Anwohner sauer

Bauarbeiten sorgen für Blechlawinen in Herner Gartenstadt

Sie klagen über Autofahrer, die Schleichwege durch die Gartenstadt nutzen. Ihre Forderung: eine Anwohnerregelung.

Sie klagen über Autofahrer, die Schleichwege durch die Gartenstadt nutzen. Ihre Forderung: eine Anwohnerregelung.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Herne.  Anwohner der Gartenstadt gehen auf die Barrikaden: Wegen des Baus eines Kreisverkehrs in Wanne quälen sich Blechlawinen durch ihre Straßen.

Die sonst beschauliche Gartenstadt wird seit dem Bau des Kreisverkehrs in Wanne-Eickel von vielen Autofahrern als Schleichweg genutzt. Anwohner gehen auf die Barrikaden: Sie machen nun ihrem Ärger Luft – und sehen die Blechlawine inzwischen auch als echte Gefahr.

Anwohnerin Anne Hübner berichtet, es habe nicht viel gefehlt, und ihr siebenjähriger Sohn wäre von einem Auto erfasst worden. Kirsten Puck schildert Situationen, in denen Fußgänger es in letzter Sekunde gelungen sei, einem Auto auszuweichen. Der Fahrer habe den Bürgersteig kurzerhand zur Fahrbahn erklärt.

Durchgangsverkehr von früh am Morgen bis spät in den Abend

Die beiden Frauen gehören zu einer Gruppe von über 20 Bürgern, die sich an diesem Tag im Tulpenweg versammelt haben. Einig sind sich alle darin, „dass hier endlich was passieren muss“. Dass von morgens in aller Frühe bis spät in die Nacht „Autos durch die kleinen Straßen brettern, hat mit dem Umbau des Knotenpunktes Dorneburger Straße begonnen“, erklärt Benjamin Weyers (36). Auch, wenn vorher schon mal der Durchgangsverkehr Belastungen mit sich brachte, „haben wir inzwischen unhaltbare Zustände“.

„An Tempo 30 hält sich doch keiner“, sagt Volker Karau (60). Auch 50 Stundenkilometer würden schnell überschritten, erklären die Anwohner. Nicht nur die hohen Geschwindigkeiten im Wohnviertel halten die Anwohner für unerträglich, sondern auch das Verhalten vieler Autofahrer.

Bei Gegenverkehr auf dem ohnehin engen Tulpenweg kämen die beiden Autos nicht aneinander vorbei, erläutert Wolfgang Berkel (61). In solchen Situationen, die sich ständig wiederholten, „weichen die Autofahrer dann auf die Bürgersteige aus“. Es sei schon soweit gekommen, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr allein auf die Straße ließen, heißt es in der Runde.

Hupkonzerte und Beschimpfungen

Auch manche Transporter und Lkw heizten dort durch. Beim Ordnungsamt habe man schon angerufen, berichten mehrere Anlieger. Da sei aber nur der Anrufbeantworter angesprungen und auf einen Rückruf warte man immer noch. Briefe an den Oberbürgermeister und den Polizeipräsidenten hätten sie geschrieben. „Immerhin habe ich dann per Mail eine Eingangsbestätigung erhalten“, sagt einer der Bürger mit gewisser Ironie.

In ihrem Schreiben geht Familie Puck darauf ein, dass „durch das Chaos bereits Pkw beschädigt“ worden seien, parkende Fahrzeuge seien touchiert worden. Sorge bereite auch der Umstand, dass im Fall der Fälle überhaupt kein Platz mehr für Rettungsfahrzeuge bleibe. Anne Hübner berichtet in ihrem Brief von „fortwährenden Hupkonzerten und sich gegenseitig beschimpfenden Verkehrsteilnehmern“. Besonders dramatisch sei die Lage zwischen 7 und 9 Uhr morgens und von 15.30 Uhr bis 18 Uhr.

Forderung: Durchfahrt nur für Anlieger und Parkverbote

Wie sich die Lage wieder entspannen lässt, dazu haben die Anwohner klare Vorstellungen. Der Autoverkehr dürfe nur noch für Anlieger zugelassen werden. Parkverbote solle die Stadt verhängen. Im Bereich Ecke Fliederweg/Holsterhauser Straße sei das zwar geschehen, aber erst vor wenigen Tagen. Und es dürfe nicht bei einer solchen Einzelregelung bleiben. Darüber hinaus brauche man viel mehr Geschwindigkeitskontrollen, betont Peter Böttcher.

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