Klassentreffen

Erinnerungen an Fräuleins mit Peitsche und Mäuse im Essen

60 Jahre Schulentlassung feierten die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Unser-Fritz-Schule am Samstagabend.Foto:Franz Naskrent

60 Jahre Schulentlassung feierten die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Unser-Fritz-Schule am Samstagabend.Foto:Franz Naskrent

Herne.   60 Jahre nach Schulentlassung trafen sich ehemalige Volksschüler aus Unser Fritz. Nicht zum ersten Mal: Es war bereits das zwölfte Treffen.

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Die neue Republik kam gerade wieder auf zittrigen Beinen zum Stehen, als Brunhilde Zimmermann und Dieter Nowak im Jahr 1950 in der damaligen Unser-Fritz-Schule eingeschult wurden. Am Samstagabend feierten sie zusammen mit immerhin 25 von 40 ehemaligen Mitschülern den 60. Jahrestag ihrer Volksschulentlassung.

Das bereits zwölfte Treffen seit 1978 fand erneut in der Kasinogastronomie „Unser-Fritz“ statt. Bei der Premiere hatte die Apothekerin Brunhilde Zimmermann über Eltern die Namen der verheirateten Mädchen in Erfahrung gebracht. Heute rufe man regelmäßig die alten Freunde an, die unter anderem bei der Kriminalpolizei, auf der Zeche oder sogar als Bauchtänzerin gearbeitet hatten und inzwischen in Düsseldorf oder München wohnen. „Wer kommt, der kommt“, sagt Zimmermann.

Die in der Unser-Fritz-Schule – das Gebäude des heutigen Heimatmuseums Unser Fritz – getrennt unterrichteten Mädchen und Jungen wechselten 1952 auf die Laurentiusschule. Dieter Niecke erinnert sich, wie er als älterer Schüler in Bochum-Gerthe für seine Schiefertafel verspottet wurde. Die vermögenderen Kinder dort hätten schon ausschließlich Heftchen benutzt, erzählt er.

Auch Brunhilde Zimmermann hatte noch einen Tornister aus hartem Leder, mit einem Topf fürs Schulessen hintendran. Das blieb bei ihr in keiner guten Erinnerung: Es gab das Gerücht, es werde mit Mäusen gekocht.

Schwärmen vom Pausenkakao

„Unheimlich viele Erinnerungen“ habe sie, berichtet auch Sigrid Toletzki. Zum Beispiel: an konservative Fräuleins mit Peitsche, an den Kochunterricht für die Mädchen und die „Raumlehre“ für die Jungen. Sie schwärmt noch heute von Kakao in den Pausen und dem Wald rings um Unser Fritz.

„Klassentreffen sind wichtig. In unserem Alter sollten sie jedes Jahr stattfinden“, sagt Toletzki, während weitere ehemalige Mitschüler eintrudeln – begleitet von freudigen Ausrufen wie: „Ich freue mich irre, hier zu sein!“

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