immer alle Tiere verkauft worden sind, scheint Corona selbst hier seine Spuren zu hinterlassen.

Ein Grund, aber nicht der einzige. „Die Leute gucken auf den Preis“, weiß Jörn Greining, und da ist der traditionelle Gänsebraten nicht das günstigste Gericht, auch wenn die Preise bei der Wewole der Herner Kaufkraft angepasst seien. 13 Euro kostet das Kilo, und fünf, sechs Kilo kann eine Weihnachtsgans schon mal auf die Waage bringen.

Die Familien, die das von der Menge her bewältigen können, werden weniger, sagen Arns und Greining. Steak, Lachs und Raclette seien Alternativen, wie auch die hauseigenen Enten und Hühner. Und an immer mehr Tischen säßen jetzt auch Vegetarier.

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