Bürgerversammlung

Emscherstraße: Vermieter steht im Kreuzfeuer der Kritik

Im Wanner Wohnblock an der Emscherstraße hat sich Wut und Verzweiflung breit gemacht.

Im Wanner Wohnblock an der Emscherstraße hat sich Wut und Verzweiflung breit gemacht.

Foto: Dietmar Wäsche

Herne.   Mieter im Wohnblock an der Emscherstraße berichten von eklatanten Missständen. Und so steht es um die drohende Sperrung der Heizungen.

Mieter des Wanner Wohnblocks Emscherstraße sind wütend und verzweifelt. Über Ratten, Kakerlaken, kaputte Scheiben, Müll, Schimmel, defekte Fahrstühle und zahlreiche weitere Missstände haben Bürger bei einer von der Stadt einberufenen Versammlung im Stadtteilzentrum Pluto geklagt. Auch die Stadt und der Mieterschutzbund gingen hart mit dem Vermieter ins Gericht und forderten die Betroffenen zur Gegenwehr auf. Die vom Energieversorger Engie angedrohte Sperrung von Heizung und Warmwasser für die 224 Wohnungen kann aber offenbar abgewendet werden.

Wie berichtet, hatte Engie die Mieter darüber informiert, dass der Eigentümer bzw. die zuständige Immobiliengesellschaft Altro Mondo den vertraglich vereinbarten Zahlungen für Energiekosten nicht nachgekommen sei. Zum Äußersten wird es aber wohl nicht kommen. Auf Anfrage der WAZ erklärt eine Altro Mondo vertretende Kölner Anwaltskanzlei, dass der Zahlungsrückstand „unverzüglich ausgeglichen wird“. Hintergrund des Rückstands sei ein Wechsel des Versorgers. Leider sei bei der Umstellung nicht alles „glatt“ gelaufen. Die Probleme seien aber ausgeräumt worden, so die Kanzlei.

Sperrung von Strom und Wasser im Juli verhindert

Für die aktuell rund 800 Bewohner der Siedlung ist diese Situation nicht neu. Wie berichtet, konnte erst im Juli eine Sperrung von Strom und Wasser verhindert werden. Auch hier waren Zahlungen zunächst ausgeblieben.

Die Anwaltskanzlei teilt weiter mit, dass der bisher für Hausmeisterarbeiten zuständige Dienstleister gewechselt worden sei, weil er die „hohen Qualitätsansprüche“ von Altro Mondo nicht erfüllt habe. Der neue Dienstleister habe seine Arbeit im Juli aufgenommen und werde „sukzessive die liegengebliebenen Arbeiten“ nachholen.

Forderung der Mieter an die Stadt

Den Glauben an eine Verbesserung der Lebensbedingungen haben Betroffene aber offenbar weitgehend verloren. „Nehmt dem Eigentümer die Wohnungen weg!“ - diese Forderung richteten Mieter im Pluto-Zentrum an die Stadt.

„Unsere rechtlichen Möglichkeiten sind begrenzt“, sagte Sozialdezernent Johannes Chudziak im Gespräch mit der WAZ. Das Gesetz sei hier „ein stumpfes Schwert“ und gebe den Kommunen in solchen Fällen zu wenig Instrumente an die Hand. Die Stadt werde nun zunächst in weiteren Fällen die Wohnungsaufsicht einschalten.

Dezernent: Es fehlt an Nachhaltigkeit

Altro Mondo habe am Mittwoch signalisiert, mit der Stadt ein Gespräch führen zu wollen. Als „sehr fragwürdig“ bezeichnet der Dezernent das Verhalten des Vermieters. Bevor die Stadt aufgrund von Versäumnissen die „nächste Eskalationsstufe“ schalten und den Vermieter stärker unter Druck setzen könne, erfülle dieser die Forderungen. „Es fehlt an Nachhaltigkeit“, so Chudziak. So sei beispielsweise ein Fahrstuhl Wochen nach einer Reparatur wieder defekt gewesen.

Mieterschutzbund bezieht Stellung

Der Mieterschutzbund fand in der Versammlung für den Wohnblock Emscherstraße deutliche Worte. „Es ist eine Unverschämtheit, dass Sie so wohnen müssen. Sie sind Opfer einer verfehlten Wohnungspolitik“, sagte Claus Deese (Mieterschutzbund) den Betroffenen. Wohnungen seien nur noch eine Ware. Es sei das Geschäftsmodell solcher Vermieter, Geld zu kassieren und wenig dafür zu tun.

Den Betroffenen riet Deese, sich gegen den Vermieter zu wehren und zum Beispiel bei eklatanten Missständen die Miete zu kürzen. „Sie müssen aktiv werden. Diese Verantwortung kann Ihnen niemand abnehmen.“ Der Stadt Herne zollte er ein großes Lob: Ein derartiger Einsatz für Mieterinteressen sei nicht selbstverständlich.

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