CDU-Basis

Die Herner CDU-Basis ringt um den zukünftigen Kurs

Es gibt viel zu tun ...: Die CDU steht vor großen Herausforderungen. Wie diese zu bewältigen sind, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten.

Foto: Arnulf Hettrich

Es gibt viel zu tun ...: Die CDU steht vor großen Herausforderungen. Wie diese zu bewältigen sind, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Foto: Arnulf Hettrich

Herne.   Ob Große Koalition, Angela Merkel, Erneuerung oder Verjüngung: Über die Ausrichtung gibt es im CDU-Kreisverband unterschiedliche Positionen.

Quo vadis, CDU? Von der Augsburger Allgemeinen über Funke Mediengruppe bis ZDF – Paul Ziemiak (32), Bundestagsabgeordneter mit Herner Wahlkreis und Bundesvorsitzender der Jungen Union, ist aktuell zu dieser Frage in deutschen Medien fast allgegenwärtig. Und was sagen CDU-Funktionsträger aus Herne und die Basis zur Situation und zur Zukunft der Union? Die WAZ hat nachgefragt.

Timon Radicke, Kreisverband

Einen Umbau und eine politische und personelle Erneuerung der CDU fordert Hernes Parteivorsitzender Timon Radicke. Die Zeit sei reif für einen Generationswechsel. „Ich hoffe, dass Angela Merkel die Zeichen der Zeit erkannt hat und nicht den gleichen Fehler macht wie Helmut Kohl.“ Sonst drohe der Partei ein Vakuum und eine längere Oppositionsphase - so wie 1998. Die Kanzlerin und die Parteispitze müssten nun ein „Personaltableau“ für die Zukunft entwickeln. Politiker wie Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer oder Carsten Linnemann kämen für führende Positionen in Frage. In vier Jahren oder auch bei vorgezogenen Neuwahlen könne die CDU auf keinen Fall mit einer Spitzenkandidatin Angela Merkel antreten, sagt Radicke. Als Wunschkoalitionspartner für die Zukunft nennt der 32-Jährige die Grünen. Schwarz-Grün wäre in der Lage, die richtigen Weichen für Fortschritt, Innovation und auch Umweltschutz zu stellen.

Bettina Szelag, Ratsfraktion

„Frau Merkel ist eine hervorragende Bundeskanzlerin – ohne Einschränkung“, sagt Bettina Szelag, die CDU-Fraktionsvorsitzende im Rat. Merkel habe „im besten Fall jetzt vier Jahre Zeit, die Weichen auch für die Zukunft der CDU zu stellen“. Es sei deshalb jetzt überhaupt nicht an der Zeit, über einen Nachfolger zu sprechen. Mit dem GroKo-Papier kann die 55-Jährige leben: „Ein Koalitionsvertrag ist immer ein Kompromiss.“ Dass über eine Koalition auch bei der CDU die Basis entscheiden sollte, lehnt sie ab.

Renate Sommer,Europa-Parlament

Dass die SPD bei den GroKo-Sondierungen den Zuschlag fürs Finanzministerium erhalten hat, sei bitter, sagt Renate Sommer, Europaabgeordnete aus Herne. Denn: „Die Erfahrung zeigt, dass die Genossen nicht mit Geld umgehen können.“ Eine Alternative zur Großen Koalition sieht sie – nach dem „Desaster“ um die Jamaika-Verhandlungen – nicht. Angela Merkel, so Sommer, sei gewählt worden und soll deshalb auch vier volle Jahre im Amt bleiben. Eine Verjüngung in der CDU-Ministerriege hält die 59-Jährige nicht für nötig: „Bei den wenigen CDU-Ministern macht es Sinn, auf erfahrene Leute zu setzen.“ Im Kabinett sähe sie gerne Julia Klöckner.

Anna-Lena Krumhus, Junge Union

Anna-Lena Krumhus steht einer Großen Koalition grundsätzlich kritisch gegenüber. „In der aktuellen Situation muss man aber bereit sein, Kompromisse einzugehen“, sagt die Vorsitzende der Jungen Union. Der GroKo-Vertrag mit der SPD hätte in einigen Punkten konkreter sein können. „Vor allem beim Thema Umwelt hätte ich mir das gewünscht“, sagt die 19-Jährige. Inhaltlich sei die Partei breit aufgestellt, auch wenn für ihren Geschmack „liberalere Ansichten“ mehr Gewicht haben könnten. Personell müsse die CDU dagegen etwas tun und kompetente jüngere Kräfte wie Daniel Günther, Julia Klöckner oder Annegret Kramp-Karrenbauer fördern.

Frank Heu, CDA

Er hätte sich gewünscht, dass auch die CDU ihre Basis zum GroKo-Vertrag befragt hätte anstatt einen Parteitag darüber entscheiden zu lassen, sagt Frank Heu, Chef der Herner CDU-Arbeitnehmer (CDA). Mit den Inhalten ist der 53-Jährige dagegen zufrieden. „Bei den sozialen Themen finde ich mich und die Position der CDA wieder.“ Und: Anders als Merkel hätte sich Heu auch eine von der Union geführte Minderheitsregierung vorstellen können. Für die Partei hält Heu einen Kurswechsel für notwendig. Die CDU habe es in den vergangenen Jahren versäumt, gewisse Probleme aufzugreifen und offen anzusprechen - zum Beispiel beim Thema Flüchtlinge.

Peter Neumann-van Doesburg, Senioren Union

Die aktuelle Situation der CDU ist aus Sicht von Peter Neumann-van Doesburg nicht befriedigend. Auch der Verlust des Finanzministeriums wäre nicht erfreulich. Aber: „Das Wichtigste ist doch, dass es eine stabile Regierung gibt“, so der Vorsitzende der Senioren-Union. Die CDU sei bei der Bundestagswahl deutlich stärkste Kraft geworden. Nun müsse sie ihrer Verantwortung gerecht werden. Die Diskussion über eine inhaltliche und personelle Neuaufstellung befremdet den 61-Jährigen etwas: „Ich verstehe die Aufregung nicht ganz.“ Eine Partei müsse sich fortlaufend erneuern. „Und das tut die CDU.“

Björn Wohlgefahrt, Ortsverband

Er sei inhaltlich mit dem ausgehandelten Koalitionsvertrag zufrieden, erklärt Björn Wohlgefahrt, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Holsterhausen-Baukau und des CDU-Stadtbezirksverbandes Herne-Mitte. Einen Mitgliederentscheid hält er für die CDU nicht für nötig: „Unsere Parteitagsdelegierten kennen die Stimmung an der Basis“, sagt der 35-Jährige. Dass die CDU nur noch ein „Kanzlerwahlverein“ sei, wie von Kritikern behauptet, weist der Ratsherr entschieden zurück: „Wir sind inhaltlich gut aufgestellt.“ Selbst wenn es erneut zur Großen Koalition im Bund kommen sollte, so hat Björn Wohlgefahrt doch einen ganz anderen Wunschkoalitionspartner: „Die FDP steht uns immer noch am nächsten.“

Gudrun Nott-Votteler, Frauen Union

Gudrun Nott-Votteler ist zwiegespalten. Eine stabile Regierung sei sehr wichtig, sagt die Chefin der Frauen Union. Andererseits sei sie nicht gerade erfreut über eine neuerliche GroKo. „Jamaika wäre mir lieber gewesen“, sagt die 70-Jährige. Zu Angela Merkel hat Nott-Votteler eine klare Position: „Sie hat sich für vier Jahre aufstellen lassen. Jetzt sollte man sie auch machen lassen.“ Sie wünsche sich aber neben Merkel auch neue und frische Gesichter in der Parteispitze.

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