Das Licht als künstlerisches Material

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Ab den 1970er-Jahren wollten Künstler nicht mehr nur „Kunst am Bau“ als Teil der vorhandenen Architektur machen. Die Kunst erobert den Stadtraum. Neben im öffentlichen Raum aufgestellten Objekten finden an vielen Orten zeitlich begrenzte oder thematische Ausstellungen von Kunst im öffentlichen Raum statt.

Mit der Aufstellung der Lichtobjekte auf der Bahnhofstraße, dem neu gestalteten Herner Boulevard, werden zum ersten Mal Kunstwerke in den öffentlichen Raum gestellt, die sich ausschließlich mit dem Thema Licht beschäftigen. Die Idee geht auf einen Ausstellungszyklus zurück, der 1999 in den Flottmann-Hallen stattfand. Zu den vier Ausstellungen hatte der damalige Museumsdirektor Alexander von Knorre Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die mit Licht als künstlerischem Material arbeiten.

Licht unter der Brücke

Mit dem Objekt „Licht unter der Brücke“ gestaltet der Krefelder Künstler Günter Dohr die Unterführung auf dem Weg vom Bahnhof in die Innenstadt. Dohr hat in die mit Marmor gestaltete Wandverkleidung eine Reihe hochrechteckiger fensterartiger Ausschnitte eingelassen. Sie haben ganz unterschiedliche Größen und sind alle entlang einer horizontalen Achse angeordnet, wobei die meisten sich über dieser durchgehenden Linie befinden, nur wenige sind unterhalb. Mal tauchen sie als doppelte Form auf, mal befinden sich zwei direkt untereinander. Die größeren Lichtfenster schaffen scheinbar einen unregelmäßigen Rhythmus, der von den kleinen Formen kontrastiert wird. Alle Nischen leuchten durch farbige Neonröhren im Inneren. Das milchige Glas lässt das Licht eher weich erscheinen. Mit der Abfolge der einzelnen Lichtformen schafft Günter Dohr eine fast musikalisch anmutende Struktur, die durch die Bewegungen des Vorbeigehenden und die Spiegelungen im Marmor noch unterstützt wird.

Im Einmündungsbereich der Vinckestraße steht der „Licht-Punkt“, der in der Zusammenarbeit des Düsseldorfer Künstlers Jürgen LIT Fischer mit dem Architekten Peter Brdenk entstanden ist. Sie haben vier drei Meter hohe Stelen aus weißen Betonringen um eine sich im Boden befindende Glaskuppel gruppiert. Aus dem Boden leuchtet ein bläulich weißes Licht. Am oberen Ende der vier Stelen ragen fühlerartige Acrylschläuche nach außen. Sie weisen in unterschiedliche Richtungen. An ihren Enden befinden unterschiedlich farbige Lichter. Der „Licht-Punkt“ ist eine Art künstlerischer Wegweiser, der von einem zentralen Ort in unterschiedliche Richtungen verweist.

Am Einmündungsbereich der Neustraße befindet sich das zweite Lichtobjekt von Günter Dohr. In seinem „Herner Licht-Tor“ stehen sich vier große rechteckige Lichtkörper gegenüber. Sie sind an einem bis zu 7 Meter hohen Gestell aus Vierkantprofilen befestigt. In den Lichtkästen befinden sich Neonröhren, die in unterschiedlichen Farben strahlen. Auch deren Licht erscheint durch das matte Glas sehr weich. Mit seinem Objekt greift Dohr die Idee eines Tores auf, das einen Durchgang durch das Licht markiert.

Sieben alte Straßenleuchten

Die „Herner Leuchten“ der Münsteraner Brüder Dirk und Maik Löbbert stehen am Einmündungsbereich der Kirchhofstraße. Sie fallen vielleicht erst auf den zweiten Blick auf. Die Löbberts haben ein Ensemble aus sieben alten Straßenlaternen zusammengestellt. Alle Laternen haben schon vorher einmal auf oder an der Bahnhofstraße gestanden und sind im Rahmen der Umbaumaßnahmen von ihrem ursprünglichen Standort entfernt worden. So treffen in den „Herner Leuchten“ unterschiedliche Gestaltungsideen aus ganz verschiedenen Zeiten aufeinander. Sie erzählen eine kleine Geschichte der Entwicklung der Bahnhofstraße.

Im Rahmen der Aufstellung der vier Lichtobjekte steht auch das zeitlich befristete Projekt des Künstlerpaares Karin Veldhues und Gottfried Schumacher: „Romeo“. Sie haben junge Männer fotografiert, wobei sich jeder in eine von ihm selbst gewünschte Haltung stellen durfte. Diese Fotos wurden dann im August 2002 bei Dunkelheit auf die gekachelte Wand des Karstadtgebäudes projiziert.

Ein weiteres Projekt, eine Lichtlinie von der Akademie Mont-Cenis zu den Flottmann-Hallen, konnte nicht realisiert werden.

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