Medizin

Den Herner Kinderärzten fehlt schon bald der Nachwuchs

Bei einer SPD-Veranstaltung sprachen der Herner Kinderarzt Dr. Wolfgang Schrader, SPD-Ratsherr Kai Gera und Dr. Holger Wißuwa.

Bei einer SPD-Veranstaltung sprachen der Herner Kinderarzt Dr. Wolfgang Schrader, SPD-Ratsherr Kai Gera und Dr. Holger Wißuwa.

Foto: Barbara Zabka

Herne.   Ein Versorgungsengpass ist abzusehen: Vier der zehn Herner Kinderärzte gehen demnächst in Rente.

Schon in wenigen Jahren werde Herne zu wenig Kinderärzte haben: Das war das Fazit eines Infoabends der SPD-Altenhöfen mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Alexander Vogt in der Begegnungsstätte an der Flottmannstraße. Während Kinder- und Jugendarzt Dr. Wolfgang Schrader ein dramatisches Bild zeichnete, konnte Dr. Holger Wißuwa von der Herner Feuerwehr die etwa 30 Gäste beim Thema Notfallmedizin beruhigen, hier seien keine Engpässe zu erwarten.

„In Herne gibt es nur zehn Kinderarztsitze“, eröffnete Wolfgang Schrader die Diskussion. „In den vergangenen 30 Jahren hat sich diese Anzahl nicht verändert – obwohl wir Kinderärzte jährlich einen Patientenzuwachs von etwa zehn Prozent haben“, so Schrader weiter. Dieser Zuwachs komme durch höhere Geburtenraten und auch zugezogene Flüchtlingskinder zustande. Die Frage lautete: „Haben wir denn genug Kinderärzte in Herne?“ Schraders Antwort: „Zur Zeit stemmen wir den Andrang noch irgendwie, aber in spätestens fünf Jahren gehen neben mir noch drei weitere Kollegen in Rente, Ersatz für diese Stellen ist aber nicht abzusehen.“

Zu wenige Studienplätze und hoher Numerus Clausus

Den Grund des Problems sehen Schrader und Wißuwa in zu wenigen Studienplätzen und dem hohen Numerus Clausus in der Medizin. Selbst wenn die Politik kurzfristig weitere Studienplätze einrichte oder den Zugang erleichtere: Wer jetzt mit dem Studium beginne, sei erst in elf Jahren fertig, das helfe Herne also nicht bei einem Engpass in fünf Jahren, rechnete Schrader vor.

Wie sieht es im Notfall aus? Wißuwa: „Kinder notärztlich versorgen zu müssen, ist zum Glück ein seltenes Ereignis.“ Von den 15 000 Rettungseinsätzen in Herne pro Jahr beträfen nur etwa 350 Einsätze Kinder. Beim Rettungsdienst werde nicht nach dem Alter der Patienten unterschieden, der Notarzt versorge alle Altersklassen auf dem Weg zum Krankenhaus. „Ab Januar 2019 soll es in Herne ein weiteres Rettungssystem rund um die Uhr geben.“ Alexander Vogt will sich um die Problematik kümmern und in Düsseldorf thematisieren.

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