E-Scooter

E-Scooter rollten in Herne in sechs Monaten 20.000 Kilometer

E-Scooter des Start-ups Circ vor dem Rathaus in Herne. Seit einigen Tagen ist eine neue Modell-Generation unterwegs.

E-Scooter des Start-ups Circ vor dem Rathaus in Herne. Seit einigen Tagen ist eine neue Modell-Generation unterwegs.

Foto: Tobias Bolsmann

Herne.  Vor einem halben Jahr rollten die ersten E-Scooter des Start-ups Circ durch Herne. Nun stellte das Unternehmen die ersten Ergebnisse vor.

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Johannes Caspar, Hamburgs Datenschutzbeauftragter, nahm vor wenigen Tagen die E-Scooter-Verleiher ins Visier. Er hält es für denkbar, dass sie neben dem eigentlichen Verleih des neuen Fortbewegungsmittel ein zweites Geschäftsmodell haben: den Verkauf der Daten der Nutzer. Was Caspar vermutlich nicht weiß. Der Anbieter Circ, der in Herne als erster Anbieter in Deutschland startete, gibt seine Daten - anonymisiert - tatsächlich weiter. Allerdings zu Forschungszwecken. Nach einem halben Jahr gibt es erste Erkenntnisse.

Zur Erinnerung: Als Circ in Herne an den Start ging, unterzeichnete das Unternehmen auch eine Forschungsvereinbarung mit der HCR. Beide werden - in anonymisierter Form - Daten der Nutzer sammeln. Ausgewertet werden diese Bewegungsmuster von Haydar Mecit, Stiftungsprofessor der Herner Stadtwerke für „Urbane Energie und Mobilitätssysteme“. Das Ziel: Aus den Erkenntnissen neue Mobilitätskonzepte entwickeln.

Fast 10.000 Fahrten mit den E-Scootern

Laut Max Hüsch, Deutschland-Chef von Circ, sei die Nachfrage in Herne nach wie vor überdurchschnittlich hoch. In Zahlen: Mit den E-Scootern sind in Herne insgesamt 20.000 Kilometer gefahren worden. Die Gesamtzahl der Fahrten liegt bei knapp 10.000. Die durchschnittliche Fahrdauer lag bei etwa neun Minuten, die durchschnittliche Geschwindigkeit bei elf km/h. Der beliebteste Ausleihtag ist der Samstag, die beliebteste Uhrzeit 16 Uhr.

Interessant ist der Blick auf die durchschnittliche Distanz, die zurückgelegt wurde: etwas mehr als eineinhalb Kilometer. Für Hüsch ist dies ein Hinweis, dass E-Scooter eine Mobilitätslücke auf dem letzten Kilometer schließen können. Um sich der Frage zu nähern, ob die Roller den ÖPNV ergänzen können, wurden alle Fahrten, alle Start- und Zielpunkte sowie alle ÖPNV-Haltestellen und Streckenverläufe auf einem digitalen Stadtplan übereinander gelegt. Die bisherige Erkenntnis: Etwa 15 Prozent der Fahrten beginnen in einem Umkreis von 30 Metern zu einer Bushaltestelle. Als Brennpunkte fürs Ausleihen haben sich beide Bahnhöfe, der Buschmannshof sowie die Akademie Mont-Cenis herauskristallisiert.

Das Fernziel: Neue Tarifmodelle

Selbstverständlich müssten die Zahlen über einen längeren Zeitraum betrachtet werden, so Pierre Golz, Leiter der Stabsstelle Digitalisierung im Rathaus. Doch dann ließen sich Rückschlüsse ziehen, ob es bei der HCR die Möglichkeit oder Notwendigkeit für Streckenanpassungen gebe oder ob Standorte von Haltestellen optimiert werden könnten. Darüber hinaus könnten die Ergebnisse dazu diesen, neue Mobilitätsangebote zu entwickeln. Vielleicht gebe es in Zukunft mal ein Kombiticket für Bus und E-Scooter.

Bis dahin seien noch einige Schritte zu gehen, doch einer müsse ja mal anfangen, so Oberbürgermeister Frank Dudda. Nach seiner Einschätzung ist Herne die erste Stadt bundesweit, die solche Daten in diesem Segment erhebt. Der Anspruch sei zu erklären, dass E-Scooter nicht nur Fahrspaß böten, sondern durch die Vernetzung mit dem ÖPNV Potenzial beim Klimaschutz hätten.

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