Spielplatzlandschaft

Der große Spielplatz-Test in Herne und Wanne-Eickel

Mit Klemmbrett, Kuli und kritischem Blick: die Tester Atilaa (re.) und Illya (beide 10) im Mai auf dem Spielplatz an der Rathausstraße in Wanne.

Foto: Ralph Bodemer

Mit Klemmbrett, Kuli und kritischem Blick: die Tester Atilaa (re.) und Illya (beide 10) im Mai auf dem Spielplatz an der Rathausstraße in Wanne. Foto: Ralph Bodemer

Herne.   50 Mitglieder des Kinder- und Jugendparlaments nahmen Rutsche, Wippe & Co. unter die Lupe. So schneiden einige Spielplätze in der Stadt ab.

50 Mädchen und Jungen, acht Spielplätze, eine einmalige Aktion: Mitglieder des Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa) haben einen ebenso fachmännischen wie unbestechlichen Blick auf Schaukeln, Rutschen und Co. geworfen und Bewertungen vorgenommen. Das vom KiJuPa in den für die Spielplätze zuständigen Bezirksvertretungen präsentierte Ergebnis stieß auf großes Lob.

„Megagut!“ So bringt auch Armin Kurpanik, seit zwei Jahren Geschäftsführer des KiJuPa, das Engagement der Nachwuchs-Tester auf den Punkt. Und wie fällt unterm Strich die Bewertung der einzelnen Spielplätze aus? „Im Großen und Ganzen gut“, so der 24-Jährige.

Eine Gruppe schwärmte in Wanne aus, eine in Sodingen/Herne-Mitte. Eine weitere Aktion fiel schlechtem Wetter zum Opfer. „Jeweils zwei gute und zwei schlechte Spielplätze“ - so könne man das Ergebnis in etwa zusammenfassen, sagt Kurpanik. Die besten Noten erhielt die Anlage im Herner Stadtgarten. „Perfekter Spielplatz“ und „alles super“, so zwei Abschlussbewertungen. Auch der Spielplatz im Wanner Stadtgarten schnitt sehr gut ab. Klein, aber gar nicht fein ist dagegen nach Einschätzung der Spielplatz-Checker der Platz an der Mont-Cenis-Straße in Sodingen, der die schlechtesten Noten erhielt. Immerhin gab es hier relativ hohe Bewertungen in der Rubrik „Sicherheit“.

Finanzen spielen eine Rolle

Verbesserungswürdig ist aus Sicht der Teilnehmer auch der Spielplatz Granitweg in Sodingen. Man müsse bei der Beurteilung der Spielplätze aber grundsätzlich berücksichtigen, dass es um die Finanzen in Herne nicht so gut stehe, betont Stadtmitarbeiter Kurpanik.

Der Spielplatz-TÜV soll nicht die letzte Aktion dieser Art sein. Weitere Tests seien denkbar, so der KiJuPa-Geschäftsführer. Vorstellbar sei, dass die Jung-Parlamentarier mal Schultoiletten unter die Lupe nehmen. Neu wäre das nicht: Ein solcher Test sei vor vielen Jahren gemacht worden, so Kurpaniks Vor-Vorgänger Norbert Gresch.

Die Bewertungen auf einer Skala von 1 (ganz schlecht) bis 10 (top) haben wir in einer interaktiven Karte zusammengestellt:

>> Die Herner Spielplatzlandschaft in Zahlen

121 Spielplätze gibt es aktuell in Herne und Wanne-Eickel. Jüngstes Großprojekt war die Komplett-Umgestaltung der Anlage „Auf der Insel“ in Herne-Mitte im Oktober 2016. 350 000 Euro flossen in den Umbau.


45 Spielplätze befinden sich im (mit Abstand einwohnerstärksten) Stadtbezirk Herne-Mitte, 32 in Wanne, 25 in Sodingen und 19 in Eickel.

1,2 Millionen Euro gibt die Verwaltung im Jahr für die Herner Spielplätze aus. Einbezogen wurden hier allerdings auch „Arbeitsstunden“ der mit Spielplätzen befassten städtischen Mitarbeiter.


15 000 Euro erhält jede Bezirksvertretung pro Jahr für die Gestaltung von Spielplätzen. Angesichts der Preise von Spielgeräten eine sehr niedrige Summe.

25 000 Euro erhielt jeder der vier Herner Stadtbezirke noch vor sieben Jahren. Aufgrund der schlechten Haushaltslage setzte die Politik allerdings den Rotstift an. Und: Eine komplette Umgestaltung von Anlagen, an denen der Zahn der Zeit nagt, ist mittlerweile in Herne nur noch aus Fördermitteln (Stadtumbau etc.) finanzierbar.

6 Spielplätze sollen künftig mit Fördermitteln umgestaltet werden. 2018 will die Stadt den Spielplatz auf dem Schulhof Neustraße angehen. Für 2019 stehen die Spielplätze der Schillerschule, an der Martinistraße und Am Alten Amt auf der To-Do-Liste. 2020 will die Stadt in Spielplätze an der ehemaligen Hauptschule Hölkeskampring sowie im Dorneburger Park investieren.

>> Stadt will das Spielgerät vor einer Freigabe „testen“

Auch die Stadt wird in diesen Wochen eine Art Spielplatztest vornehmen – allerdings eher unfreiwillig: Gemeinsam mit dem Hersteller des Piratenschiffs auf dem Spielplatz im Grünzug Hölkeskampring will die Verwaltung das Gerät vor einer neuerlichen Freigabe auf Herz und Nieren prüfen, um einen weiteren Unfall zu verhindern.

Noch kein Termin für Öffnung

Wie berichtet, hatte sich ein Kleinkind im September 2015 auf dem gerade eröffneten Spielplatz schwer verletzt: Es klemmte sich beim Spielen auf dem Schiff den Finger ein und musste operiert werden. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelte, das Spielgerät wurde gesperrt. Erst nach knapp zwei Jahren wurden die Ermittlungen gegen Zahlung einer Geldbuße durch den Piratenschiff-Hersteller eingestellt.

Freigeben werde die Stadt das Gerät aber erst nach einer umfassenden Prüfung mit dem Hersteller, berichtet Stadtsprecher Michael Paternoga auf Anfrage. Wann diese Untersuchung abgeschlossen sein wird, konnte die Stadt nicht sagen.

Anlaufprobleme gibt es nicht nur am Hölkeskampring: Auch auf dem im Oktober eröffneten Spielplatz Auf der Insel in Herne-Mitte mussten vorübergehend Spielgeräte eingezäunt werden - wenn auch nur für kurze Zeit. Zudem waren zunächst an Spielgeräten buchstäblich einige Schrauben locker.

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