Modellbau

Faszination Modellbau: Börse lockt Sammler ins Herner Kuz

Nach verhaltenem Start bei der 3. Modellbaubörse füllte sich das Kulturzentrum am Sonntag rasch.

Nach verhaltenem Start bei der 3. Modellbaubörse füllte sich das Kulturzentrum am Sonntag rasch.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Nicht nur die „Krokodil“-Elektrolok ließ Sammlerherzen höher schlagen: Die 3. Modellbaubörse lockte viele Besucher ins Herner Kulturzentrum.

Am Sonntag hat zum dritten Mal die Modellbaubörse im Kulturzentrum stattgefunden: Händler und Privatleute haben einiges zu bieten - von Mini-Eisenbahnen über Modellautos aller gängigen Größen und Fabrikate bis hin zu Unmengen an Zubehör wie beispielsweise abgepackte Mini-Kieselsteine.

Ist die Besucherschar zur Eröffnung um 11 Uhr noch überschaubar, füllt sich das Kulturzentrum rasch. Schon um 12 Uhr kann man sich nur noch langsam durch die Gänge schieben. Hier und da hört man immer wieder ein freudiges „Hallo!“ – anscheinend kennt man sich in der Modellbauszene.

Veranstalter stellt auch selbst aus

Die große Mehrheit der Besucher ist augenscheinlich im Alter zwischen 55 bis 70 Jahren. „Unsere Generation ist eben mit Modellbau aufgewachsen, hier ist kaum noch wer im heiratsfähigen Alter“, scherzt Veranstalter Willi Breitenbach, der selbst als Aussteller dabei ist. Schade finde er, dass es dem Modellbau an Nachwuchs fehle. „Die Kinder haben heute einfach kein Interesse mehr an Modellbau, eben, weil sie nicht damit aufwachsen“, meint der 68-Jährige.

Eckhard Raßbach aus Herten pflichtet ihm bei: „Die Kinder werden heute einfach nicht mehr dazu inspiriert. Früher gab es in jedem Spielwaren-Geschäft eine Modellbahn zu bestaunen, das ist heute leider nicht mehr so.“

Eine „Krokodil“-Bahn wollten alle

In den 50er-Jahren habe ein Arbeiter nur um die 250 Mark verdient, da sei beispielsweise eine 100 Mark teure „Krokodil“-Elektrolok für die Kinder nicht drin gewesen, sondern nur günstigere Loks für bis zu 15 Mark, berichtet Breitenbach. „Sobald meine Freunde und ich im Berufsleben standen, haben wir uns endlich die ,Krokodil’-Bahn gegönnt.“

Er habe immer weiter gesammelt und ausgebaut, bis sein Dachboden, die Treppe und auch das Schlafzimmer voll gestellt waren und seine Frau irgendwann die Reißleine gezogen habe. „Da musste ich meine Sammlung verkleinern, seitdem organisiere ich die Börsen, in diesem Jahr sind es 40 Stück.“ Auf der Börse im Kuz werden sowohl ältere als auch modernere Modelbau-Artikel feilgeboten, digital oder analog, Uhrwerk oder Standmodelle – für jedes Gesuch sei das Passende da, so der Veranstalter weiter.

Ruhe, Erholung und Kreativität

Was ihn und seine Freunde am Modellbau so fasziniert, sei einfach erklärt: „Ich gehe in den Keller, bastle an meiner Modellbahn, habe meine Ruhe und arbeite kreativ“, so Breitenbach. Es sei der Spieltrieb des erwachsenen Mannes und viele holten mit dem Modellbau auch ihre verlorene Kindheit nach. Ihm hätten es besonders reale Aufbauten angetan: „Wenn man sich so etwas anschaut und man dann überlegen muss: Ist das jetzt Modellbau oder ist das real – das finde ich toll.“

Was er in all den Jahren für seine Leidenschaft ausgegeben habe, könne er nicht mehr nachhalten. „Nur so viel: Eine ganz einfache Eisenbahn mit Transformator, Schienen und Zug kann man für 100 Euro bekommen, die bekannte Modellbau-Anlage in der Speicherstadt in Hamburg über zwei Etagen hat einen Wert im Millionen-Bereich – nach oben ist es preislich offen.“

Die nächsten Termine für Modellbaubörsen sind zu finden auf www.bv-messen.com.

Was fasziniert Sie am Modellbau?

Michael Lohmann (63), Aussteller aus Wuppertal: „Ich bin damit groß geworden, Modellbau zieht sich durch mein ganzes Leben. Ich sammle seit 45 Jahren. Ich kaufe und tausche das ganze Jahr über auf Trödelmärkten und Börsen. Im Winter, wenn das Wetter schlecht ist, baue ich dann schon mal zwei bis drei Tage am Stück. Meine Anlage auf dem Dachboden ist 40 Quadratmeter groß.“

Ramona Schier (43), Besucherin aus Ahlen: „Ich bin ein Spielkind und mit dem Modellbau hat mich mein Mann vor zehn Jahren angesteckt. Unsere Kinder sind aus dem Haus. Wir haben extra einen Modellbauraum und wir genießen es, ein gemeinsames Hobby zu haben – das macht uns glücklich. In den vergangenen zehn Jahren haben wir etwa 4000 Euro dafür ausgegeben.“

Manuela Backhaus (55), Ausstellerin aus Bochum: „Ich beschäftige mich seit zehn Jahren mit dem Modellbau. Das man auf kleinen Flächen die einzelnen Epochen der Eisenbahn, wie Dampf-, oder Elektrolok, originalgetreu nachbauen kann, finde ich toll! Im Garten haben wir eine große Pendelbahn von etwa 15 Metern, die nehmen wir immer zu Weihnachten in Betrieb.“

Daniele Parasiliti (32), Besucher aus Düsseldorf: „Reale Welten nachzubauen fasziniert und entspannt mich. Es ist ein entspannender Ausgleich zu meinem Beruf als Flugbegleiter. Ich teile mir das Hobby mit meinem Partner, pro Woche arbeiten wir 10 bis 20 Stunden an unserer Modellbau-Kirmes in unserem Wohnzimmer. 10.000 Euro haben wir bestimmt schon dafür ausgegeben.“

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