Integration

Buchautor diskutiert mit Mulvany-Schüler über Integration

Omid Pouryousefi motiviert die Schüler am Mulvany-Berufskolleg zum Mitreden und Mitdiskutieren.

Omid Pouryousefi motiviert die Schüler am Mulvany-Berufskolleg zum Mitreden und Mitdiskutieren.

Foto: Jürgen Theobald (theo)

Herne.   Buchautor Omid Pouryousefi macht Schülern am Berufskolleg deutlich, wie wichtig Integration ist und dass sie ihre Zukunft selbst gestalten.

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Seine Botschaft ist eindeutig: „Es geht um Euch. Ihr habt eure Zukunft in der Hand.“ Buchautor Omid Pouryousefi besucht im Zuge seiner Lesetour „Hoffnung gewinnt“ das Kultur-Café des Mulvany Berufskolleg und schafft es schnell, die Schüler zu faszinieren. Der gebürtige Iraner ist mit 13 Jahren mit seinen Brüdern nach Deutschland geflüchtet – weiß also aus eigener Erfahrung, wie es ist, vor dem Krieg zu flüchten und wie schwierig die erste Zeit in einem fremden Land ist.

Er liest den Schülern aus dem ersten Kapitel seines Buches vor; Eine Szene, die für den jungen Omid Pouryousefi traumatisch war. „Unsere Freunde haben uns morgens geweckt, mit den Rädern fuhren wir ihnen hinterher“, beschreibt er diesen kalten Morgen, an dem sich vieles änderte. Nach einer Weile gelangten sein jüngerer Bruder und er an eine Stelle, wo zwei Figuren in der Luft hingen. „Als wir näher kamen, sahen wir, dass es Menschen waren, die dort tot in der Luft hingen. Daneben ein Plakat: ,Wer gegen die islamische Republik ist, stirbt.“ Nach diesem Ereignis griff in seiner Heimatstadt die Angst um sich. „Das sind genau dieselben Methoden, die der IS heute verwendet.“

Omid Pouryousefi kommt in den eineinhalb Stunden immer wieder auf das Thema Terror, Krieg und Gewalt zurück – unaufgeregt und sachlich. Er bezieht die Schüler ein, fragt, woher sie kommen, ob Flüchtlinge unter ihnen sind und gewinnt schnell ihr Vertrauen. Schon zu Beginn bricht er das Eis: „Viele denken vielleicht, was ist das für ein Trottel, der vorliest – aber ihr werdet sehen, ich bin ein cooler Trottel.“

Der Autor beschreibt, wie er nach Deutschland kam, welche Schwierigkeiten er zunächst hatte und wie schnell es zu Missverständnissen zwischen den Kulturen kommen kann. Dazu liest er eine kurze Szene vor, die sich an Karneval ereignete. „Die Tradition Schnürsenkel abzuschneiden, kannten wir nicht und fühlten uns bedroht.“ Solcherlei Missverständnisse gebe es tagtäglich. „Deshalb müssen wir offen reden und wenn wir uns integrieren wollen, als erstes die Sprache lernen.“

Omid Pouryousefi plädiert dafür, offen zu sein und jeden Glauben zu akzeptieren, das sei Privatsache. „Ich sage nicht gern Flüchtlinge, sondern bevorzuge Ankommende.“ Er fragt die Schüler, ob sie welche kennen. Einige sagen, dass sie versuchen, ihnen zu helfen. Nebenbei erzählt der Autor, wie er von der Haupt-, auf die Realschule und schließlich zum Gymnasium kam. „Ich bin nie gerne zur Schule gegangen, aber ich hatte meine Ziele, deshalb hab ich gepaukt.“ Omid Pouryousefi ist nicht nur Buchautor sondern auch Musikproduzent. Für die Schüler rappt er auf persisch und spielt ein Liebeslied am Klavier. „Das ist im Iran übrigens verboten.“

Als er nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder seine Heimat besuchte, hinterfragte er sein bisheriges Leben: „Mir wurde klar, dass ich etwas Sinnvolles machen möchte.“ Seither fördert er Kinder und Jugendliche, gibt ihnen Musikunterricht und hält Vorträge und Lesungen zum Thema Integration.

>> EIGENE ERFAHRUNG ALS HOFFNUNG WEITERGEBEN

Omid Pouryousefi leitet das soziale Jugendprojekt „X-Vision Ruhr Music Academy“ in Bochum. (www.xvisionruhr.de)

In seinem Buch „Hoffnung gewinnt“ verarbeitet er seine Flucht aus dem Iran und seine Integration.

Für seine Songs über Freiheit und Demokratie wurde er im Iran zum Staatsfeind erklärt.

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