Graffiti

Drei Frauen auf der Jagd nach Graffiti in der Stadt

Anna-Lena Werner und Lea Terhaag (v.l.), Mitarbeiterin und Praktikantin bei Pottporus, mit einer Tafel von Irmela Mensah-Schramm:

Anna-Lena Werner und Lea Terhaag (v.l.), Mitarbeiterin und Praktikantin bei Pottporus, mit einer Tafel von Irmela Mensah-Schramm:

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Im Alten Wartesaal beleuchtet die Ausstellung: „Kunst oder Vandalismus?“ die Arbeit von Andrea Ranke, Angelika Bruer und Irmela Mensah-Schramm

Für die Jugend ist Graffiti Kunst, für die Älteren Schmiererei. Könnte man meinen, und doch gibt es auch ganz andere Beispiele, wie die Verantwortlichen der neuen Pottporus-Ausstellung im Alten Wartesaal festgestellt haben. Sie haben drei Frauen gefunden, die die 60 überschritten haben und trotzdem brennend an Graffiti interessiert sind. Unter dem Titel „Kunst oder Vandalismus?“ stellen Andrea Ranke aus Essen und Irmela Mensah-Schramm und Angelika Bruer aus Berlin ab Mittwoch im Herner Bahnhof aus.

Begeistert von Andrea Rankes Fotogalerie

Während des vergangenen Pottporus-Festivals sei man mit Andrea Ranke ins Gespräch gekommen, erzählt Pottporus-Sprecherin Uta Graßhoff. Die heute 60-Jährige schaute sich als Besucherin die „Infusion“-Ausstellung im Alten Wartesaal an, und sie verstand offenbar etwas von der Materie. „Wir haben uns dann ihren Blog angeguckt und waren begeistert von der Fotogalerie und ihrem Hintergrundwissen.“

Andrea Ranke bezeichnet sich selbst nicht als Künstlerin: „Ich bin Jägerin und Sammlerin.“ Eine Häuserwand in der Essener Witteringstraße hatte 2013 ihre Aufmerksamkeit geweckt. Um der Schmierereien Herr zu werden, hatte der Hausbesitzer die Fassade von einem Düsseldorfer Künstler gestalten lassen.

Andrea Ranke war beeindruckt von dem entstandenen Urwald – und holte ihre Kamera. So fing an, was sich zu Fototouren durch das Ruhrgebiet und darüber hinaus weiter entwickelte. „Dann war ich rettungslos verloren.“ Als sie ein Jahr später begann, ihre Fotos über Google Plus zu archivieren, habe sie sich mit den Einstellungen nicht ausgekannt, und plötzlich hatte sie fast fünf Millionen Follower. „Das größte Problem war, an Informationen zu kommen“, sagt die gelernte Chemieingenieurin. Denn die Szene ist diskret und schützt sich. Ranke begann Infos zu Künstlern und Techniken zu sammeln, seit 2016 betreibt sie den Blog https://streetartwalks.blog.

Aktivistin aus Berlin entfernt Hassparolen

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Angelika Bruer. Die fast 70-Jährige begibt sich in Berlin mit detektivischem Spürsinn auf die Suche nach neuen Graffitis und Murals. Ihr Archiv umfasst inzwischen 15000 Fotos und „Blackbooks“ mit ihr gewidmeten Zeichnungen und Notizen von Streetart-Künstlern.

Über das reine Beobachten der Szene hinaus geht Irmela Mensah-Schramm, geboren 1945. Die Menschenrechtsaktivistin entfernt oder übermalt seit 1986 rassistische, antisemitische ander anderweitig menschenverachtende Hassparolen und dokumentiert dies fotografisch. Das hat ihr schon mehrere Anzeigen wegen Sachbeschädigung eingebracht. Ihre Ausstellung „Hass vernichtet“ wurde bereits über 450 Mal gezeigt. Irmela Mensah-Schramm ist wie Andrea Ranke bei der Vernissage anwesend.

>>> VERNISSAGE UND GESPRÄCHE

„Kunst oder Vandalismus?“ wird am Mittwoch, 18. April, 18 Uhr im Alten Wartesaal im Herner Bahnhof eröffnet. Geöffnet bis 20. Mai, do-sa 16-20, so 14-18 Uhr.

Zu Gesprächen bei Kaffee und Kuchen mit Angelika Bruer und Andrea Ranke wird am Sonntag, 13. Mai, 16 Uhr geladen. Irmela Mensah-Schramm ist am Sonntag, 20. Mai, 16 Uhr, zu Gast.

Eine Finissage schließt sich an.

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