Haushalt belastet

1200 Herner zahlen keinen Unterhalt für ihre Kinder

Alleinerziehende von 1200 Kindern  erhalten in Herne Unterhaltsvorschuss, weil die Väter nicht oder kaum zahlen. Diese Zahl könnte sich im neuen Jahr verdreifachen.

Alleinerziehende von 1200 Kindern erhalten in Herne Unterhaltsvorschuss, weil die Väter nicht oder kaum zahlen. Diese Zahl könnte sich im neuen Jahr verdreifachen.

Foto: Jens Büttner/DPA

Herne.   1200 Kinder erhalten von der Stadt Herne Unterhaltsvorschuss. Ab Januar haben deutlich mehr Kinder Anspruch auf die Hilfe. Das kostet.

Durch eine Neuregelung beim Unterhaltsvorschuss sollen auch Alleinerziehende von Kindern zwischen zwölf und 18 Jahren Geld erhalten. Das sorgt zugleich für massive Mehrbelastungen: Die Stadt rechnet mit einem Loch von mehreren Millionen Euro.

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bekommt die Hälfte aller Alleinerziehenden in Deutschland vom Ex-Partner kein Geld für das gemeinsame Kind, ein Viertel nur ab und zu einen Teil. Betroffen sind fast ausschließlich Mütter. Hier springt der Staat mit dem so genannten Unterhaltsvorschuss ein. Ab Januar sollen noch mehr Alleinerziehende unterstützt werden (siehe unten).

Verdreifachung der Kosten

„Wir halten die Ausweitung des Unterhaltsvorschusses für eine gute und notwendige Regelung, damit Alleinerziehende unterstützt werden“, sagt Brigitte Lau, Mitarbeiterin im Fachbereich Kinder, Jugend und Familie auf Anfrage der WAZ. „Daher“, fügt sie an, „stellen wir uns gerne den Herausforderungen, dieses angemessen und zeitnah umzusetzen.“

Laut Stadtverwaltung erhalten in diesem Jahr rund 1200 Kinder in Herne Unterhaltsvorschuss. Kostenpunkt: 2,35 Millionen Euro. Laut vorsichtiger Schätzung der Stadt könnten künftig 3600 Kinder Unterhaltsvorschuss beziehen, was auch eine Verdreifachung der Kosten bedeuten könnte.

Belastung für den Haushalt

13 Prozent zahlt das Land, 33 Prozent der Bund, der Rest, der Löwenanteil, bleibt bei der Kommune hängen. Nach den Worten von Brigitte Lau ist das eine „nicht unerhebliche Belastung für den städtischen Haushalt“. Heißt: Der Kämmerer muss einmal mehr große Löcher im Haushalt stopfen.

Auch deshalb, weil statt derzeit sechs künftig wohl zwölf Stellen für den Unterhaltsvorschuss benötigt würden. Die Personalkosten stiegen deshalb um zusätzlich etwa 300 000 Euro. Außerdem müssten für das neue Personal neue Räume her. Weiteres Problem: Es gebe „mittlerweile auf dem Arbeitsmarkt keine freien Kräfte mehr“.

Herne hat gute „Rückholquote“

Ulrich Klonki, Vorsitzender des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familie, begrüßt das neue Gesetz. „Für die Betroffenen ist das eine gute Sache“, sagt der SPD-Ratsherr zur WAZ. Weniger gut sei dagegen, dass — einmal mehr — die Kommune zur Kasse gebeten werde. Wer die Musik bestelle, der müsse auch dafür zahlen. Auch die Stadt ist nicht damit einverstanden, die Hauptlast tragen zu müssen. „Ein neues Finanzierungsmodell wird daher über den Städtetag bereits angestrebt“, sagt Lau.

Positiv sei in Herne die „Rückholquote“, lobt SPD-Ratsherr Klonki. In knapp über 20 Prozent der Fälle gelinge es der Stadt, Geld von den meist säumigen Vätern zurückzuholen: „Das ist ein Spitzenwert unter den größeren Städten in Nordrhein-Westfalen.“ Zum Vergleich: In Bochum liegt die Quote bei 17 Prozent.

Das sind die geplanten Änderungen

>>> WEITERE INFORMATIONEN. Aktuell gibt es 145 Euro für Kinder von Alleinerziehenden bis fünf Jahre, 194 Euro für Sechs- bis Elfjährige — befristet auf sechs Jahre.

Das soll sich im Januar ändern: Die Altersgrenze soll auf 18 Jahre angehoben werden, für Kinder ab zwölf Jahren soll es dann monatlich 268 Euro geben.

Die Bezugsgrenze von sechs Jahren soll komplett entfallen.

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