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Alter Wartesaal im Bahnhof Herne: Ein Ort für junge Kultur

Der Singer/Songwriter Frère im zur Soundlounge.

Der Singer/Songwriter Frère im zur Soundlounge.

Foto: Cortex Visuals

Herne.   Neun Veranstaltungen sind für das erste Halbjahr geplant. Neben Musik haben auch Ausstellungen, Lesungen und andere Formate dort ihren Platz.

Neun Kulturveranstaltungen im ersten Halbjahr. Das Programm des Alten Wartesaals im Herner Bahnhof ist noch einmal üppiger geworden: Musik, Kunst, Graffiti, Theater, Lesung ... „Wir haben uns breit aufgestellt“, bestätigt Katrin Lieske, die als Mitarbeiterin des Emschertalmuseums das Programm betreut. Zielgruppe sind vor allem jüngere Leute. „Wir wollen die Menschen ansprechen, die wir mit einem klassischen Museumsprogramm noch nicht so gut erreichen“, sagt Lieske. „Gleichzeitig geht es darum, jungen Künstlern und Künstlerinnen einen Raum zu bieten, sich auszuprobieren und Unkonventionelles zu erschaffen.“

Neue Konzertreihe nennt sich Soundlounge

Nach zwei Aufführungen des „Zeitrades“, eines Figurentheaterstücks von Till Beckmann und anderen, im Februar geht es am kommenden Samstag, 9. März, 20 Uhr, weiter mit dem Auftakt einer neuen Konzertreihe, der „Wartesaal Soundlounge“ (anstelle des angekündigten „Teppichkonzerts“). Zwei Singer-Songwriter, Frère aus Bochum und Emily’s Giant aus Leipzig, spielen zwei atmosphärische Sets aus handgemachter Gitarrenmusik mit Folk-Hintergrund.

Zwei weitere Konzerte folgen im Laufe des März: Der Herner Bassist Patric Siewert spielt mit dem Gitarristen Mark Scheel als Duo Apoyando eine „World Music Melange“ (Montag, 11. März, 20 Uhr, Eintritt frei). Aktuelle deutschsprachige Songs von Johannes Oerding, Max Giesinger und Co. sowie Lieder aus eigener Feder präsentiert am Dienstag, 19. März, Marwin Schoenacker um 20 Uhr. Aber auch Musik von Peter Maffay und unbekannteren deutsche Künstlern finden sich im Repertoire der Band aus dem Ruhrgebiet. Zu ihr gehören neben Schoenacker (Keyboard und Gesang) die Sängerin Romina Klingeberg, Lars Selka (Gitarre), Lukas Engelhardt (Bass) und Chris Weißflog (Drums). Am 12. Juli - streng genommen schon im zweiten Halbjahr - folgt ein weiteres Konzert. Dann spielen die Maletten um die Herner Vibraphonistin Carlotta Ribbe.

Zwei Ausstellungen im April und Mai

Zwei Ausstellungen sind geplant. Die junge Essener Künstlerin Kara Stephan - Kunststudentin, Bildhauerin und Theatermalerin - zeigt ab 4. April plastische und malerische Arbeiten: Gesichtslose Stofffiguren kontrastieren mit gemalten Porträts. „Rocco und seine Brüder“ gehören der Berliner Graffiti-Szene an. Das Kollektiv ist bekannt für seine Installationen im öffentlichen Raum. Die Ausstellung (ab 12. Mai) wird mit Pottporus organisiert. Abseits der gängigen Sparten verkürzen die „Herbert“-Aktivisten am letzten März-Wochenende die Zeit bis zum nächsten Jugendkulturwettbewerb mit kreativen Darbietungen aller Art. Und eine besondere Lesung (siehe unten) öffnet den Wartesaal für die Literatur.

Programmplanerin Katrin Lieske freut sich über die gute Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern wie der Agentur Der Goldene Raum, Herbert oder Pottporus. 2500 Gäste besuchten den Wartesaal im vergangenen Jahr bei 13 Veranstaltungen. Insgesamt sei das Feedback sehr positiv. „Der Ort selbst sorgt immer noch für große Überraschungen, da viele diesen tollen Raum zwischen Burgerbrater und Bäcker nicht erwarten.“ Aber auch Veranstalter schätzten die Atmosphäre.

Lese-Show unter dem Titel „Shots und Chai“

So auch Till Beckmann. Der Schauspieler und Regisseur hat die Essener Autorin Karosh Taha (Jahrgang 1987) bei einer Lesung in der Straßenbahn kennengelernt und gleich Feuer gefangen. Karosh Taha gilt vielen als neue frische Stimme der Literatur im Ruhrgebiet. „Kein Bergbau, kein Fußball, kein biodeutscher Held“, bringt Till Beckmann ihren Debütroman „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ auf den Punkt. Zusammen mit ihr und anderen Künstlern hat er aus dem Roman eine Lese-Show entwickelt, die am Samstag, 16. März, im Alten Wartesaal Premiere hat: „Shots und Chai“ mit Wort, Bild und Musik.

Lese-Performance unter Beteiligung vieler Künstler

Die beteiligten Künstler sind in Herne bestens bekannt. Jennifer Ewert hat beim Theater Kohlenpott gespielt. Für die Lese-Show hat sie zusammen mit Karosh Taha Passagen aus dem Buch ausgewählt, die sie im Wechsel mit der Autorin vorträgt, auf Deutsch und zum Teil auf Kurdisch. Denn Karosh Taha hat kurdische Wurzeln und ihr Roman beleuchtet die Welt einer jungen Frau, Sanaa, die als Kind kurdischer Migranten in einer Hochhaussiedlung in einer nicht näher bekannten Stadt aufwächst, wo sie unter den Augen der Familie ihr eigenes Leben zu leben versucht. Die Parallelen zu Tahas Herkunft sind deutlich. Sie wurde im Irak geboren und wuchs in Duisburg auf.

Von einer gewöhnlichen Lesung ist die Show weit entfernt. Dafür sorgt der Herner Musiker Sebastian Maier, außerdem hat Videokünstler Patrick Praschma Visuals entwickelt, zusammen mit der Künstlerin Havin Al-Sindy. Ihre Malerei verbindet sich in einer Live-Performance auf der Wand des Wartesaals mit seinen Projektionen. Die Idee: „Wir wollten auf die sehr metaphorische Sprache des Buches nicht noch Bilder drauf setzen.“

Kooperation mit dem Gladbecker Literaturbüro

Im Gladbecker Literaturbüro Ruhr hat Till Beckmann, der das Projekt leitet, einen Partner gefunden, der die Produktion finanziert. „Das ist für uns ein ganz neues Format“, freut sich Ronja Kokott, der der Ort und die Verbindung der Sparten besonders gut gefällt. „Wir hoffen, damit noch einmal ein anderes Publikum ansprechen zu können.“ Das Literaturhaus Herne ist mit einem Büchertisch präsent.

>>> TERMINE

Shots & Chai, Samstag, 16. März, 20 Uhr, Alter Wartesaal Herne; 28. März, 19 Uhr, Trinkhalle Bochum, Herner Straße 8; 29. März, 20 Uhr, KABÜ Essen, Annastraße 51.

Karten für 10/7 Euro über buero@literatur-buero-ruhr.de

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