Tanztheater

Die Philosophie der Amateur-Pornographie

Premiere des Theater Kohlenpot mit dem Stück "Hot Girls wanted“.

Foto: Funke Foto Services

Premiere des Theater Kohlenpot mit dem Stück "Hot Girls wanted“. Foto: Funke Foto Services

Herne.   Ein Junges Team widmet sich in den Flotmannhallen einem brisanten Thema.„Hot Girls Wanted“ regt Besucher zu vielen lebhaften Gesprächen an.

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„Hot Girls Wanted“ heißt die Premiere des Regie Labors des Theaters Kohlenpott am Freitagabend. Der 19-jährige Sefa Küskü hat in seinem Regiedebüt das Thema Amateurpornografie unter die Lupe genommen.

Erwartungsvolle Stimmung herrschte im Theater in den Flottmannhallen, die Bühne – eine Gemeinschaftsarbeit von Chiara Pennisi, Diana Richter, Zoe Drückler und David Gruschka – ist dunkel, die Ausstattung spartanisch, die Diskomusik gehört irgendwie dazu. Desto packender aber sind die Gespräche und Monologe der vier jungen Frauen. Vicki (Jasmin Keller) ist die Chefin und managt den Laden. Wenn ihre Mädchen Mia (Lea Terhaag), Fiona (Malina Hoffmann), Liv (Lilli Gehrke) und Lucy (Marisa-Giulia Gervasi) „funktionieren“, besorgt sie ihnen Jobs und Geld. Diese „Philosophie“ haben die Mädchen verinnerlicht: „Ich habe Sex – vor laufender Kamera. Aber nein, es ist keine Prostitution. Ich bin nicht hier, um Spaß zu haben. Ich komme und liefere eine Show, damit du Spaß hast und ich bezahlt werde, damit ich Spaß haben kann.“ Das bringt das Credo auf den Punkt. Und obwohl sich die Mädchen das immer wieder selbst versichern, haben sie doch ihre Probleme damit.

Laszive Tanzeinlagen

Klar stellt Sefa Küskü den Gegensatz zwischen der brüchigen Kumpel-Harmonie in der WG und der Einsamkeit der jungen Mädchen heraus, die sich von ihrem Job ein besseres Leben erhoffen. Und nach dem anfänglichen Enthusiasmus über ihre Berühmtheit in den Sozialen Medien bitter enttäuscht werden.

Laszive Tanzeinlagen, Streitereien und in sich versunkene Haltungen wechseln sich ab, manchmal kommentieren die jungen Frauen ihren „Job“ und ihr Leben so unbeteiligt wie der Chor in einer griechischen Tragödie. „Am Anfang hatte ich Angst, dass ich Menschen Unrecht tue, die ich nicht kenne,“ sagt Darstellerin Maria-Giulia Gervasi. „Aber wir wollen keine Werte aufoktroyieren, wir wollen zeigen, wie Menschen mit Amateurpornografie umgehen.“ Und das regte viele lebhafte Gespräche bei der gut besuchten Premierenfeier an.

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