Kirche neu

Das Experiment in St. Marien Eickel geht weiter

„Ent-wicklungen“ waren nicht nur bei einer Ausstellung in der St. Marien Kirche Eickel zu sehen, sondern sind dort seit einem Jahr kontinuierlich zu erleben.

„Ent-wicklungen“ waren nicht nur bei einer Ausstellung in der St. Marien Kirche Eickel zu sehen, sondern sind dort seit einem Jahr kontinuierlich zu erleben.

Foto: O.H.

Seit Pfingsten 2018 geht die Gemeinde St. Marien Eickel neue Wege und hat nicht nur Stühle gerückt. „Kirche neu“ wird um fünf Jahre verlängert.

Wanne-Eickel. Zu Pfingsten vor einem Jahr begann in der katholischen Kirchengemeinde St. Marien Eickel an der Herzogstraße buchstäblich das große Stühlerücken. Und nicht nur das: Seitdem hat sich unter dem Titel „Kirche neu“ auch inhaltlich vieles verändert.

Als Pilotprojekt zunächst auf ein Jahr begrenzt, kann es mit „Kirche neu“ nun sogar für fünf Jahre weitergehen – mit dem Segen des Erzbistums Paderborn und der Maßgabe, ein klares Konzept zu entwickeln, wie das Projekt in gelebten und praktizierten Glaubensalltag übertragen werden kann.

„Wie wollen wir Kirche und Glauben künftig leben und gestalten, welche Freiräume müssen wir auch ganz praktisch dazu in unserem Kirchengebäude schaffen“, seien die Ausgangsüberlegungen gewesen, so Pfarrer Ludger Plümpe, Leiter der Pfarrei St. Christophorus Wanne-Eickel, zu der auch St. Marien Eickel gehört. Denn dass es wie bisher nicht weitergehen kann, zeigen die generell stark rückläufigen Zahlen der Kirchenmitglieder und der Mangel an jungen Leuten überdeutlich – und ist jeden Sonntag in den Gottesdiensten zu besichtigen.

So wie in Schulen mittlerweile der Frontalunterricht verpönt ist, wurde auch in St. Marien der Frontalgottesdienst aufgehoben. Die starren Kirchenbänke wurden eingelagert und durch nach Bedarf kombinierbare Stühle ersetzt, zunächst in Form einer mehrreihigen Ellipse, aktuell als mehrreihige Raute. Altar, Ambo und Taufbecken rückten in die Mitte bzw. unmittelbar an die Stuhlreihen.

„Wir waren auf Widerspruch aus der Gemeinde gefasst“, sagt Ludger Plümpe. „Der Schritt war schon radikal.“ Von vielen hätten sie aber auch gehört, dass sie ins Nachdenken gekommen seien, berichtet Gemeindereferentin Monika Klöckener. „Durch den Perspektivwechsel, das Überlegen, wo setze ich mich denn jetzt hin, überlegten viele auch im übertragenen Sinn: Wo stehe ich in der Kirche, wo habe ich meinen Platz?“

Weitere Projekte geplant

Das Stühlerücken in St. Marien ist noch nicht zu Ende. „Wir probieren bestimmt noch was aus“, so die Gemeindereferentin. Bewährt habe sich inzwischen aber schon das einmal im Monat von den Caritasfrauen in der Kirche nach dem Gottesdienst angebotene Café.

Der Gottesdienst am Sonntag, haben sowohl Pfarrer Plümpe als auch Monika Klöckener beobachtet, sei seit einiger Zeit besser besucht. „Wir sehen Besucher, die wir lange nicht gesehen haben, aber auch Besucher aus anderen Gemeinden“, so Klöckener. Die Atmosphäre bei der Messe ist eine andere als früher – weniger Pflichtveranstaltung als eine besondere Familienfeier, auf die sich alle freuen. Das engagierte Liturgieteam hat daran einen nicht unerheblichen Anteil.

Allein das Auslagern der Kirchenbänke bringt natürlich die Menschen nicht wieder in die Kirche. Aber es sind dadurch Chancen entstanden für Angebote, die früher schon räumlich kaum möglich waren. Im Vorfeld von „Kirche neu“ haben Ehrenamtliche zu Themenbereichen wie „Musik und Kultur“ oder „Familie“ Veranstaltungsformate entwickelt. So finden zum Beispiel die monatlichen Konzerte („Freiklang“) gute Resonanz ebenso wie die Erzählkonzerte. Ausstellungen bekommen in der Kirche genauso ihren Platz wie Zentangle-Zeichnen, kreative Bibelarbeit, Vorträge zu verschiedenen Themen, das Tauferinnerungsfest oder die lange Tafel, an der der Caritasverband sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat.

Spiegelkrippe Teil von „Kirche neu“

Auch die Spiegelkrippe, die im vergangenen Jahr zu Weihnachten Anlass für viele Gespräche war, gehörte zum Projekt „Kirche neu“. Dass dies alles in St. Marien möglich ist, spricht sich langsam herum. „Es kommen inzwischen erste Anfragen zum Beispiel von Künstlern, aber auch von Mitgliedern verschiedener Einrichtungen, ob sie hier etwas machen können“, freut sich Pfarrer Plümpe. Wie sich „Kirche neu“ darstelle, hänge von den Menschen ab, die sich daran beteiligen. Er sei froh, dass das Projekt weitergehe, weil es eine gute Möglichkeit biete, Kirche und Glauben anders zu erleben und herauszufinden, wie sich jeder selbst einbringen kann. „Das Experimentieren geht weiter“, versprechen Ludger Plümpe und Monika Klöckener.

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