Homeoffice-Blog

Coronavirus: Herner WAZ-Reporter berichten vom Homeoffice

Das Arbeiten im Homeoffice hat manche Hürden. Auch wir führen ein Homeoffice-Tagebuch.

Das Arbeiten im Homeoffice hat manche Hürden. Auch wir führen ein Homeoffice-Tagebuch.

Foto: Bolsmann

Herne.  Arbeiten zwischen Kindern und Knete ist für viele gerade Alltag. Wie das funktioniert - oder eben nicht, darüber berichten wir in diesem Blog.

Die Kitas und Schulen sind wegen des Coronavirus dicht, Deutschland fährt herunter. Auch die WAZ-Reporter sind nun im Homeoffice. In einem Tagebuch berichten die Redakteure über ihren Alltag.

Dienstag, 17. März

Homeoffice - das ist jetzt keine Premiere für mich. Aber es ist doch ein deutlicher Unterschied, ob nur eins von zwei Kindern zu Hause ist, krank im Bett liegt und die meiste Zeit schläft - oder beide quicklebendig durch die Bude hüpfen.

Aber mal abgesehen von den Kindern: Mir ist es wichtig, tägliche Routinen einzuhalten. Also klingelt der Wecker um 6.30 Uhr. Kaffeemaschine an, Zeitung holen, alles ganz normal. Und: Ich lungere nicht ‘rum wie Lumpi (ich habe weder Bademantel noch Jogginghose), sondern kleide mich komplett an. Eine Rasur spare ich mir, mutmaßlich sehe ich heute nur die Kollegen in unserer kleinen Skype-Konferenz. Auch das Laptop klappe ich früh auf und starte die diversen Systeme. Selbstverständlich im Arbeitszimmer. Manche können auf dem Sofa mit dem Laptop auf dem Schoß arbeiten - ich kann es nicht.

Den Kindern haben meine Frau und ich schon klar gemacht, dass sie jetzt keine Ferien haben. Ich drucke den Aufgabenplan für die Woche für den Sohn (7) aus, die Tochter (10) kann sich selbst organisieren. Offenbar haben sie es verstanden. Der Sohn macht sich eifrig an seine Arbeitsblätter, seine Schwester hilft ihm. Als ich eine Weile im Arbeitszimmer sitze, kommt er herein und fragt, wie man Barcelona schreibt - er hat heute sein Neymar-Trikot an...

Eigentlich ist es ja ein gutes Zeichen, dass beide relativ schnell mit ihren Aufgaben fertig sind, doch sie wollen beschäftigt werden. Ich sage ihnen, sie sollen für alle Buchstaben im Alphabet Länder suchen und stelle ihnen auch einen Globus dazu. Nach dem offiziellen Schulschluss um 11.30 Uhr dürfen sie andere Sachen machen, später serviere ich ihnen Mittagessen. Meine innere Anspannung weicht etwas. Als der Sohn sagt, er habe Nasenbluten, antworte ich ihm trocken, er solle sich ein Taschentuch holen. Es klappt. Gegen 14 Uhr kommt meine Frau nach Hause und übernimmt.

Der erste Tag war also ganz okay, aber das Ganze über mehrere Wochen? Puh… Tobias Bolsmann

Montag, 16. März

Den Dienstlaptop hatte ich vorige Woche vorsorglich mit nach Hause genommen. Mein „Büro“ habe ich mit einem Klapptisch im Schlafzimmer eingerichtet in der Hoffnung, dort zumindest hin und wieder etwas Ruhe zu haben. Als ich am Morgen mit Blick auf den Garten Platz nehme, fühlt es sich doch glatt ein bisschen wie Urlaub an. Doch der Eindruck verfliegt schnell.

Zunächst spielen die Jungs schön im Garten, der Wetter-Gott ist in dieser Woche ja zum Glück gnädig. Doch immer wieder muss ich die Arbeit für kleine „Handlanger-Arbeiten“ unterbrechen. Matschhosen-Ausziehen, Hörbücher anmachen, Knete raussuchen. Während halb Deutschland am Freitagnachmittag losgerannt ist, um Ravioli-Dosen zu kaufen, habe ich schnell Knete, Kleber und Knabbereien besorgt. Das bekomme ich nun zu spüren, als ich zwischen den Anrufen bei Schulen schnell das Mittagessen zubereiten muss. Jetzt weiß ich, warum die Konserven-Regale leer sind.

Der Tag schreitet voran und immer häufiger steht einer der Jungs neben mir. Eigentlich sind sie echt lieb und beschäftigen sich toll. Aber so ein Arbeitstag ist lang. Und mit jeder Minute wächst das Chaos aus Knetresten, herumfliegenden Büchern und Legosteinen. Was am Ende des ersten Homeoffice-Tages bleibt, ist Müdigkeit, etwas Frust und die Erkenntnis, dass es irgendwie geht. Es muss. Kathrin Meinke

Wegen des Corona-Virus müssen zig Tausende Deutsche ihr Büro nach Hause verlegen. Auch die Reporter der WAZ sind seit Dienstag, 17. April, im Homeoffice. In einem Tagebuch berichten wir über den ganz normalen Arbeitswahnsinn.

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