Kultur

Bluthochzeit bei Flottmann

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Herne.  Spanien, Anfang des 20. Jahrhunderts: Ein Mann eröffnet seiner Mutter die Liebe zu einer jungen Frau – und den Wunsch nach baldiger Heirat.

Die Mutter lässt ihren Sohn nur schweren Herzens ziehen, hat sie doch schon ihren Mann und ein weiteres Kind verloren, auch die Braut passt ihr nicht.

Einige Häuser weiter wundert sich eine Frau über die späte Heimkehr ihres Ehemanns, Leonardo, und über den bemitleidenswerten Zustand seines Pferdes. Eine schlüssige Erklärung hat er nicht. Verbirgt er etwas?

So beginnt „Bluthochzeit“ von Federico García Lorca, mit dessen lyrischer Tragödie die Flottmannhallen am Donnerstag gleich drei Premieren beherbergten: die Premiere des neu formierten Freien Ensembles des Theater Kohlenpott, die Regie-Premiere der Krefelderin Annika Förster, sowie die ihrer Inszenierung des fast 80 Jahre alten Stoffs. Doch trotz aller Neuheiten, Anfängerfehler suchten die Zuschauer vergeblich.

Denn statt zu experimentieren, konzentrierte sich Förster auf das Wesentliche. Drei, wie kleine Inseln arrangierte Podeste, dazu sieben weiße Stühle, live gespielter Flamenco von Gitarrist David Alcántara, mehr brauchte die Jung-Regisseurin nicht, um im gut gefüllten Theater zu begeistern. Und auch das Schauspieler-Ensemble, widmete es sich als Teil des Jungen Ensembles in der Vergangenheit eher humorvollen Stücken, wusste mit dem Werk Lorcas umzugehen.

Denn „Bluthochzeit“ ist nicht ohne: Lorca thematisiert in seiner Tragödie die Verheiratung einer jungen Frau, ihre inneren Zweifel zwischen Tradition und Selbstbestimmung und die (späte) Flucht von der eigenen Hochzeit; mit ihrem Geliebten, Leonardo. „Was interessieren mich die Menschen? Was interessiert mich ihr Geschwätz? Was interessieren mich ihre Traditionen?“, hinterfragt Leonardo, gespielt vom herausragenden Christian Freund, dann auch treffend den Kern des Konflikts – und zahlt am Ende einen hohen Preis für seinen Freiheitsdrang.

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