Politikum

Cranger Kirmes: Dudda stellt „Nazi-Zählweise“ zur Diskussion

Die Cranger Kirmes wurde 1935 von den Nazis instrumentalisiert.

Die Cranger Kirmes wurde 1935 von den Nazis instrumentalisiert.

Foto: Stadt Herne, Bildarchiv

herne.   Die Zählweise der Cranger Kirmes geht auf die Nazis zurück, hatte Horst Schröder kritisiert. Nun wird sich die Politik mit dem Thema befassen.

Frank Dudda schaltet sich in die Diskussion über die „Nazi-Zählweise“ der Cranger Kirmes ein: Der Oberbürgermeister wird das Thema aufgreifen und in der Politik zur Diskussion stellen.

Das berichtete Stadtsprecher Christoph Hüsken am Freitag. Vorausgegangen war die Anfrage der WAZ, wie die Stadt zu dem Vorstoß von Horst Schröder und der anschließenden Stellungnahme von Stadtmarketing Herne (SMH) stehe.

Diskussion im Aufsichtsrat und im Ältestenrat

„Der Oberbürgermeister hat die Diskussion und den verwaltungsinternen Austausch der vergangenen Tage und Wochen zu diesem Thema mit Interesse verfolgt und hat entschieden, diese Diskussion auf breiterer Ebene zu führen“, so Hüsken. Er werde daher eine Befassung mit dem Thema im Aufsichtsrat der Stadtmarketing-Gesellschaft, im Ältestenrat des Rates und in den Fraktionen im Rat herbeiführen.

Zur Erinnerung: Der Wanne-Eickeler Mondritter Schröder hatte darauf hingewiesen, dass die offizielle Zeitrechnung der Cranger Kirmes ausschließlich auf eine Propaganda-Aktion der Nationalsozialisten im Jahr 1935 - „500 Jahre Cranger Kirmes“ - zurückgehe. Ein willkürlich gewähltes Jubiläum, für das es keine historische Quelle gebe, sagt auch Stadthistoriker Ralf Piorr.

Schröder schlug vor, in Anknüpfung an die Weihe der Cranger Schlosskapelle 1449 im nächsten Jahr 570. Geburtstag zu feiern. Diese Kapelle hat laut der Quellenlage für die Entstehung und Entwicklung der Kirmes eine Rolle gespielt.

Kritik an Stadtmarketing aus CDU und SPD

Die für die Kirmes federführende Stadtmarketing-Gesellschaft wies dies zurück und bestritt, dass die heutige Zählweise auf die Nazis zurückgehe. Gleichzeitig warf die SMH Schröder vor, dass dieser sich mit seinem Vorstoß öffentlich profilieren wolle.

Das rief nicht nur Horst Schröder und die Mondritter auf den Plan, sondern inzwischen auch Vertreter aus der Politik. CDU-Chef Timon Radicke bezeichnete es auf Facebook als „in höchstem Maße absurd“, dass die Mondritter für ihren Hinweis angegriffen würden. Und SPD-Vize Hendrik Bollmann verwies auf die seit Jahren in Herne gepflegte vernünftige Kultur der Aufarbeitung der NS-Geschichte. „Gerade als zu 100 Prozent begeisterter Kirmesgänger bin ich für eine kurze und schmerzlose Diskussion dieses Themas, an deren Ende eine Zahl steht, die - wie genau sie auch immer ist - nichts mit dem Propaganda-Spektakel der Nazi-Zeit zu tun hat“, so der Sozialdemokrat ebenfalls auf Facebook.

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