Zusatzstoffe

Europaplatz: Das sagt Herne zu den giftigen Pflastersteinen

Auf dem neugestalteten Europaplatz in Herne wurden Pflastersteine mit Titandioxid verlegt. Nun wurde bekannt: Der Stoff ist krebserregend.

Auf dem neugestalteten Europaplatz in Herne wurden Pflastersteine mit Titandioxid verlegt. Nun wurde bekannt: Der Stoff ist krebserregend.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Muss Herne die neuen Pflastersteine auf dem Europaplatz in Herne austauschen, weil sie giftig sind? Die Stadt hat sich jetzt festgelegt.

Wie gefährlich sind die neuen Pflastersteine auf dem Europaplatz in Herne? Darüber gab die Stadt nun gegenüber der Politik Auskunft. Die Grünen hatten nachgehakt, nachdem bekannt geworden war, dass der im Pflaster verarbeitete Zusatzstoff Titandioxid krebserregend ist.

Die Stadt Herne hatte für den Neubau des Europaplatzes die Steine mit dem chemischen Zusatz Titandioxid absichtlich ausgewählt. Ebenso hatte sie im Sommer 2019 Asphalt mit Titandioxid auf der Hauptstraße in Wanne verbaut. Denn: Der Zusatzstoff baut schädliche Stickoxide in der Luft ab; Fotokatalyse nennt sich dieses Verfahren für eine bessere Luft. Nun aber kam heraus: Titandioxid in Pulverform wird von der Europäischen Union bereits 2019 als potenziell krebserregend eingestuft. Der Hersteller hat deshalb auch die Produktion eingestellt. Die Grünen wollten deshalb von der Stadt wissen: Müssen die Steine in Herne-Mitte ausgetauscht werden?

Herne: Gesundheitliche Gefährdung ist nicht zu erwarten

Nein, sagte Eva-Maria Stieglitz-Broll vom städtischen Tiefbauamt am Mittwoch im Umweltausschuss. Titandioxid sei zwar von der EU als vermutlich krebserzeugend eingestuft worden – aber nur, wenn es in Pulverform und über einen längeren Zeitpunkt eingeatmet werde. Beim Europaplatz aber sei der Zusatzstoff fest im Pflaster verbaut. Dort könnten keine Partikel freigesetzt werden, die eingeatmet werden könnten. Eine gesundheitliche Gefährdung sei deshalb nicht zu befürchten, und ausgetauscht werden müsse das Pflaster deshalb auch nicht.

Die Stadt reichte im Umweltausschuss eine geschlossene Plastikflasche mit Titandioxid herum, außerdem einen Pflasterstein mit dem Zusatzstoff. Man müsse auf dem Europaplatz den Steinen schon mit einer Flexmaschine zu Leibe rücken und dabei länger den Staub einatmen, um gefährdet zu sein, kommentierte Baudezernent Karlheinz Friedrich. Auf Nachfrage der Politik hieß es, dass auch Besenwagen das Titandioxid nicht lösen könnten, ebenso keine Reinigungen durch Wasserstrahler. Letztere würden ohnehin nicht durchgeführt, weil sonst die Ritzen freigespült würden.

Eva-Maria Stieglitz-Broll teilte der Politik außerdem mit, dass die neuartigen Steine 2018 bestellt wurden – zu einem Zeitpunkt, als der Verwaltung nichts über ein Prüfverfahren der EU bekannt gewesen sei. Die Stadt hat an der Pflasterung nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Weiterhin überwögen auch nach aktueller Einschätzung die umweltbezogenen Vorteile der Steine – sie reduzierten Stickoxide, verbesserten das Klima, hellten Fahrbahnen auf und reduzierten Lärm.

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