Kirche

Evangelische Kreuzkirche gibt mit Fotos und Texten Impulse

Das Ausstellungsteam (v.l.): Jürgen Gesing, Katja Lueg, Anette Pehrsson, Alexander Möller und Wolfgang Henke mit Fotos aus der Ausstellung.

Foto: Siepmann

Das Ausstellungsteam (v.l.): Jürgen Gesing, Katja Lueg, Anette Pehrsson, Alexander Möller und Wolfgang Henke mit Fotos aus der Ausstellung. Foto: Siepmann

Herne.   Was ist Kirche heute und wie sollte sie sein? 24 Menschen geben ihre Gedanken dazu preis. Am Reformationstag ist Ausstellungseröffnung.

Brauchen wir 500 Jahre nach der Reformation neue Ideen und Impulse für eine Veränderung von Kirche? Dieser Frage sind fünf Aktive der Evangelischen Kreuzkirchengemeinde im Luther-Jahr nachgegangen. 24 Menschen aus der Gemeinde und von außerhalb haben ihre Gedanken preisgegeben - zur Kirche, wie sie ist und wie sie sein sollte. Zusammen mit großformatigen Fotos sind sie Teil einer Ausstellung, die am Reformationstag unter dem Titel „... so werden wir sein wie die Träumenden“ (Psalm 126,1) in der Kreuzkirche eröffnet wird.

Breites Spektrum von Menschen angesprochen

Angesprochen habe das Ausstellungsteam ein breites Spektrum von Menschen, erklärt Wolfgang Henke, bis zu seinem vorgezogenen Ruhestand Pfarrer in der Kreuzkirche. Jüngere und Ältere, Männer und Frauen, Gemeindemitglieder wie die Presbyterin Bettina Gesing und Persönlichkeiten aus dem städtischen Umfeld, so wie den Leiter des Archäologiemuseums Josef Mühlenbrock, den katholischen Pfarrer Georg Birwer oder den Vorsitzenden des Integrationsrates, Muzaffer Oruc. Sie alle haben geantwortet auf die Fragen „Wie nehme ich Kirche heute wahr? Worunter leide ich? Was sehe ich positiv?“ und „Das wünsche und erträume ich mir für die Zukunft? So könnte der Weg dahin aussehen ...“.

Im Bild dargestellt wurden sie dementsprechend zweifach: als „Sehende“ in ihrem jeweiligen Umfeld und als „Träumende“ als Großporträts mit geschlossenen Augen. Letztere werden im Mittelschiff zwischen den Emporen auf einer Leine über den Besuchern schweben, während die Fotos der Teilnehmenden in ihrer Lebenswirklichkeit zusammen mit den Texten an den Wänden der Kirche hängen.

Fotografiert haben Wolfgang Henke und Alexander Möller, die dem Ausstellungsteam angehören wie Jürgen Gesing, Pfarrerin Katja Lueg und Anette Pehrsson. Presbyter Möller und Wolfgang Henke fotografieren beide seit vielen Jahren. „Wir haben alle Fotos gemeinschaftlich gemacht“, berichten sie. Was die Auskunftsbereitschaft angeht, so hätten nur wenige Angesprochene abgelehnt. „Manche haben sich ein bisschen geziert“, ergänzt Henke lächelnd.

Wünsche sind ganz unterschiedlich

Was die Befragten geantwortet haben, ist kaum auf einen Nenner zu bringen. Ihre Wünsche an die Kirche von morgen reichen von „mehr Alltagsnähe“ und „klare Positionen bei kritischen und unpopulären Themen“ (Peter Jeyarathnam) bis zur Forderung nach mehr Gehörlosengottesdiensten (Detlef Gersmann). Gewohnt kämpferisch gibt sich Verdi-Chef Norbert Arndt: „Nehmen wir uns, Trennendes bei Seite stellend, suchend bei der Hand, haken wir uns zweifelnd unter, empören und erheben wir uns. Alles beginnt mit dem ersten Schritt, auch hier in Herne.“

Das haben einige Befragte geantwortet

„Das Verstummen von immer mehr Kirchenglocken beziehungsweise der Abriss von Kirchen stimmt mich sehr nachdenklich und erfüllt mich mit großer Wehmut.“ Bettina Wellhöner

„Ich träume von einer Kirche, die durch die aktive Mitwirkung ihrer Gemeindemitglieder und Gäste jeden Alters geprägt wird. Sie ist einladend und bietet Raum zum Auftanken, Durchatmen und für Gemeinschaft.“ Maren Wilhelm.

„Ich leide unter gar nichts. Es macht mir sehr viel Spaß, in die Kirche zu gehen. Ich mag die Lieder und die Gruppenarbeit.“
Merle Pascher (9)

„Das christliche Menschenbild, für das die evangelische Kirche einsteht, bildet die Grundlage einer Gesellschaft, in der ich leben möchte: ein friedliches, freiheitliches Miteinander der Generationen, der Religionen, Herkünfte und Weltanschauungen.“ Susanne Schübel

„Meine Vision: Wir haben das Jahr 2050. Alle Gotteshäuser sind offen für alle Glaubensrichtungen. Es macht keinen Unterschied, wo man sich Gott zuwendet, ob Kirche, Moschee, Synagoge oder buddhistischer Tempel.“ Muzaffer Oruc

„Wenn Gott Liebe ist, wie kann man dann über Obergrenzen für Flüchtlingszahlen diskutieren, an Waffenlieferungen verdienen und die Todesstrafe auch nur in Erwägung ziehen?“ Josef Mühlenbrock

>>> INFOS ZUR AUSSTELLUNG

„... so werden wir sein wie die Träumenden“ wird am Dienstag, 31. Oktober, um 19.30 Uhr nach dem Gottesdienst in der Kreuzkirche an der Bahnhofstraße mit einer Vernissage eröffnet.

Die Bilder und Texte sind bis zum 10. Dezember zu folgenden Zeiten zu sehen: sonntags, 9 bis 12.30 Uhr, vor und nach den Gottesdiensten, dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags von 10.30 bis 12.30 Uhr, erster Samstag im Monat, 11 bis 12.30 Uhr.

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