Geburtstag

Beratungsstelle für Gewaltopfer in Herne wird 30 Jahre alt

Sie diskutierten: Renate Hildburg von der Beratungsstelle, Polizeihauptkommissar Frank Plewka, Regine Reinalda von der Dortmunder Mitternachtsmission, Rechtsanwältin Gudrun Galster und Gynäkologin Astrid Platzmann (v.li.)

Foto: Klaus Pollkläsener

Sie diskutierten: Renate Hildburg von der Beratungsstelle, Polizeihauptkommissar Frank Plewka, Regine Reinalda von der Dortmunder Mitternachtsmission, Rechtsanwältin Gudrun Galster und Gynäkologin Astrid Platzmann (v.li.) Foto: Klaus Pollkläsener

Herne.   Die Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel, Zwangsheirat und häuslicher Gewalt wird 30 Jahre alt. Betroffen sind häufig Afrikanerinnen.

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Die Nigerianerin wollte der Polizei ja eigentlich von ihrem Unglück erzählen. Doch ein afrikanischer Voodoo-Zauber hielt sie davon ab, hatte sie in ihrer Heimat doch einen Eid geschworen. Mit einer ungewöhnlichen Methode schaffte es die Polizei, der Frau zu helfen.

Zusammen mit der Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel, Zwangsheirat und häuslicher Gewalt besorgten sie ein echtes Voodoo-Amulett, das die Frau – eingesprüht mit dem eigenen Parfüm – nach ihrem Glauben vor dem bösen Zauber schützen soll. Nur ein Fall von vielen.

Menschenhandel ist Thema

Vor 30 Jahren hat die Fachberatungsstelle im Eine-Welt-Zentrum in Herne ihre Arbeit aufgenommen. Mit einer Diskussionsrunde im Pluto, moderiert von WAZ-Redakteurin Ute Eickenbusch, feierten die Mitarbeiter diesen Geburtstag am Freitag.

In den vergangenen Jahren habe sich viel geändert. Früher sei der Kampf gegen Heiratshandel und Sextourismus bestimmend gewesen, heute gehe es häufiger um Menschenhandel, erzählt Mitarbeiterin Renate Hildburg. „Wir haben viele Frauen aus Afrika, die Opfer wurden. Dafür sind im Gegensatz zu früher weniger Osteuropäer betroffen.“

Dass sich die Hilfesuchenden verändert haben, nimmt auch Regine Reinalda von der Dortmunder Mitternachtsmission wahr. „Fast 80 Prozent der Frauen, die zu uns kommen, sind aus afrikanischen Ländern; die meisten aus Nigeria.“

Nach Flucht in die Prostitution

Diese Frauen stünden zudem häufig unter dem Einfluss eines Voodoo-Zaubers. „Oft sind sogar die Familien mit einbezogen. Das ist ein ganz massiver Druck“, sagt Rechtsanwältin Gudrun Galster.

Nach einer langen Flucht durch Afrika landeten viele Frauen in der Prostitution. Die finde häufig im Hinterzimmer statt, sagt Polizeihauptkommissar Frank Plewka. „Die Frauen werden schon in ihren Heimatländern ganz gezielt von so genannten Madames angeworben.“ Die Hilfsmöglichkeiten der Polizei seien begrenzt. „Wenn uns jemand sagt, dass er sich freiwillig prostituiert, dann haben wir keine Handhabe.“

Zusammenarbeit sei wichtig

Im Eine-Welt-Zentrum beraten zurzeit zwei hauptamtliche Mitarbeiter Frauen in solchen Situationen. Sie vermitteln weitere Hilfsangebote, organisieren Dolmetscher. „Das Ehrenamt ist dabei eine große Stütze, aber ohne Hauptamtliche geht es nicht“, sagt Martin Domke, der Leiter des Eine-Welt-Zentrums.

Das dürfe nicht infrage gestellt werden. Mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Polizei und Gesundheitsamt stellt er fest: „Wenn wir den Frauen helfen wollen, ist eines ganz besonders wichtig: Die Kooperation der verschiedenen Stellen.“

Eine Religion mit 60 Millionen Anhängern

> Voodoo hat Elemente aus afrikanischen, islamischen, katholischen und auch indianischen Elementen hat. In Nigeria heißt sie auch Juju.

> Bilder katholischer Heiliger stehen im Voodoo oftmals als Stellvertreter für afrikanische Geistwesen mit ähnlichen Eigenschaften oder ähnlichem Symbolgehalt.

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