Gründerin

Christine Neumann kennt keine Angst vor Visionen

„VisionSession“ heißt der Ein-Frau-Betrieb, den Christine Neumann im April gegründet hat.

„VisionSession“ heißt der Ein-Frau-Betrieb, den Christine Neumann im April gegründet hat.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Im April hat sich Christine Neumann mit „VisionSession“ selbstständig gemacht. Die 36-Jährige coacht Teams und Führungskräfte.

Wenn aus zwei Teams oder Kollegien eins gemacht wird, wenn Aufgaben anders zu verteilen oder ganz neue zu übernehmen sind, wenn sich interne Strukturen und Prozesse ändern, neue Chefs das Ruder übernehmen – das macht oft Angst. Und verläuft häufig nicht problemlos, nicht nur mit Auswirkungen auf einzelne oder einige der Mitwirkenden, sondern, wenn es arg kommt, auf die ganze Abteilung, das Unternehmen.

Projekte mit Herner Schulen

Spätestens, wenn das passiert, möglichst aber schon deutlich im Vorfeld, ist Christine Neumann die richtige Ansprechpartnerin. Die 36-Jährige ist Supervisorin und Coachin; im April hat sie „VisionSession“ gegründet. Und ist sehr zufrieden, nicht nur mit der Nachfrage nach ihrer Unterstützung („der Bedarf ist riesig“), sondern auch mit ihrer Entscheidung, sich als Ein-Frau-Betrieb selbstständig gemacht zu haben.

Zuvor hat die Diplom-Pädagogin einige Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Essen im Bereich Bildungsforschung und Schulentwicklungsforschung gearbeitet und „nebenbei schon gecoacht.“ Das habe sich gut verknüpfen lassen. Entwicklungsprojekte hat sie unter anderem für Schulen in Herne gestaltet, zum Beispiel, wenn Schulen zusammengelegt wurden. Gibt es nicht Widerstände und Vorbehalte, wenn da plötzlich ein Außenstehender in die Strukturen sieht? „Im Gegenteil, viele sind froh, wenn jemand da ist, der nicht aus dem Bereich selbst kommt“, beschreibt die junge Frau ihre Erfahrungen, die sie nicht nur an Schulen gemacht hat.

Es geht ihr um eine Idee vom großen Ganzen

Sie moderiert und begleitet nicht nur Gruppen, sondern coacht auch Führungskräfte, ist häufig in großen Unternehmen unterwegs. Ihren Kunden sei es oft lieber, wenn sie zu ihnen komme, und auch für sie sei das von Vorteil: Sie könne sich ein besseres Bild machen, bekomme Stimmungen und Strömungen mit, die sie dann auch berücksichtige.

Im Gegensatz zum verstorbenen Bundeskanzler Helmut Schmidt („Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“) sieht Christine Neumann Visionen nicht als Krankheit an – im Gegenteil. Sie stellt sie in den Mittelpunkt, hat die Vision zum Teil ihres Firmennamens gemacht. „Es geht nicht nur um Ziele“, sagt sie. „Es geht um eine Vision, um eine Vorstellung vom großen Ganzen, darum, welche Werte ein Unternehmen vertreten möchte“ – und wie sich das in der Unternehmenskultur nach innen und außen widerspiegeln sollte. In der heutigen, schnelllebigen Zeit könnten Werte schnell verloren gehen, so Christine Neumann. „Wir verlieren den Fokus auf uns selbst.“ Inne zu halten, zu reflektieren, wo man selbst oder das Team stehe, das komme oft zu kurz – und meistens räche sich das.

Das eigene Potenzial heben

Obwohl sie inzwischen gut zu tun hat, plant sie nicht, ihr Ein-Frau-Unternehmen zu vergrößern. Sie genieße es, nun allein und frei arbeiten zu können. Irgendwann, als es immer schwieriger wurde, ihre Universitätsarbeit und parallel das Coaching unter einen Hut zu bekommen, habe sie vor der Frage gestanden, im Angestelltenverhältnis zu bleiben oder frei zu arbeiten „und mein eigenes Potenzial zu heben“, erzählt sie.

Beratung durch die WfG

Ein Jahr lang habe sie überlegt, ob sie in den Sprung in die Selbstständigkeit wagen sollte, informierte sich intensiv und nahm Kontakt zur Herner Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG) auf: „Ich habe dort eine sehr gute Beratung und Begleitung bekommen; das hat mir sehr geholfen.“

Und was macht eine Coachin und Supervisorin, wenn sie selbst einmal Rat und Austausch braucht? „Ich wende mich an Kollegen“, schmunzelt sie, „das ist auch richtig und wichtig. Unsere Community ist untereinander gut vernetzt.“

>> VIEREINHALBJÄHRIGE ZUSATZAUSBILDUNG

Christine Neumann stammt aus Holsterhausen und hat die Erich-Fried-Gesamtschule besucht.

Anschließend studierte sie an der TU Dortmund.

Über die Deutsche Gesellschaft für systemische Pädagogik (DGsP) machte sie eine viereinhalbjährige Zusatzausbildung und ist zertifiziert als systemische Supervisorin und Coachin.

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