Klimastreik

Brief an Merkel: „Klimakrise ist keine jugendliche Hysterie“

Britta Paulusch aus Herne hat einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben. Am Freitag spricht sie auf einer Fridays-for-Future-Demo in Bochum.

Britta Paulusch aus Herne hat einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben. Am Freitag spricht sie auf einer Fridays-for-Future-Demo in Bochum.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  In einem Brief appelliert eine Hernerin an die Bundeskanzlerin, endlich etwas gegen den Klimawandel zu machen: „Wir kennen jetzt die Fakten“.

„Es ist noch sehr früh am Sonntagmorgen - und es ist nicht die erste Nacht, aus der ich zu früh erwache und nicht wieder einschlafen kann, weil mich umtreibt, was momentan in rasanter Geschwindigkeit mit dem Klima um uns herum passiert. Auch dieser Sommer hat es uns alle wieder spüren lassen!“ Mit diesen Worten beginnt Britta Paulusch aus Röhlinghausen ihren Brief an die Bundeskanzlerin.

Seit einigen Jahren beschäftige sie sich bereits mit den Auswirkungen des Klimawandels, erzählt sie im Gespräch mit der WAZ. Seit Anfang des Jahres engagiere sie sich bei Extinction Rebellion – eine internationale gesellschaftspolitische Bewegung, deren Ziel es nach eigener Beschreibung sei, den für das Klima nötigen umfassenden und tiefgreifenden Wandel herbeizuführen.

Irgendwann habe sie gemerkt, dass es nicht ausreiche, privat zu versuchen, das Klima zu schützen – sie beispielsweise sei Veganerin, achte auf Mülltrennung und fahre viel mit dem Fahrrad. Nun jedoch müsse Druck auf die Politik ausgeübt werden, betont Paulusch. „Alleine werde ich das Klima nicht retten“, sagt sie.

Klimakrise werde Kinder und Enkel mit voller Härte treffen

„Mit meinem Brief möchte ich deutlich machen, dass dieses Thema und die schlimmen Sorgen und Ängste, die es auslöst, eben nicht die junge Generation alleine betreffen. Es ist keine pubertäre Übertreibung und keine jugendliche Hysterie“, schreibt die 52-Jährige. Ihr Anliegen sei es, auch andere Menschen ihrer Generation zu erreichen, schließlich stehe diese Generation in der Pflicht, ihren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Denn: „Die wird die Klimakrise mit voller Härte treffen.“

„Ja, wir hätten schon früher wissen können, wie und wodurch sich das Klima verändert“, schreibt sie weiter. Mit „unendlichem Bedauern“ müsse sie zugeben, dass sie zu sehr mit der Ausbildung, mit dem sich Zurechtfinden in der Welt, mit dem Großziehen der Kinder, mit der Arbeit und den alltäglichen Herausforderungen beschäftigt gewesen sei.

„Wir hätten es früher wissen können“

Paulusch’ Generation sei in einer ganz besonderen Verantwortung: „Wir kennen jetzt die Fakten. Und wir sind die, die als Wähler für die Politiker und als Konsumenten für die Wirtschaft relevant sind; die ernster genommen werden, als die jungen Menschen“, schreibt sie an Angela Merkel. Deswegen müsse diese Generation umso deutlicher machen, dass sie die folgenden Generationen der Kinder und Enkel in ihren völlig berechtigten Forderungen unterstützte.

Auch sie habe drei Kinder und seit kurzer Zeit auch ein Enkelkind. „Und ich bin sicher, dass Sie, Frau Merkel, sich auch ohne Kinder hineinfühlen können in junge und jüngste Menschen, die Schutz, Hoffnung und Perspektive brauchen“, schreibt Paulusch.

Viele verdrängten die aktuelle Situation

In ihrem Brief habe sie absichtlich mehr auf Gefühle gesetzt als auf Fakten, „das können andere besser als ich“, sagt sie. Aber erst, wenn die Leute fühlten, was sie bedrohe, würden sie anfangen zu handeln, betont die Psychotherapeutin. Bisher verdrängten viele die aktuelle Situation.

Ihre Gefühle sichtbar machen will Paulusch am Freitag, 25. September, beim Klimastreik in Bochum. Dort wird sie gemeinsam mit anderen Mitgliedern von Extinction Rebellion für den Klimaschutz demonstrieren. „Es ist gut, dass es nun wieder möglich ist, auf die Straße zu gehen.“

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