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Auch Herner Fußballer diskutieren die Regel-Vorschläge

Liebt den Fußball so, wie er ist: Holger Flossbach, Trainer des DSC Wanne-Eickel.

Foto: Fischer

Liebt den Fußball so, wie er ist: Holger Flossbach, Trainer des DSC Wanne-Eickel. Foto: Fischer

herne.   Der Fußballweltverband Fifa hat Vorschläge für Regeländerungen ausarbeiten lassen. Wir haben einen Spieler und zwei Trainer befragt.

Der Fußballweltverband Fifa hat Vorschläge für Regeländerungen ausarbeiten lassen – angefangen bei einer möglichen Spielzeit von 60 Minuten. Neun Vorschläge, drei Stimmen: Wir haben einen Spieler und zwei Trainer befragt.

Fatlum Zaskoku (SC Westfalia Herne)

Ein Spiel dauert 60 Minuten, und die Uhr wird bei jeder Unterbrechung angehalten? „Totaler Quatsch“, sagt Fatlum Zaskoku.

Der Kapitän und Co-Trainer des Aufsteigers zur Oberliga Westfalen, SC Westfalia Herne, fürchtet, das Spiel werde durch noch mehr Unterbrechungen zu chaotisch. Und: „Bei sechzig Minuten Spielzeit kommt man sich doch vor wie beim Handball.“

Sich den Ball selbst vorlegen und dass er bei Standardsituationen nicht ruhen muss, fände Zaskoku ebenfalls nicht in Ordnung: „Dann macht ja jeder, was er will auf dem Platz.“ Tor- oder Punktabzug bei deutlicher Kritik am Schiedsrichter? Für Zaskoku „Quatsch. Das gilt ja auch umgekehrt für die Art und Weise eines Schiedsrichters. Wichtig ist, dass ein Schiedsrichter souverän und vernünftig auftritt, dann kann man auch gut miteinander kommunizieren, wenn er zum Beispiel auch erst einmal die Kapitäne anspricht.“

Insgesamt wünscht sich Zaskoku aus Spielersicht keine großen Veränderungen: „Fehlentscheidungen kommen vor, von denen die einen profitieren und unter denen die anderen leiden. Aber das ist doch alles menschlich, davon lebt der Fußball.“

Holger Flossbach (DSC Wanne-Eickel)

Holger Flossbach, der Trainer des Fußball-Westfalenligisten DSC Wanne-Eickel, sagt ganz klar: „Ich will den Fußball so behalten wie ich süchtig nach ihm bin und ihn liebe.“ Ausnahme das passive Abseits: „Völliger Quatsch. Die Abseitsregel sollte wieder sein wie früher.“ Eine Spielzeit von 60 Minuten netto würde aus Flossbachs Sicht nicht viel verändern. „Es ist doch jetzt schon so, dass manche Teams versuchen, mit vielen Unterbrechungen und Schauspielerei den Großen das Leben schwer zu machen.“

Wenn ein Spieler sich bei Eckball oder Freistoß den Ball selbst vorlegen könnte, damit könnte der DSC-Trainer leben, ebenso mit der Möglichkeit zum kurzen Abstoß innerhalb des eigenen Strafraums. Dass der Ball nicht ruhen muss bei Standardsituationen wäre für Flossbach auch O.K.: „Den laufenden Ball zu spielen, ist ja auch nicht einfach.“

Klares Nein von Flossbach zum direkten Tor, wenn ein Abwehrspieler auf der Torlinie mit der Hand klärt. „Es gibt ja unglückliche Situationen, in denen die Hand nicht absichtlich im Spiel ist. Durch einen Elfmeter gibt es dann für die verteidigende Mannschaft immer noch die Chance, das zu relativieren.“

Zum Thema Tor- oder Punktabzug bei deutlicher Kritik am Schiedsrichter sagt Holger Flossbach: „Blödsinn. Emotionen gehören auf den Platz. Da können die Schiedsrichter auch erst mit Gelben Karten und Ermahnungen reagieren.“

Jörg Haake (SC Constantin)

60 Minuten Spielzeit und Stopp bei jeder Unterbrechung? Jörg Haake, Trainer des A-Kreisligisten SC Constantin, sagt: „Im Fußball Quatsch. Dann wäre der Fluss raus aus dem Spiel.“ Haakes Idee: 90 Minuten Spielzeit wie bisher plus generell zehn Minuten Nachspielzeit.

Mit anderem könnte sich Haake durchaus anfreunden. Etwa dem Elfmeter ohne Nachschussmöglichkeit, der direkten Entscheidung auf Tor, wenn die Abwehr auf der Torlinie mit der Hand klärt oder auch, dass sich der Schütze bei Freistößen oder Eckbällen den Ball selbst vorlegen darf.

Die Idee, Kritik am Schiedsrichter mit Tor- oder Punktabzug zu bestrafen, findet Haake nicht gut: „Was ist denn Kritik? Wenn ich sage: ,Schiri, wir wechseln aus!’, der fragt: ,Wen denn?’, und ich sage: ,Dich!’, ist das schon Kritik?“

Andersherum: „Ein Schiri hat zu mir mal gesagt: ,Deine Mannschaft spielt schlechter, als ich pfeife.’ Das ist doch dann auch Kritik.“

An der Basis gäbe es auch genug zu tun, so Haake. „Zum Beispiel sollte jedes Kreisliga-Spiel grundsätzlich von Schiedsrichter plus Linienrichter, das könnten ja auch 15-, 16-Jährige Nachwuchsleute sein, geleitet werden. Bei nur einem Schiedsrichter gibt es oft zu viele Diskussionen.“

>> Neun Vorschläge für mögliche Regeländerungen

  1. Die Spielzeit wird von 90 auf 60 Minuten reduziert. Bei jeder Unterbrechung hält die Uhr an.
  2. Nach Elfmetern gibt es keine Nachschussmöglichkeit, sondern Abstoß.
  3. Ein Schlusspfiff ist erst möglich, wenn das Spiel unterbrochen ist.
  4. Unterläuft einem Abwehrspieler der verteidigenden Mannschaft ein Handspiel auf der Torlinie, wird direkt auf Tor für die angreifende Mannschaft gewertet – egal, ob der Ball über der Linie war oder nicht.
  5. Bei deutlicher Kritik am Schiedsrichter droht Tor- oder Punktabzug.
  6. Bei Freistößen oder Eckbällen ist mehr als eine Berührung durch einen Spieler möglich. Der Schütze darf sich den Ball selbst vorlegen.
  7. Der Ball muss bei Ausführung von Standardsituationen nicht mehr ruhen.
  8. Nimmt der Torwart einen Rückpass mit der Hand auf, gibt es Elfmeter – statt indirekten Freistoß.
  9. Ein kurzer Abstoß zu Spielern im eigenen Strafraum ist möglich.
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