Kreuzkirche

Ausstellung in Herne zeigt Fotos aus dem Revier und Syrien

Projektinitiatorin Anna-Eva Nebowsky, Teilnehmer George Halabi und Fotojournalist Lutz Jäkel (v.l.) bei der Ausstellungseröffnung in der Kreuzkirche.

Projektinitiatorin Anna-Eva Nebowsky, Teilnehmer George Halabi und Fotojournalist Lutz Jäkel (v.l.) bei der Ausstellungseröffnung in der Kreuzkirche.

Foto: Dietmar Wäsche

herne.   Die Ausstellung „Durcheinander“ in Herne zeigt Ruhrgebiets-Fotos, aufgenommen von Flüchtlingen, sowie Bilder von Syrien vor dem Krieg.

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Die Bilderausstellung „Durcheinander“ in der Kreuzkirche bringt zwei Lebenswelten zusammen: Syrien vor dem Bürgerkrieg und das Ruhrgebiet heutzutage. Die Sammlung aus 25 Fotos soll das innere Durcheinander der Herner Geflüchteten veranschaulichen, die mit Erinnerungen aus der Heimat ihr Leben neu in einer ausländischen Stadt zu beginnen versuchen. In Herne und Bochum fotografieren die Geflüchtete ihre Alltags- und Lieblingsorte. Die restlichen Aufnahmen machte der Fotojournalist Lutz Jäkel während seiner Aufenhalte in Syrien vor 2011.

„Mein Wunsch war es, eine bildliche Vorstellung zu schaffen, an welchen Orten Geflüchtete sich am meisten aufhalten“, erzählt Projektinitiatorin und RUB-Studentin Anna-Eva Nobowsky. „Anhand der Orte wollte ich zeigen, dass Einheimische und Geflüchtete einiges gemeinsam haben“, ergänzt sie. Während des sechsmonatigen Projekts „Pottperspektive“ machte die Truppe insgesamt 10 000 Fotos, unter anderem in der Herner Innenstadt, im Gysenberg-Park, vor der Europaschule und dem Cranger Kirmes.

Er wollte mehr Kontakt zu Deutschen

Unter den 20 Geflüchteten aus Syrien ist auch George Halabi, der August 2015 nach Deutschland kommt. „Ich wollte mehr Kontakt mit Deutschen haben und meine Sprachkenntnisse verbessern“, erzählt der 24-Jährige. Zu seiner Motivation gehört auch der Wunsch, die deutsche Kultur besser kennenzulernen. Am meisten gefalle ihm das Deutsche Bergbaum-Museum und die Zeit auf dem Kirmes. „Schade, dass das Fest nur zehn Tage im Jahr dauert“, lächelt Halabi.

Während des Projekts steht er nicht nur hinter der Kamera. Oft fotografieren sich die Geflüchteten gegenseitig. Unter ihre Bilder schreiben sie kurze Texte, um die Foto-Eindrücke zu ergänzen oder was über sich zu erzählen. Unter einem Bild mit zwei Flüchtlingen steht zum Beispiel: „Trotz der Trauer und des Schmerzes halten sie die Hoffnung in uns wach.“

Glückliche Menschen in Alltagssituationen

Vor dem ganzen Schmerz, den der Krieg verursacht, sieht Syrien in den Augen des Fotojournalisten Lutz Jäkel anders aus. „Trotz der Diktatur hat sich damals was getan. Die jungen Menschen hatten große Hoffnungen und waren gespannt auf die Zukunft“, erinnert sich der 48-Jährige. Das ist auch auf seinen 13 Ausstellungsfotos sichtbar, die glückliche und entspannte Menschen in Alltagssituationen zeigen.

Dem Deutschen, der mehrmals nach Syrien gereist ist und sogar ein Jahr da lebte, fallen kaum Gemeinsamkeiten zwischen den Deutschen und Syrern ein. Bei den Unterschieden fasziniert ihn die „selbstlose Offenheit“ der Syrer. „Es ist selbstverständlich für die syrische Kultur, auf einen Fremden zuzugehen. Da habe ich die reinsten menschlichen Begegnungen erlebt“, erinnert er sich.

Aus reinem Zufall sei er gerade einen Tag vor den Unruhen 2011 nach Deutschland zurückgeflogen. Seitdem sei es ihm zu gefährlich, Syrien zu besuchen, obwohl er sich das mehrmals überlegt habe. Oktober 2017 erscheint das Buch „Syrien. Ein Land ohne Krieg“, das er mit Lamya Kaddor erstellt. Aus der Reisebildband stammen auch seine Fotos für die Ausstellung in Herne.

>> WEITERE INFORMATIONEN: Öffungszeiten

„Durcheinander“ ist bis Freitag, 23. März, in der Kreuzkirche, Bahnhofstraße 8, zu sehen.

Die Öffnungszeiten der Fotoausstellung sind dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr sowie mittwochs und freitags von 10.30 bis 12.30 Uhr. Die Seitentür der Kirche ist zu diesen Zeiten immer offen.

Alle Interessierten sind willkommen. Eintritt kostenlos.

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