Kommunalwahl

Analyse: Wo die SPD in Herne abräumte und die CDU einbrach

Die SPD-Fahne wurde vor allem von Wählern in Röhlinghausen-Nord hoch gehalten. Grüne und CDU erzielten dagegen in diesem Wahlkreis ihr stadtweit schlechtestes Ergebnis.

Die SPD-Fahne wurde vor allem von Wählern in Röhlinghausen-Nord hoch gehalten. Grüne und CDU erzielten dagegen in diesem Wahlkreis ihr stadtweit schlechtestes Ergebnis.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Herne.  Ist Herne seit Sonntag die Herzkammer der SPD? Wo waren die Parteien besonders stark, wo sahen sie kein Land? Die Analyse zur Kommunalwahl.

Von Herzkammern, Höhenflügen und Tiefpunkten - eine Analyse der Ergebnisses der Kommunalwahl in Herne.

Die Herzkammer der SPD

Um kurz nach halb acht hat Frank Dudda es am Wahlabend benutzt, das H-Wort, das in der Sozialdemokratie insbesondere im Ruhrgebiet schon immer eine besondere Rolle spielt: Herne sei auf dem besten Wege, die neue Herzkammer der SPD zu werden, sagte der OB in seinem ersten Statement. Der Blick auf die Ruhrgebiets-Ergebnisse der Genossen zeigt, dass den Herner Genossen dieser einst untrennbar mit Dortmund verbundenen Ehrentitel der SPD möglicherweise bereits jetzt gebührt mit ihren 44,1 Prozent im Rat und den 63,1 Prozent für Dudda.

In Dortmund selbst verlor die SPD am Sonntag im Rat acht Prozent und steht nur noch bei 30,2 Prozent, zudem muss OB-Kandidat Thomas Westphal in knapp zwei Wochen in die Stichwahl. Die Gelsenkirchener Genossen, 2014 noch strahlende Sieger mit absoluter Mehrheit, stürzten ohne Frank Baranowski und mit einer veritablen Schlammschlacht gegen die dortige CDU um gut 15 Prozent auf 35,1 Prozent ab. Und sogar das Bottroper SPD-Ergebnis verliert auf den zweiten Blick an Glanz: Sozialdemokrat Bernd Tischler räumte bei der OB-Wahl zwar mit 73,1 Prozent ab, hatte aber keinen CDU-Gegenkandidaten und wurde von der Union sogar unterstützt. Im Rat verlor die Bottroper SPD mehr als 7 Prozent und liegt nun bei 40,2 Prozent.

Die Hochburgen der Parteien

Wenn es eine Herzkammer in der Herner SPD gibt, dann ist dies seit Sonntag Röhlinghausen-Nord. SPD-Vize Hendrik Bollmann legte dort im Vergleich zu 2014 unglaubliche 8,6 Prozentpunkte zu und löste mit 57,1 Prozent die bisherige Herner Nr. 1 Horsthausen - im internen SPD-Wahlkreisranking mit 51,7 Prozent auf Platz 2 - an der Spitze ab.

Und wo sind andere Parteien stark? Für die Grünen war Herne-Ost (u.a. Vinckestraße, Schaeferstraße, Hermann-Löns-Straße) mit 21,4 Prozent schon traditionell die Hochburg, die Partei blieb hier aber knapp hinter der CDU. In drei Wahlkreisen lösten die Grünen die Union dagegen als zweitstärkste Kraft ab. Und zwar: in Wanne-Mitte, Eickel-Ost und Herne-Alt; in Sodingen-Nord waren beide Partei gleichauf. Die AfD erzielte ihr bestes Ergebnis diesmal im Wahlkreis Wanne-Nord 12,4 Prozent, blieb aber selbst hier unter ihrem Herner Gesamtergebnis der Europawahl von 13,2 Prozent. Das beste Resultat in einem Stimmbezirk erreichte die AfD in der Horsthauser Begegnungsstätte mit 19,7 Prozent - also ausgerechnet an jenem Ort, wo sich die Initiative Feldherrenviertel gegründet hat. Für die CDU bleibt Holthausen ein (relativ) gutes Pflaster mit 26,3 Prozent. Die Linke verzeichnete ihren Top-Wert mit 6,6 Prozent in Baukau-Ost, die FDP erreichte in Eickel-West mit 5,7 Prozent ihr bestes Ergebnis.

Die Tiefpunkte der Parteien

Schlecht ist hier relativ: Die SPD kam in Eickel-West „nur“ auf 34,8 Prozent, trotzdem siegte Direktkandidatin Nurten Özcelik mit einem komfortablen Vorsprung von 9,6 Prozent auf Andreas Barzik (CDU). Definitiv schlecht lief es für die CDU in Röhlinghausen-Nord mit nur 14,3 Prozent. Und auch die Grünen schauten in dem Bollmann-Wahlkreis bei nur 9 Prozent in die Röhre. Schließlich: Die Linke bekam in Sodingen-Nord bei 2,5 Prozent kein Bein auf die Erde.

Die Wahlbeteiligung

Mit 41,5 Prozent lag die Wahlbeteiligung in Herne sogar noch unter den miserablen 42,2 Prozent von 2014. Einerseits. Man könnte andererseits aber auch sagen: Trotz Covid-19 blieb die Wahlbeteiligung stabil. Klarer Fall von: unentschieden. Positiv ist dagegen die Entwicklung bei Frank Dudda. Bei der abgetrennten OB-Wahl 2015 erhielt er bei einer Wahlbeteiligung von 29,9 Prozent nur 16,5 Prozent aller möglichen Stimmen in Herne. Diesmal lag die Zustimmung für Dudda - umgerechnet auf alle Wahlberechtigten - bei immerhin 25,6 Prozent.

Die höchste Wahlbeteiligung wurde in Altenhöfen mit 53,3 Prozent registriert. Schlusslicht ist Wanne-Nord mit 30,3 Prozent. Im Wanner Stimmbezirk 1041 - Josefschule - kann man bei einer Beteiligung von 15,3 Prozent sogar fast schon von Wahlverweigerung sprechen. Die aktivste Wählerschaft hat der Stimmbezirk „evangelische Lutherkirchengemeinde“ in Altenhöfen mit 50,6 Prozent (ohne Briefwähler). Auffällig: Die AfD ist in der Regel dort stark, wo die Wahlbeteiligung niedrig ist.

Die Einzelkandidaten

Mit Özgür Sezer (Wanne-Mitte) und Nadine Grzesinski traten diesmal in zwei Ratswahlkreisen Einzelkandidatinnen an. Grzesinski gelang das Kunststück, in Holsterhausen-Süd mit 1,4 Prozent die Piraten und die Wählergemeinschaft Wanne-Herne hinter sich zu lassen. Sezer kam in Wanne-Mitte zwar auf 2,0 Prozent, landete damit aber hinter allen Parteien.Weitere Berichte aus Herne und Wanne-Eickel lesen Sie hier.

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