Europawahl

Europawahl in Herne: Derbe SPD-Schlappe, Jubel bei Grünen

Die Gesichter sprechen Bände: Die SPD musste in Herne erdrutschartige Verluste hinnehmen: (von links) SPD-Vize Hendrik Bollmann, Partei-Chef Alexander Vogt, Kandidatin Kirsten Eink und die Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering.

Die Gesichter sprechen Bände: Die SPD musste in Herne erdrutschartige Verluste hinnehmen: (von links) SPD-Vize Hendrik Bollmann, Partei-Chef Alexander Vogt, Kandidatin Kirsten Eink und die Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Die Europawahl brachte in Herne erdrutschartige Verluste für die SPD und große Zugewinne für die Grünen. Zahlen und Reaktionen.

Die SPD hat in Herne bei der Europawahl 16,3 Prozent verloren, die Grünen sind die großen Gewinner - so lässt sich das Wahlergebnis am Abend nach Auszählung der 124 Stimmbezirke auf den Punkt bringen. Erfreulich: Die Wahlbeteiligung stieg deutlich an.

Im Einzelnen: SPD 26,8 Prozent (Europawahl 2014: 43,1 Prozent), CDU 20 Prozent (26,2), Grüne 17,5 Prozent (7,5), AfD 13,2 Prozent (6,5), Linke 5,1 Prozent (6,2) und FDP 5,1 Prozent (2,3).

Bei den kleinen Parteien setzt sich der Niedergang der Piratenpartei fort: sie erhielt 1 Prozent der Wählerstimmen; 2014 waren es noch 1,7 Prozent. Sieger bei den „Kleinen“ ist auch in Herne Die Partei. Die Satire-Partei erhielt 2,4 Prozent der Stimmen. Die Tierschutzpartei kam auf 2 Prozent.

Was sich schon am Mittag abzeichnete: Die Wahlbeteiligung lag in Herne bei 53,7 Prozent. Vor fünf Jahren gingen dagegen nur 44 Prozent aller Wahlberechtigten an die Urne.

Dudda fordert personelle Veränderungen bei der SPD

Bei der SPD-Wahlparty in den Flottmann-Hallen herrschte Punkt 18 Uhr bei der Bekanntgabe der ersten Zahlen Totenstille. Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda forderte eine personelle Veränderung in der Parteiführung: „Die SPD kann an der Führungsspitze so definitiv nicht weitermachen“, sagte er zur WAZ. Die SPD- Spitze im Bund habe „keine erkennbare Strategie für die Zukunft“.

Hernes SPD-Kandidatin Kirsten Eink, die mit einem Ergebnis um die 22 Prozent ins Europaparlament eingezogen wäre, zeigte sich „nicht so wahnsinnig enttäuscht“. Die Umfragen der vergangenen Tage hätten ein schlechtes Ergebnis angekündigt. Positiv nennt sie die hohe Wahlbeteiligung: Europa sei in den Köpfen der Menschen angekommen.

CDU in Herne „auf Augenhöhe“ mit der SPD

„Nach der Stimmung der letzten zwei, drei Wochen habe ich gewusst, dass wir uns glücklich schätzen können, wenn eine Drei vor dem Komma steht“, sagte der Herner CDU-Chef Timon Radicke zum Bundesergebnis der Union. Angesichts der Verluste räumte er ein, dass die CDU und die EVP zu den Verlierern des Abends gehören.

Auch in Herne ließ die Partei kräftig Federn - wenn auch nicht so stark wie die Herner Sozialdemokratie. Er sei froh, so Radicke, dass in Herne vorne die Zwei stehe. Positiv sei allerdings, dass die CDU nun „auf Augenhöhe“ mit der SPD sei.

Bei den Herner Grünen war der Jubel groß. „Wir freuen uns riesig“, sagte Partei-Chef Pascal Krüger. Und: „Es ist schön, dass der Klimaschutz offenbar eine so große Rolle gespielt hat.“ Viele Wähler hätten erkannt, dass andere Parteien beim Thema Umwelt nur Etikettenschwindel betrieben. In Herne, wo die Grünen sonst einen eher schweren Stand haben, legte die Partei prozentual sogar noch stärker zu als auf Bundesebene. „Das gibt uns Rückenwind für die Kommunalwahl 2020“, so Krüger.

Linkspartei ist enttäuscht über das Ergebnis

Von einem „tollen Herner Europawahl-Ergebnis“ sprach AfD-Chef Armin Wolf. Enttäuscht sei er allerdings über die Zahlen im Bund: „Hier hätte ich deutlich mehr für uns erwartet.“ Dass die AfD hier unter den Erwartungen geblieben sei, liege vor allem daran, dass die Partei und insbesondere die Landesverbände zuletzt nicht geschlossen aufgetreten seien. Der FPÖ-Skandal habe auf Deutschland kaum Auswirkungen gehabt, glaubt Wolf.

„Das Herner FDP-Ergebnis ist solide, im Bund hätte ich mehr erhofft und erwartet“, sagt der FDP-Vorsitzende Thomas Bloch. Bei der Kommunalwahl 2020 sei aber auch in Herne noch „Luft nach oben“.

Linke-Chef Patrick Gawliczek machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Wir haben es nicht geschafft, den Protest zu mobilisieren“, sagte er zum Bundesergebnis. Das sei insbesondere in einer Stadt wie Herne, in der die Linke die soziale Schieflage immer wieder thematisiere, enttäuschend. Seine Kritik an der Bundespartei: Die Linkspartei habe es anders als die Grünen nicht rübergebracht, dass sie pro-europäisch sei.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben