ICFF

Fahrradfilm-Festival im Geist von „Fridays for Future“

Einen Vinyl-Sprint liefern sich Paula und Jan auf dem Heimtrainer beim Internationalen Festival des Fahrrad-Films in den Flottmann-Hallen

Einen Vinyl-Sprint liefern sich Paula und Jan auf dem Heimtrainer beim Internationalen Festival des Fahrrad-Films in den Flottmann-Hallen

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Herne.  Das Festival des Fahrrad-Films in Herne hat den Geist von „Fridays for Future“ aufgegriffen. Es ging um Zerstörung, Hoffnung - und Bananen-Curry.

Die Flottmann-Hallen standen am Freitag und Samstag ab jeweils 17 Uhr ganz im Zeichen des Fahrradfilms, denn zum 14. Mal stieg das „International Cycling Film Festival“ (ICFF) unter dem Motto: „Bicycle Films for Future.“ Gezeigt wurden sechs Abenteuer- und 17 Fahrrad-Kurzfilme – die fünf besten wurden mit einem Preis ausgezeichnet.

Ein zweitägiges Festival mit Fahrrad-Kurzfilmen? „Ist wohl ein Nischen-Event“, dachte ich. Aber weit gefehlt: Das ist ganz und gar nicht „Nische“, so viele Menschen sind am Samstag bereits um 17 Uhr vor Ort – und schnell wird es voller. „Es ist jedes Jahr ausverkauft, auch in diesem Jahr“, berichten die Veranstalter Gernot Mühge und Chris Wawrzyniak. Auch unter den Filmemachern ist das Interesse groß: Etwa 70 Kurzfilme würden jährlich eingereicht, gezeigt werde aber nur etwa ein Viertel, gibt Mühge an.

Fahrrad-Kurzfilme müssen eine Botschaft transportieren

Der Grund: „Strikte Auslese: Wir haben den Anspruch, dass die Filme eine Botschaft transportieren müssen – politisch, gesellschaftskritisch, künstlerisch“, so Mühge. Das hänge auch mit dem Sinn des ICFF zusammen: „Uns geht es um eine bessere Gesellschaft und Fahrradfahren ist umweltfreundlich“, bringt Mühge es auf den Punkt.

Das diesjährige Motto sei an die „Fridays for Future“-Bewegung angelehnt: „Mit dem Festival möchten wir zur Akzeptanz von Klima-Neutralität und einer klimafreundlichen Ökonomie beitragen.“ Das aktuelle, düstere Festival-Programm passe perfekt in diese Zeit des Umdenkens, meint Chris Wawrzyniak. So ginge es beim erstplatzierten Film „The Epiplectic Bicycle“ vor allem um Zerstörung und Hoffnung. „Unser Fokus liegt auf ,Art House’ und wir zeigen Filme verschiedenster Genres“, so Wawrzyniak.

Zwischen Bike, Bier und Bananen-Curry

Viele Besucher reisen, auch wenn es am Samstag quasi durchweg regnet, stilgerecht an: „Ich bin in knapp zwei Stunden her geradelt“, erzählt Simon Knur aus Essen. Das Internationale Festival des Fahrrad-Films sei wie ein Klassentreffen: „Tolle Kurzfilme gucken, über Bikes reden, Bierchen trinken und ein Bananen-Curry essen – top!“, so der 39-Jährige.

Dieses vegane Gericht (und keine Alternativen) gibt es beim Velo Kitchen-Stand, einer Fahrradreparatur-Selbsthilfe-Werkstatt aus Dortmund. Es duftet nach Kokos, Curry und Banane. Velo Kitchen ist bereits zum achten Mal beim ICFF dabei – die Besucher haben das Gericht noch immer nicht über: „Das Curry ist einfach Kult“, hört man immer wieder.

Fahrrad-Filme als Inspiration zum Abenteuer

Freitagnachmittag startete der Film-Marathon mit sechs Abenteuerfilmen. „Außerdem haben wir über die Philosophie des Abenteurers gesprochen“, erzählt Festival-Redner Erwin Zantinga. Er habe etwa zwanzig Länder bereist, währenddessen knipse er Fotostrecken, schreibe Bücher oder drehe Filme. „Ein Abenteuer zu erleben, holt das Beste aus uns raus und bringt uns in Einklang mit der Natur“, meint der 33-jährige Niederländer.

Er erzählt gern von der großen Freiheit und Romantik seines Lifestyles. „Ich glaube, dass zur Zeit ein Umdenken stattfindet – Leute werden dazu inspiriert, etwas Neues auszuprobieren.“ Auch das diesjährige ICFF hat vermutlich viele Menschen inspiriert: zum Fahrradfahren, Abenteuer erleben, oder: einfach mal zu lernen, ein Bananen-Curry zu kochen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben