STADTGESCHICHTE

Auf den geschichtlichen Spuren durch das Quartier Altenhöfen

Auch an der Ecke Hölkeskampring/Altenhöfener Straße ist Stadtteilgeschichte geschrieben worden. Andreas Janik (l.) hält ein historisches Bild vom Anfang des Jahrhunderts in die Höhe.

Foto: Ralph Bodemer

Auch an der Ecke Hölkeskampring/Altenhöfener Straße ist Stadtteilgeschichte geschrieben worden. Andreas Janik (l.) hält ein historisches Bild vom Anfang des Jahrhunderts in die Höhe. Foto: Ralph Bodemer

Andreas Janik nimmt Interessierte auf eine historische Reise durch sein Quartier mit. Das Motto: Bauern, Bürger und Gotteslob im Herner Süden.

Pünktlich auf den Glockenschlag geht es los auf dem Vorplatz der Herz-Jesu-Gemeinde. Andreas Janik, selbsterklärter „Altenhöfener Junge“, führt eine mehr als 30 Personen starke Gruppe durch den Stadtteil, in dem er aufwuchs und auch lebt. Eingeladen zu dem Rundgang hatten die VHS und der Verein „Hün un Perdün“.

„Wir sind hier noch nicht in Altenhöfen, sondern Herne-Süd“, erläutert Andreas Janik. In den Händen hat er historische Fotos und Architektur-Skizzen von Gebäuden in Altenhöfen. Seit Jahren sammelt der Friseurmeister mit eigenem Geschäft an der Altenhöfener Straße Dokumente der Zeitgeschichte zu seinem Stadtteil. Zunächst lässt der Hobby-Historiker Linda Menniger, Theologin und Gemeindemitglied der Herz-Jesu-Gemeinde, zu Wort kommen. Sie erläutert die Entstehung und Architektur des zwischen 1904 und 1910 entstandenen Kirchbaus, der zweiten im 20. Jahrhundert erbauten katholischen Kirche Hernes. Die Teilnehmer sind aufmerksam, stellen Fragen, erinnern sich an Kirchbesuche, Meßdienerschaft.

An der Kirche hätten sich Geschäfte angesiedelt, sagt Andreas Janik. Er streut Anekdoten ein: dass Gemüsehändler Emil Linnek „Gurken-Emil“ hieß, dass der Inhaber des Krämer-Ladens Wiemer als Klamotten-Louis bekannt gewesen sei. Einige Teilnehmer lachen: „Ich bin im Stadtteil aufgewachsen und erinnere mich, wie der Bauer Vogel mit einem kleinen Transporter durch die Straßen fuhr“, erzählt der 44-jährige Christian Peters. Mit Fakten zieht Andreas Janik seine Gruppe in den Bann: „Herne-Süd und auch Altenhöfen waren der wilde Westen. Bis 1900 standen drei Häuser nebeneinander. Im Zuge des Baus der Kirche zogen auch immer mehr vermögende Bürger hierhin.“ Gleichzeitig lässt er historische Fotos vom Anfang des 19. Jahrhunderts herumreichen. Eine Kneipe, früher „Zur Glocke“ genannt, siedelte sich demnach an der Kirche an. Architekt von Schänke und Gotteshaus war derselbe: Johannes Franziskus Klomp.

Dorfmitte ist an der Litfaßsäule

Weiter geht’s auf der Altenhöfener Straße über die Kreuzung Hölkeskampring, also ins „wahre“ Altenhöfen. Das grüne Haus mit kleiner Fassade an der Altenhöfener Straße sei ein typisches „Herner Haus“: „Eingang in der Mitte, eingeschossig. Früher lebten hier acht Familien.“ Als die Gruppe vor dem Schiefer-bedeckten Hochhaus steht, sagt Janik: „Die Dorfmitte ist da, wo die Litfaßsäule steht.“

Die Landschaft in Altenhöfen sei bis Anfang des 20. Jahrhunderts sehr ländlich geprägt gewesen. „Es gab hier drei große Bauernhöfe: Heße, später als Vogel bekannt, Althoff und Masthof-Klüsener. Und dann gab es Kötter, Kleinbauern. Die arbeiteten für die reichen Bauern.“ Auf dem Fußballplatz an der Straße, die dem Stadtteil ihren Namen gab, erläutert der Stadtteilführer, wie Bauer Woisthoff die Gründung eines Turnclubs anregte. Ingeburg Schnitzer nickt. Sie sei schon immer zu den Vorträgen von Janik gegangen. „Der macht das richtig gut“, lobt sie. Sie meldete gleich ihre Freunde aus Beckum für die Führung an.

Bergstraße, Südpool, Lutherhaus

Auf einem unbefestigten Weg – „der wahren Bergstraße“ – führt Janik seine Gruppe zur Grundschule an der Bergstraße, ehemals evangelische Volksschule. Bei der Eröffnung im Jahr 1886 habe die Schule 143 Schüler gehabt, 1908 bereits 535. „Da waren anfangs 143 Kinder in zwei Klassen“, sagt Janik.

So wie der Rundgang begonnen hatte, so endet er auch: an einem kirchlichen Bau. Am Lutherhaus der Petrus-Kirchengemeinde – dem höchsten Punkt Altenhöfens – erfahren die Teilnehmer von Presbyterin Claudia Steinhardt, dass 1930 die für den Bau veranschlagten Geldmittel zum Bau einer Kirche letztlich nicht reichten, nur zum Bau eines Gemeindehauses. Erst seit 1955 sei das Lutherhaus eine Kirche.

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