Prozess

Anklage wirft Chefarzt Vergewaltigung vor

Rechtsanwalt Jürgen Scholl und Rechtsanwältin Julia von Dreden vertreten zwei der mutmaßlichen Opfer.

Foto: Kerstin Kokoska

Rechtsanwalt Jürgen Scholl und Rechtsanwältin Julia von Dreden vertreten zwei der mutmaßlichen Opfer. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Freundinnen und Bekannte soll er vergewaltigt oder zum Sex narkotisiert haben. Jetzt steht der ehemalige Chefarzt vor Gericht.

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Chefarzt war er, ein angesehener Mediziner. Doch wer am Dienstag vor dem Landgericht Essen die Anklage hört, erlebt ihn als gewalttätiges Sexmonster. Freundinnen und Bekannte in mehreren NRW-Städten soll er sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Zum Teil soll er sie zum Sex unter Narkose gesetzt haben.

Neben seiner Arbeit in der Klinik fand der Angeklagte, auch nach eigenen Worten, Zeit für neue Beziehungen. Und so zieht sich durch die Anklagen, dass er öfter und bei mehreren Frauen Narkosemittel oder KO-Tropfen einsetzte. Zum Teil soll er ihr Einverständnis erbeten haben. Ihn reize „die Wehrlosigkeit einer Frau“ beim Sex, soll er erklärt haben. Darauf willigten einige ein, heißt es.

Keine Aufklärung über tödliche Narkoserisiken

Die Anklage spricht davon, dass der angeklagte Mediziner nach dem Genuss einer Flasche Wein Frauen das Narkosemittel Propofol injiziert habe. Anschließend habe er ohne ihr Wissen Fotos und Filme von den sexuellen Handlungen angefertigt. Dabei habe er sie nicht darüber aufgeklärt, dass das Medikament bei falscher Dosierung zu Atemstillstand bis zum Tode führen könne.

Juristisch bewertet die Staatsanwaltschaft einige der Taten als sexuellen Missbrauch Widerstandsunfähiger. Die Frauen hätten nie eingewilligt, wenn sie um die tödlichen Risiken der Narkose gewusst hätten. Die VII. Essener Strafkammer, die den Haftbefehl gegen den Mediziner im Sommer nach sieben Tagen U-Haft außer Vollzug setzte, wird neben Rechtsfragen auch klären müssen, ob die Frauen sich abgesprochen haben. Denn eine hatte zu den anderen Kontakt aufgenommen, um über ihn zu sprechen. Verteidiger Rüdiger Deckers hatte deshalb in der Vergangenheit beantragt, die Glaubwürdigkeit der Frauen zu begutachten.

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