Konzert

Allroundtalent Lucy Kuhl fasziniert im Herner Literaturhaus

Lucy van Kuhl gestaltete jetzt einen beeindruckenden Chanson-Abend im Literaturhaus Herne.

Lucy van Kuhl gestaltete jetzt einen beeindruckenden Chanson-Abend im Literaturhaus Herne.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Herne.  Der Alltag liefert die Texte, und auch die Musik schreibt Lucy van Kuhl selbst. Im Literaturhaus Herne erlebten die Besucher ein Allroundtalent.

Mit ihrem Programm „Dazwischen“ hat das Allroundtalent Lucy van Kuhl am Donnerstagabend im Literaturhaus Jung und Alt fasziniert.

Lucy van Kuhl ist ein Geheimtipp: Sie ist Pianistin und schreibt ihre eigene Musik, sie ist Germanistin und Kabarettistin und schreibt ihre eigenen Texte, sie spielt und singt und sie moderiert auch noch ihr Programm. Und das alles so ungezwungen, als könnte es gar nicht anders sein.

Der Alltag sorgt für die Themen

Ihre Themen greift die scharfsinnige Beobachterin aus Alltagserfahrungen auf. Wir sind einfach viel zu oft „dazwischen“ und haben die Qual der Wahl, wie sie sehr anschaulich in ihrem schnell pulsierenden Song „Zu viel Auswahl“ auf den Punkt bringt. Dass eine Kreuzfahrt eine zerrüttete Ehe nicht kittet, sondern höchstens – diskret – beenden kann, das stellt sie in dem Lied „Dafür hab’ ich auch bezahlt“ fest: Der knausrige Ehemann mäkelt an allem, bis er schließlich den letzten Service für sein Geld bekommt: einen Sturz über die Brüstung beim Selfie, der seine Witwe wohlhabend macht.

Allerlei erleben kann man auch bei einer Bahnreise, besonders wenn der Zug sturmbedingt stoppt. Das beschreibt die Singer-Songwriterin in „Nirgendwo ist Hamm“, wo sie auf dem Weg von Berlin nach Leverkusen gestrandet war. Temporeich und packend sind diese Lieder, die Lucy van Kuhl im Literaturhaus mit ihrer kühlen, klaren Stimme lebendig werden lässt und dabei für die kleinsten Nuancen den richtigen Ton trifft. Dem Frust eines Smartphones leiht sie ihre Stimme in „Lieber Handy-Gott“, in forsch-zupackenden Akkorden bringt sie das Aufbegehren eines im Digitalzeitalter zum Tode verurteilten Lesezeichens zum Ausdruck.

Die Tücken des digitalen Lebens

Sie stellt aber auch fest, dass das digitale Leben nicht so ohne weiteres auf den analogen Alltag übertragbar ist, sonst drohen schnell Follower in Gestalt von Polizisten, Pflegern und Psychotherapeuten. Aber auch für nostalgisch-besinnliche Akzente ist Platz in diesem schillernden Kaleidoskop, wie sie in ihrem Abschiedslied auf den Berliner „Fernsehturm“ feststellt, der sie nach ihrem Umzug nicht mehr begleiten wird.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben